Allgemeines Sturmabzeichen - Hermann Wernstein 1.21.1
Das Allgemeine Sturmabzeichen gehört zu den bedeutendsten Auszeichnungen der deutschen Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs. Diese militärische Tapferkeitsauszeichnung wurde am 1. Juni 1940 durch einen Erlass des Oberbefehlshabers der Wehrmacht gestiftet und sollte die aktive Teilnahme an Infanterieangriffen würdigen.
Das vorliegende Exemplar wurde von Hermann Wernstein aus Jena-Lobeda hergestellt, einem der zahlreichen Hersteller dieser Auszeichnung. Die Herstellerbezeichnung 1.21.1 ist charakteristisch für diesen Produzenten und findet sich auf der Rückseite des Abzeichens. Wernstein war einer von über 70 verschiedenen Herstellern, die während des Krieges mit der Produktion dieser Auszeichnung beauftragt wurden.
Die Verleihungsvoraussetzungen für das Allgemeine Sturmabzeichen waren streng geregelt: Ein Soldat musste an mindestens drei Infanterieangriffen an verschiedenen Tagen teilgenommen haben, oder er konnte die Auszeichnung für besondere Tapferkeit bei einem einzelnen Angriff erhalten. Auch Verwundungen im Nahkampf konnten zur Verleihung führen. Die Auszeichnung stand allen Waffengattungen offen, die an Infanterieangriffen teilnahmen, nicht nur der Infanterie selbst.
Das beschriebene Stück ist aus Zink gefertigt und in Hohlprägung hergestellt, was für die Kriegsproduktion typisch war. Mit fortschreitendem Kriegsverlauf wurden zunehmend Ersatzmaterialien verwendet, da Bronze und andere Metalle für die Rüstungsproduktion benötigt wurden. Zink war ein gängiges Material für spätere Produktionen, obwohl frühe Exemplare oft aus massivem Buntmetall gefertigt wurden.
Ein besonderes Merkmal dieses Exemplars ist das ausgeschnittene Hakenkreuz im zentralen Bereich der Auszeichnung. Diese Fertigungstechnik findet sich bei verschiedenen Herstellern und diente der Materialeinsparung. Das Design des Abzeichens zeigt typischerweise ein stilisiertes Gewehr mit aufgepflanztem Bajonett, umgeben von einem Eichenlaubkranz, und wurde ursprünglich vom Künstler Ernst Ludwig Müller entworfen.
Die Trageweise war genau festgelegt: Das Abzeichen wurde auf der linken Brustseite der Uniform getragen, unterhalb eventueller Orden und Ehrenzeichen. Es wurde mittels einer Nadel mit Haken befestigt, wobei bei diesem Exemplar der Haken fehlt - ein häufiger Zustand bei erhaltenen Stücken, da diese Befestigungselemente oft verloren gingen oder durch jahrzehntelange Lagerung beschädigt wurden.
Die Produktion von Hermann Wernstein in Jena-Lobeda begann vermutlich in den mittleren Kriegsjahren. Die Firma gehörte zu den kleineren Herstellern, was heute Exemplare mit dieser Herstellermarke zu interessanten Sammlerstücken macht. Die Qualität der Wernstein-Produktion variierte, wobei Zinkausführungen generell eine einfachere Verarbeitung aufweisen als frühe Bronzeexemplare.
Historisch betrachtet wurden während des gesamten Krieges etwa mehrere Millionen Allgemeine Sturmabzeichen verliehen, was die Intensität der Kampfhandlungen an der Ostfront und anderen Kriegsschauplätzen widerspiegelt. Die Auszeichnung blieb bis zum Ende des Krieges 1945 eine der meistverliehenen militärischen Ehrenzeichen.
Nach 1945 wurde das Tragen aller nationalsozialistischen Symbole in Deutschland verboten. Heute haben solche Objekte ausschließlich historischen und dokumentarischen Wert für Museen, Archive und wissenschaftliche Sammlungen. Sie dienen als materielle Zeugnisse einer dunklen Epoche der deutschen Geschichte und mahnen zur Erinnerung an die Schrecken des Zweiten Weltkriegs.
Der Erhaltungszustand mit fehlendem Haken und die Zinkausführung sind typisch für viele überlebende Exemplare. Die Patina und eventuelle Korrosionsspuren am Zink erzählen von den Jahrzehnten seit der Herstellung. Für historische Forschung bieten solche Objekte wichtige Einblicke in Produktionstechniken, Materialverwendung und die Organisation des militärischen Auszeichnungswesens während des Krieges.