Preußen/Königreich Sachsen Schirmmütze aus dem persönlichen Besitz Kaiser Wilhelms II. als Chef des Königlich Sächsischen 3. Ulanen-Regiment Nr. 21 Kaiser Wilhelm II., König von Preußen

Die elegante hohe Schirmmütze aus feinem weißen Tuch mit hellblauem Bund und Vorstoß, beide Kokarden, die Landeskokarde in der besonderen sächsischen Form, schwarz lackierter Schirm. Innen mit feinem hellem Lederschweißband und hellbeigem Seidenfutter, das Futter mit der goldgeprägten Reichskrone und dem Monogramm «W.», darunter der Stempel «Kostümfundus Kassel A 16 X 320». Größe ca. 54. Zustand 2.

Die Mütze stammt aus dem persönlichen Besitz Kaiser Wilhelms II. Als "Chef der Königlich preußischen Armee" und als Chef diverser nicht preußischer Regimenter besaß Kaiser Wilhelm II. von jedem dieser Regimenter eine Uniform. So auch von dem in Chemnitz stationierten Königlich Sächsischen 3. Ulanen-Regiment Nr. 21 „Kaiser Wilhelm II., König von Preußen“, dessen Chef er war. Um 1910 gelangte die Schirmmütze dann in den „Kostümfundus Kassel“. Das Schloss in Kassel diente der kaiserlichen Familie von 1891 bis 1918 als Sommerresidenz. Auf Betreiben Kaiser Wilhelms II. entstand dort 1909 das neue „Hoftheater“ in Kassel, dessen Fundus mit Stücken aus dem „Zeughaus Berlin“ sowie mit Gegenständen aus dem persönlichen Besitz des Kaisers ausgestattet wurde. 1965 wurde der Fundus aufgelöst und an Händler und Privatpersonen verkauft.
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8.500,00

Preußen/Königreich Sachsen Schirmmütze aus dem persönlichen Besitz Kaiser Wilhelms II. als Chef des Königlich Sächsischen 3. Ulanen-Regiment Nr. 21 Kaiser Wilhelm II., König von Preußen

Die vorliegende Schirmmütze repräsentiert ein bedeutendes Zeugnis der komplexen militärischen Hierarchie des Deutschen Kaiserreichs und der besonderen Stellung Kaiser Wilhelms II. als oberster Kriegsherr. Als König von Preußen und Deutscher Kaiser (1888-1918) war Wilhelm II. nicht nur nominelles Oberhaupt der preußischen Armee, sondern auch Ehren-Chef zahlreicher Regimenter innerhalb und außerhalb Preußens.

Das Königlich Sächsische 3. Ulanen-Regiment Nr. 21, dessen Chef Kaiser Wilhelm II. war, wurde 1867 gegründet und war in Chemnitz stationiert. Die Ulanen waren leichte Kavallerieeinheiten, die ursprünglich aus Polen stammten und sich durch ihre charakteristischen Uniformen auszeichneten. Das Regiment führte den Ehrennamen “Kaiser Wilhelm II., König von Preußen” und stellte eine wichtige Verbindung zwischen dem preußischen Herrscherhaus und dem Königreich Sachsen dar.

Die Tradition der Regimentsinhaberschaft hatte im deutschen Militärwesen eine lange Geschichte. Monarchen, Prinzen und hochrangige Generäle wurden zu Ehren-Chefs von Regimentern ernannt, was sowohl symbolische als auch praktische Bedeutung hatte. Der Regimentschef trug bei zeremoniellen Anlässen die Uniform seines Regiments und pflegte eine besondere Beziehung zu den Offizieren und Mannschaften. Kaiser Wilhelm II., bekannt für seine Liebe zu militärischen Uniformen und Zeremonien, besaß Uniformen von allen Regimentern, deren Chef er war - eine beträchtliche Sammlung, die Dutzende von Einheiten umfasste.

Die beschriebene Schirmmütze zeigt die typischen Merkmale einer sächsischen Ulanen-Offiziersuniform der wilhelminischen Ära. Das weiße Tuch war charakteristisch für Ulanen-Regimenter, während der hellblaue Bund und Vorstoß die sächsischen Regimentsfarben repräsentierten. Die Präsenz beider Kokarden - der Reichskokarde und der Landeskokarde in sächsischer Form - spiegelt das föderale System des Kaiserreichs wider, in dem die Einzelstaaten ihre militärische Identität behielten, während sie gleichzeitig Teil der deutschen Streitkräfte waren.

Das innere Seidenfutter mit der goldgeprägten Reichskrone und dem Monogramm “W” unterstreicht die kaiserliche Provenienz des Stücks. Solche personalisierten Details waren bei höfischen und militärischen Ausrüstungsgegenständen der obersten Ränge üblich und dienten zur eindeutigen Zuordnung.

Von besonderem historischem Interesse ist der Weg dieser Mütze nach ihrer aktiven Verwendung. Der Stempel “Kostümfundus Kassel A 16 X 320” dokumentiert eine faszinierende Nachgeschichte. Das Schloss Wilhelmshöhe bei Kassel diente der kaiserlichen Familie von 1891 bis 1918 als Sommerresidenz. Kaiser Wilhelm II. war ein großer Förderer der Künste und ließ 1909 das neue Hoftheater in Kassel errichten, ein beeindruckendes neoklassizistisches Gebäude.

Für den Fundus dieses Theaters wurden nicht nur reguläre Kostüme angefertigt, sondern auch authentische historische Stücke verwendet. Gegenstände aus dem Zeughaus Berlin und aus dem persönlichen Besitz des Kaisers gelangten in diese Sammlung. Dies war keine ungewöhnliche Praxis: Historische Uniformen und Ausrüstungsgegenstände wurden häufig für Theaterproduktionen, insbesondere für historische Dramen und patriotische Aufführungen, verwendet. Die Authentizität solcher Stücke verlieh den Inszenierungen besonderen Glanz.

Nach dem Ende der Monarchie 1918 und dem Exil Kaiser Wilhelms II. in die Niederlande wurden viele kaiserliche Besitztümer verstreut, verkauft oder in öffentliche Sammlungen überführt. Der Kostümfundus in Kassel bestand bis 1965, als er aufgelöst und an Händler sowie Privatpersonen verkauft wurde. Dies war typisch für die Nachkriegszeit, als viele Theater ihre historischen Fundusbestände aus praktischen und finanziellen Gründen auflösten.

Diese Schirmmütze ist somit nicht nur ein militärhistorisches Objekt, sondern auch ein Zeugnis der Hofkultur des Wilhelminischen Zeitalters, der Theatergeschichte und der wechselvollen Schicksale königlicher Besitztümer im 20. Jahrhundert. Sie verkörpert die Pracht und den Zeremonieneifer einer untergegangenen Epoche und dokumentiert die komplexen militärischen und föderalen Strukturen des Deutschen Kaiserreichs.