Ordenschnalle eines Teilnehmers an dem Feldzug gegen Frankreich 1870/71
Diese Ordenschnalle repräsentiert die militärische Laufbahn eines deutschen Soldaten, der am Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 teilgenommen hat und dessen Dienstzeit sich über mehrere Jahrzehnte bis ins frühe 20. Jahrhundert erstreckte. Die Kombination der drei Auszeichnungen auf dieser Schnalle erzählt die Geschichte eines Mannes, der nicht nur in einem der bedeutendsten Konflikte des 19. Jahrhunderts kämpfte, sondern auch der preußischen und später deutschen Armee über viele Jahre treu diente.
Die Kriegsdenkmünze für 1870/71 bildet das Herzstück dieser Ordenschnalle. Diese Auszeichnung wurde durch die Allerhöchste Kabinetts-Order vom 20. Mai 1871 von König Wilhelm I. von Preußen gestiftet und an alle Kombattanten verliehen, die aktiv an den Kampfhandlungen teilgenommen hatten. Besonders bemerkenswert an diesem Exemplar sind die vier Gefechtsspangen: “Gravelotte-St. Privat”, “Beaumont”, “Sedan” und “Paris”. Diese Spangen wurden auf dem Band der Kriegsdenkmünze getragen und zeigten die Teilnahme an spezifischen, besonders bedeutenden Schlachten.
Die Schlacht bei Gravelotte-St. Privat am 18. August 1870 war eine der blutigsten Schlachten des gesamten Krieges. Hier kämpften über 300.000 Soldaten, und die preußischen Verluste waren enorm, besonders bei der Preußischen Garde. Die Schlacht endete dennoch mit einem deutschen Sieg und führte zur Einschließung der französischen Rheinarmee in Metz. Die Schlacht bei Beaumont am 30. August 1870 war ein entscheidender deutscher Erfolg, der den Weg zur Schlacht bei Sedan ebnete. Sedan, die Schlacht am 1. und 2. September 1870, markierte den dramatischen Höhepunkt des Krieges mit der Kapitulation von Kaiser Napoleon III. und etwa 100.000 französischen Soldaten. Die Gefechtsspange “Paris” weist auf die Teilnahme an der Belagerung von Paris hin, die vom 19. September 1870 bis zum 28. Januar 1871 dauerte und mit der Kapitulation der französischen Hauptstadt endete.
Die Anwesenheit dieser vier Gefechtsspangen auf einer einzigen Ordenschnalle ist bemerkenswert, da sie zeigt, dass der Träger an mehreren der wichtigsten Operationen des Krieges teilgenommen hat. Die Spangen wurden nach strengen Kriterien vergeben und mussten durch militärische Aufzeichnungen nachgewiesen werden.
Die Landwehr-Dienstauszeichnung 2. Klasse aus dem Jahr 1913 dokumentiert die fortgesetzte militärische Verpflichtung des Trägers über Jahrzehnte hinweg. Die Landwehr war ein wesentlicher Bestandteil des preußischen und deutschen Militärsystems, eine Reserve-Formation für Männer, die ihren aktiven Militärdienst bereits abgeleistet hatten. Die Landwehr-Dienstauszeichnung wurde in verschiedenen Klassen verliehen, abhängig von der Dauer der Dienstzeit. Die 2. Klasse wurde typischerweise für eine Dienstzeit von etwa 15 Jahren vergeben. Die Jahreszahl 1913 deutet darauf hin, dass diese Auszeichnung entweder in diesem Jahr gestiftet oder verliehen wurde, was bedeutet, dass der Träger bis ins hohe Alter seiner Reserveverpflichtung nachkam.
Die Zentenarmedaille von 1897 wurde zur Hundertjahrfeier der Geburt Kaiser Wilhelms I. am 22. März 1797 gestiftet. Diese Medaille in der Reduktion von 30 mm (die kleinere Version der originalen 36-mm-Medaille) wurde an Veteranen und Personen verliehen, die eine besondere Verbindung zum Kaiser oder dessen Regierungszeit hatten. Die Reduktion wurde häufig zum Tragen an Ordenschnallen bevorzugt, da sie praktischer und weniger aufdringlich war. Die Zentenarmedaille ehrt Wilhelm I. nicht nur als preußischen König, sondern auch als ersten Deutschen Kaiser, der 1871 nach dem Sieg über Frankreich im Spiegelsaal von Versailles proklamiert wurde.
Zusammen genommen erzählt diese Ordenschnalle die Geschichte eines Mannes, der 1870/71 als junger Soldat in den Krieg zog, möglicherweise in seinen Zwanzigern, und der noch über 40 Jahre später, in seinen Sechzigern, seiner militärischen Verpflichtung in der Landwehr nachkam. Seine Teilnahme an vier bedeutenden Schlachten des Krieges zeugt von der harten Realität des Feldzuges und dem persönlichen Mut, den er bewiesen haben muss. Die Zentenarmedaille verbindet seine persönliche Geschichte mit der größeren Erzählung der deutschen Reichsgründung unter Wilhelm I.
Solche Ordenschnallen sind wichtige historische Dokumente, die es uns ermöglichen, individuelle militärische Karrieren zu rekonstruieren und die Erfahrungen gewöhnlicher Soldaten nachzuvollziehen. Sie verbinden persönliche Biografien mit den großen historischen Ereignissen ihrer Zeit und sind damit wertvolle Zeugnisse der Militärgeschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.