Reichsluftschutzbund ( RLB )

Mitgliedsabzeichen 1. Form 17 mm, an Nadel, Hersteller : Aurich Dresden GES.GESCH., Zustand 2.
510105
40,00

Reichsluftschutzbund ( RLB )

Das Reichsluftschutzbund (RLB) Mitgliedsabzeichen der 1. Form stellt ein bedeutendes Zeugnis der zivilen Luftschutzorganisation im nationalsozialistischen Deutschland dar. Diese kleine, nur 17 mm große Anstecknadel verkörpert ein umfassendes System des Zivilschutzes, das zwischen 1933 und 1945 Millionen deutscher Bürger erfasste.

Der Reichsluftschutzbund wurde am 29. April 1933 unter der Leitung von Generalleutnant a.D. Hans von Seeckt gegründet, wobei bereits im Juni desselben Jahres Hermann Göring als Reichsluftfahrtminister die Schirmherrschaft übernahm. Die Organisation hatte zum Ziel, die Zivilbevölkerung auf mögliche Luftangriffe vorzubereiten und ein flächendeckendes Netzwerk von geschulten Luftschutzwarten aufzubauen. Bis 1939 wuchs die Mitgliederzahl auf über 12 Millionen Menschen an, was den RLB zu einer der größten zivilen Massenorganisationen des Dritten Reiches machte.

Das hier beschriebene Mitgliedsabzeichen der 1. Form wurde in der Frühphase des RLB eingeführt und war das erste offizielle Erkennungszeichen für Mitglieder dieser Organisation. Mit seinen kompakten 17 mm Durchmesser war es für das tägliche Tragen an der Zivilkleidung konzipiert. Das Abzeichen zeigt typischerweise das charakteristische RLB-Symbol mit dem stilisierten Adler und dem Luftschutzemblem.

Die Herstellermarkierung “Aurich Dresden GES.GESCH.” verweist auf die Firma Aurich aus Dresden, einen der zahlreichen autorisierten Hersteller von Partei- und Organisationsabzeichen während der NS-Zeit. Die Bezeichnung “GES.GESCH.” steht für “gesetzlich geschützt” und weist auf die offizielle Lizenzierung und das geschützte Design hin. Dresden war ein bedeutendes Zentrum für die Herstellung von militärischen und paramilitärischen Abzeichen, wobei mehrere Firmen dort ansässig waren und für verschiedene NS-Organisationen produzierten.

Die 1. Form des Abzeichens unterscheidet sich von späteren Varianten durch spezifische gestalterische Merkmale und Fertigungstechniken. In den Jahren 1933 bis etwa 1936 wurden diese frühenFormen ausgegeben, bevor Designänderungen und Vereinfachungen in der Produktion zu modifizierten Versionen führten. Sammler und Historiker unterscheiden heute mehrere Formen des RLB-Abzeichens, wobei die erste Form aufgrund ihrer frühen Datierung und oft höheren Qualität der Verarbeitung besonders beachtet wird.

Die Nadelbefestigung auf der Rückseite ermöglichte das sichere Tragen des Abzeichens an der Jacke oder am Revers. Mitglieder des RLB waren angehalten, ihr Abzeichen bei offiziellen Anlässen und während der Ausübung ihrer Luftschutzaufgaben zu tragen. Die Organisation gliederte sich in verschiedene Dienstgrade und Funktionen, von einfachen Mitgliedern über Luftschutzwarte bis zu höheren Führungspositionen, wobei zusätzliche Abzeichen und Auszeichnungen die jeweilige Stellung kennzeichneten.

Der RLB bot umfangreiche Schulungen an, die von Erste-Hilfe-Kursen über Brandbekämpfung bis zu Entgiftungsmaßnahmen reichten. Die Mitglieder wurden in der Verdunkelung von Gebäuden, dem Bau von Luftschutzräumen und dem Verhalten während Luftangriffen unterwiesen. Mit zunehmender Kriegsdauer und der Intensivierung der alliierten Bombenangriffe ab 1942 gewann die praktische Arbeit des RLB an existenzieller Bedeutung für die Zivilbevölkerung.

Nach Kriegsende 1945 wurde der Reichsluftschutzbund zusammen mit allen anderen NS-Organisationen durch die Alliierten aufgelöst. Die Abzeichen und Uniformteile wurden teilweise eingezogen, viele jedoch von ehemaligen Mitgliedern als persönliche Erinnerungsstücke bewahrt. Heute sind diese Objekte wichtige Sammlerstücke und Studienobjekte für Militärhistoriker und Sammler, die sich mit der Geschichte des Zweiten Weltkriegs und der NS-Zeit beschäftigen.

Der Zustand 2 des beschriebenen Exemplars deutet auf ein gut erhaltenes Stück mit leichten Gebrauchsspuren hin, was bei einem über 80 Jahre alten Objekt durchaus bemerkenswert ist. Solche Abzeichen bieten heute einen materiellen Zugang zur Geschichte der zivilen Kriegsvorbereitung und -führung im nationalsozialistischen Deutschland und dokumentieren die umfassende Mobilisierung der Gesellschaft für den Krieg.