Knopflochschleife mit Preußischem Rot-Kreuz-Ehrenzeichen 2. und 3. Klasse
Das hier vorliegende Sammlerstück ist eine Knopflochschleife, ein charakteristisches Uniformzubehör der deutschen Kaiserzeit und der Weimarer Republik. Dieses kleine, aber historisch bedeutsame Objekt vereint die Bänder zweier Klassen des Preußischen Rot-Kreuz-Ehrenzeichens und erzählt damit die Geschichte eines Sanitäters, der sich über Jahre hinweg im Dienste der Krankenpflege verdient gemacht hat.
Die Knopflochschleife als Trageform
Die Knopflochschleife war ein weit verbreitetes Accessoire, das es dem Träger ermöglichte, seine militärischen Auszeichnungen in ziviler Kleidung darzustellen, ohne die vollständigen Medaillen anlegen zu müssen. Sie bestand aus gefalteten Seidenbändern, die auf einem Trägermaterial montiert waren und über einen Knopfmechanismus am Knopfloch des Zivilanzugs befestigt wurden. Diese Trageform war während des Deutschen Kaiserreichs und der Weimarer Republik üblich und wurde von zahlreichen Herstellern in größerer Stückzahl gefertigt.
Die auf dieser Schleife sichtbaren Bänder zeigen das charakteristische Muster des Preußischen Rot-Kreuz-Ehrenzeichens: rote Bänder mit weißen und schwarzen Streifen, die die preußischen Farben mit dem Rot des Roten Kreuzes verbinden.
Stiftung und Hintergrund des Preußischen Rot-Kreuz-Ehrenzeichens
Das Preußische Rot-Kreuz-Ehrenzeichen wurde am 1. Oktober 1898 von Kaiser Wilhelm II. gestiftet. Die Initiative zu dieser Auszeichnung ging von Kaiserin Augusta Victoria aus, die als königliche Schirmherrin der Rot-Kreuz-Organisation fungierte. Vor der Einführung dieses Ehrenzeichens waren Verdienste um die Krankenpflege im Kriege mit dem Kronenorden und Allgemeinen Ehrenzeichen mit dem roten Genfer Kreuz anerkannt worden. Augusta Victoria wünschte sich jedoch eine eigenständige Auszeichnung, die auch Friedensverdienste in der Krankenpflege würdigen konnte.
Die Wurzeln des Preußischen Roten Kreuzes reichen bis zum 8. Februar 1864 zurück. Im November 1866 gründete Königin Augusta den Vaterländischen Frauenverein, der eine zentrale Rolle in der Entwicklung der humanitären Hilfsorganisation in Preußen spielte.
Die drei Klassen des Ehrenzeichens
Das Preußische Rot-Kreuz-Ehrenzeichen existierte in drei Klassen. Die 1. Klasse bestand aus einem rot emaillierten Genfer Kreuz mit vergoldeten preußischen Königskronen und wurde als Steckkreuz auf der Brust getragen. Die 2. Klasse war eine runde silberne Medaille mit einem Durchmesser von 33 mm, die ein rot emailliertes Genfer Kreuz und die Initialen W R / A V trug – die Initialen des Kaiserpaares Wilhelm Rex und Augusta Victoria. Die 3. Klasse war eine runde Bronzemedaille gleichen Durchmessers und identischen Designs, jedoch ohne die rote Emaillierung des Kreuzes.
Die 1. Klasse wurde äußerst selten verliehen; einer Quelle zufolge wurden über den gesamten Zeitraum nur etwa 220 Stück ausgegeben. Die 2. Klasse stellte die Einstiegsstufe bei der Erstverleihung dar, und eine Beförderung zur nächsthöheren Klasse war nach fünf Dienstjahren möglich.
Verleihungskriterien und Empfänger
Das Ehrenzeichen wurde an alle Personen – Männer, Frauen und Jungfrauen – verliehen, die sich in besonderem Maße um die Krankenpflege im Frieden oder im Krieg verdient gemacht hatten oder besondere Leistungen im Dienste des Deutschen Roten Kreuzes erbracht hatten. Typische Empfänger waren militärische Sanitäter, zivile Rot-Kreuz-Freiwillige, Krankenschwestern und andere Personen, die im medizinischen und humanitären Dienst tätig waren.
In den preußischen Uniformvorschriften vom 24. Februar 1915 nahm das Rot-Kreuz-Ehrenzeichen 2. Klasse den Rang 13 in der Tragereihenfolge ein.
Dass der Träger dieser Knopflochschleife sowohl die 2. als auch die 3. Klasse besaß, deutet auf eine längere Dienstzeit hin: Zunächst wurde ihm die 2. Klasse als Einstiegsauszeichnung verliehen, und nach mindestens fünf weiteren Dienstjahren erfolgte die Beförderung zur 3. Klasse – wobei die Nummerierung hier entgegen der Intuition verläuft, da die niedrigere Klassenzahl die höhere Auszeichnung darstellt.
Kriegsdienstspangen
Ab dem Jahr 1900 wurden zum Ehrenzeichen Kriegsdienstspangen geschaffen, die den Einsatz in spezifischen Konflikten dokumentierten. Diese umfassten Spangen für China 1900–1901, Südwestafrika 1904–1907 und Ostasien 1914.
Historisches Ende und Nachgeschichte
Die Preußischen Rot-Kreuz-Ehrenzeichen wurden während des gesamten Ersten Weltkriegs verliehen und blieben bis zum Sturz der Monarchie 1918 in Gebrauch. Nach dem Ende des Krieges und der Abdankung der deutschen Fürsten und Könige verschmolz der Preußische Landesverein vom Roten Kreuz am 25. Januar 1921 mit allen anderen staatlichen Rot-Kreuz-Vereinen zum Deutschen Roten Kreuz e.V. mit Sitz in Berlin. Die Landesverbände schufen daraufhin während der Weimarer Republik neue Ehrenzeichen in drei Klassen. Die kaiserlichen Preußischen Rot-Kreuz-Ehrenzeichen der Periode 1898–1918 wurden nicht mehr aktiv verliehen und wurden zu historischen Auszeichnungen.
Diese Knopflochschleife ist somit ein stilles Zeugnis des humanitären Engagements eines preußischen Sanitäters, der über Jahre hinweg im Dienste der Krankenpflege stand – ein kleines, aber aussagekräftiges Stück deutscher Ordensgeschichte.