Wehrmacht Heer Parade-Waffenrock für einen Unteroffizier im Schützen-Regiment Nr. 2
Standort des Regiments war Meiningen im Südwesten des Freistaates Thüringen.
Der vorliegende Parade-Waffenrock repräsentiert ein bedeutendes Beispiel der militärischen Uniformierung der Wehrmacht während der Zeit des Nationalsozialismus. Dieser Rock gehörte einem Unteroffizier des Schützen-Regiments Nr. 2, das in Meiningen im Südwesten Thüringens stationiert war. Die Uniform verkörpert die strikte Hierarchie und die ausgefeilten Distinktionssysteme des deutschen Heeres dieser Epoche.
Das Schützen-Regiment Nr. 2 hatte seinen Standort in der thüringischen Stadt Meiningen, was durch das Herstelleretikett “Karl Ansorg Meiningen” dokumentiert wird. Diese Verbindung zwischen Regiment und lokalem Schneider war typisch für die Zeit, in der Uniformen häufig von regionalen Ateliers nach militärischen Vorschriften gefertigt wurden. Die Schützen-Regimenter bildeten einen wesentlichen Bestandteil der motorisierten und später mechanisierten Infanterie der Wehrmacht.
Der Waffenrock ist aus feldgrauem Tuch gefertigt, der charakteristischen Farbe der deutschen Landstreitkräfte seit dem Ersten Weltkrieg. Feldgrau wurde 1907/1910 eingeführt, um die Sichtbarkeit der Soldaten auf dem Schlachtfeld zu reduzieren und ersetzte die zuvor verwendeten bunten Uniformen. Diese Farbe blieb während der gesamten Zeit der Wehrmacht die Standard-Grundfarbe für Heeresuniformen.
Ein besonders auffälliges Merkmal ist der in Metallfaden handgestickte Brustadler auf dunkelgrüner Tuchunterlage. Der Hoheitsadler der Wehrmacht wurde auf der rechten Brustseite getragen und symbolisierte die nationalsozialistische Herrschaft über die Streitkräfte. Die handgestickte Ausführung in Metallfaden deutet auf eine höherwertige Paradeuniform hin, im Gegensatz zu den maschinell gewebten oder aufgedruckten Versionen der Felduniformen.
Die dunkelgrünen Kragenspieg el und Ärmelpatten in metallfa dengewebter Ausführung kennzeichnen den Rang und die Truppengattung. Die Waffenfarbe Rosa der Schulterklappen ist von besonderer Bedeutung: Rosa war die Waffenfarbe der Panzerabwehr- und Panzertruppen. Dies deutet darauf hin, dass das Schützen-Regiment Nr. 2 entweder zu einer Panzer-Division gehörte oder eine spezialisierte Rolle in der Panzerabwehr innehatte. Die Waffenfarben wurden durch die Heeresdienstvorschrift (H.Dv.) geregelt und ermöglichten die schnelle Identifikation der Truppenzugehörigkeit.
Der Status als Unteroffizier wird durch die spezifische Kombination der Rangabzeichen deutlich. Unteroffiziere bildeten das Rückgrat der Wehrmacht und waren verantwortlich für die unmittelbare Führung kleiner Einheiten. Sie standen zwischen den Mannschaften und den Offizieren und waren für die Ausbildung und disziplinarische Führung ihrer Untergebenen zuständig.
Die Schlaufen für eine Bandspange und drei Steckabzeichen auf der linken Brust weisen darauf hin, dass der Träger für militärische Auszeichnungen vorgesehen war. Während des Zweiten Weltkriegs wurden verschiedene Orden und Abzeichen verliehen, darunter das Eiserne Kreuz, Verwundetenabzeichen, und Kampfabzeichen verschiedener Waffengattungen. Diese Auszeichnungen wurden typischerweise auf der Paradeuniform zur Schau gestellt.
Das graue Seidenfutter und die hochwertige Verarbeitung unterstreichen den Charakter als Paradeuniform. Solche Uniformen wurden bei feierlichen Anlässen, Appellen und repräsentativen Veranstaltungen getragen, im Gegensatz zu den robusteren Feld- und Dienstuniformen. Die Verwendung von Seide als Futtermaterial war ein Zeichen von Qualität und wurde hauptsächlich bei Offiziers- und höherwertigen Unteroffiziersuniformen verwendet.
Die Maße des Waffenrocks (Schulterbreite ca. 41 cm, Ärmellänge außen ca. 61 cm, Gesamtlänge ca. 64 cm) entsprechen den damaligen Schnittmustern der Wehrmacht-Uniformen. Die relativ kompakten Abmessungen deuten auf einen Träger von durchschnittlicher bis eher kleinerer Statur hin.
Die erwähnten kleinen Mottenschäden sind typisch für Textilien aus dieser Zeit und zeugen vom organischen Charakter der verwendeten Materialien. Wolle, das Hauptmaterial für Militäruniformen, war besonders anfällig für Mottenbefall bei unsachgemäßer Lagerung.
Der Standort Meiningen hatte eine bedeutende militärische Tradition. Die Stadt war seit dem 19. Jahrhundert Garnisonsstadt und beherbergte verschiedene militärische Einheiten. Nach 1933 wurde die Wehrmacht aufgebaut und Meiningen behielt seine Bedeutung als Militärstandort bei.
Dieser Waffenrock steht exemplarisch für die komplexe Uniformierung der Wehrmacht, die durch ein ausgeklügeltes System von Farben, Abzeichen und Rangkennzeichnungen charakterisiert war. Er dokumentiert nicht nur die militärische Hierarchie, sondern auch die handwerkliche Tradition der Uniformherstellung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.