Preußen Pickelhaube Modell 1860/71 für Offiziere der Dragoner-Regimenter 7, 8, 11, 13 und 14 

Um 1870/80. Lederhelm, komplett mit allen Beschlägen in vergoldeter Ausführung. Vorne der Dragoneradler mit der Devise «Mit Gott für Koenig und Vaterland», der Kopf des Adler mit einer alten Reparatur, gewölbte Schuppenketten an Durchsteckrosetten (diese waren ab dem 23.11.1871 für Offiziere vorgeschrieben), rechts die preußische Landeskokarde, Kreuzblattbeschlag mit großen Sternschrauben und abnehmbarer kurzer Spitze. Innen mit dem für Offiziere vorgesehenen fein gelaschten Lederfutter, der Nackenschirm rot und der Vorderschirm grün gefüttert. Größe ca. 56. Zustand 2.

Der Helm stammt noch aus der Zeit vor dem Deutsch-Französischem Krieg 1870/71. (Die Regimenter 7, 8, 11, 13 und 14 wurden erst in den Jahren 1860 und 66 aufgestellt). Die Schuppenketten waren zunächst mittels Eisenschrauben befestigt. Ab Ende 1871 waren dann Durchsteckrosetten für die Offiziere befohlen. Der vorliegende Helm weist relativ große Löcher für die Splinte der Rosetten auf, was darauf hinweist, dass die Schuppenkettenbefestigung Ende 1871 vorschriftsmäßig gewechselt wurde.
491605
2.100,00

Preußen Pickelhaube Modell 1860/71 für Offiziere der Dragoner-Regimenter 7, 8, 11, 13 und 14 

Die preußische Pickelhaube Modell 1860/71 für Offiziere der Dragoner-Regimenter repräsentiert eine bedeutende Epoche in der preußischen Militärgeschichte. Dieser Helmtyp entstand in einer Zeit des Umbruchs und der Modernisierung der preußischen Armee, die zwischen den Einigungskriegen und der Gründung des Deutschen Kaiserreichs stattfand.

Die Dragoner-Regimenter Nr. 7, 8, 11, 13 und 14 gehörten zu den jüngeren Kavallerie-Einheiten der preußischen Armee. Diese Regimenter wurden erst in den Jahren 1860 und 1866 aufgestellt, als Preußen seine militärischen Kapazitäten im Vorfeld der deutschen Einigungskriege ausbaute. Die Dragoner bildeten eine vielseitige Waffengattung, die sowohl berittene als auch abgesessene Kampfführung beherrschte und eine wichtige Rolle in den Kriegen gegen Österreich (1866) und Frankreich (1870/71) spielte.

Die Pickelhaube selbst wurde 1842 in Preußen eingeführt und avancierte schnell zum charakteristischen Symbol des deutschen Militarismus. Der Name leitet sich von der markanten Spitze (“Pickel”) ab, die ursprünglich zum Schutz gegen Säbelhiebe konzipiert war. Der Grundkörper wurde aus gepresstem Leder gefertigt, was den Helm leichter machte als die zuvor verwendeten Metallhelme. Diese Konstruktion bot einen gewissen Schutz bei relativ geringem Gewicht, was besonders für Kavalleristen von Bedeutung war.

Die vergoldeten Beschläge auf diesem Helm kennzeichnen ihn eindeutig als Offiziershelm. Während Mannschaften und Unteroffiziere Helme mit Messingbeschlägen trugen, war die Vergoldung den Offizieren vorbehalten und unterstrich ihren höheren Rang. Der Dragoneradler auf der Vorderplatte zeigt das charakteristische preußische Hoheitszeichen mit der Devise “Mit Gott für König und Vaterland”, die die monarchistische und religiöse Legitimation der preußischen Monarchie zum Ausdruck brachte.

Eine besonders wichtige Änderung erfuhr die Pickelhaube durch die Verordnung vom 23. November 1871. Diese schrieb für Offiziere die Befestigung der Schuppenketten mittels Durchsteckrosetten vor, während zuvor Schraubenbefestigungen verwendet wurden. Die Schuppenketten selbst dienten als Kinnriemen und waren ein charakteristisches Merkmal der Offiziershelme. Die gewölbten Metallschuppen, die an ledernen Riemen befestigt waren, boten nicht nur praktischen Nutzen, sondern verliehen dem Helm auch ein besonders repräsentatives Aussehen.

Die preußische Landeskokarde auf der rechten Seite des Helmes zeigte die schwarz-weißen Farben Preußens und war ein verpflichtendes Element der Uniform. Nach der Reichsgründung 1871 kam zusätzlich die schwarz-weiß-rote Reichskokarde hinzu, die auf der linken Seite getragen wurde. Der Kreuzblattbeschlag auf der Rückseite des Helmes war nicht nur dekorativ, sondern diente auch als Befestigung für die abnehmbare Spitze.

Das Innenfutter der Offiziershelme war deutlich aufwendiger gestaltet als bei den Mannschaftshelmen. Das fein gelaschte Lederfutter bot einen höheren Tragekomfort und bessere Passform. Die farbige Fütterung der Schirme - rot am Nackenschirm und grün am Vorderschirm - folgte den militärischen Vorschriften und hatte praktische Gründe: Die rote Farbe im Nacken sollte bei nach hinten geschlagenem Helm gut sichtbar sein, während das grüne Futter vorne die Blendwirkung reduzierte.

Die Zeit um 1870/80, in die dieser Helm datiert wird, war eine Periode tiefgreifender Veränderungen. Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 führte zur Gründung des Deutschen Kaiserreichs und zur Reorganisation der deutschen Streitkräfte. Die preußische Armee bildete das Rückgrat der neuen Kaiserlichen Armee, und viele preußische Traditionen und Uniformvorschriften wurden für das gesamte Reich übernommen.

Die Dragoner-Regimenter, zu denen dieser Helm gehörte, nahmen an den entscheidenden Schlachten der Einigungskriege teil. Ihre Vielseitigkeit machte sie zu wertvollen Einheiten, die sowohl für Aufklärung, Verfolgung als auch für den direkten Kampf eingesetzt werden konnten. Nach 1871 wurden sie Teil der Friedensarmee des Deutschen Kaiserreichs und behielten ihre Bedeutung bis zum Ersten Weltkrieg.

Die Pickelhaube blieb bis 1916 die Standardkopfbedeckung der deutschen Armee, als sie im Ersten Weltkrieg durch den praktischeren Stahlhelm ersetzt wurde. Dennoch bleibt sie bis heute das wohl bekannteste Symbol des preußisch-deutschen Militärs des 19. Jahrhunderts und ein gesuchtes Sammlerobjekt, das die Pracht und den Glanz der kaiserlichen Armee repräsentiert.