Kriegsmarine großes Uniformensemble Paradeuniform aus dem Besitz des damaligen Kapitänleutnant zur See Joachim Skibowski, Nachrichtenoffizier auf Panzerschiff "Admiral Scheer"

um 1938. Das Ensemble besteht aus dem dunkelblauem Rock mit Weste, Paradefeldbinde und Paradehose, Zweispitz mit Epauletten im Kasten sowie der große Umhang.
Der lange dunkelblaue Rock ist ein elegantes Eigentumstück, Fertigung aus feinstem Tuch, komplett mit allen Effekten. Metallfaden handgestickter Brustadler, die Knöpfe feuervergoldet. Auf den Ärmeln mit Rangstreifen als Kapitänleutnant zur See, auf den Schultern mit eingesteckten Schulterstücken und den silbernen Passanten zum halten der Epauletten, die auf dem Rock zur Parade getragen wurden, die Schulterknöpfe mit Schrauben. Auf der Brust Schlaufen für eine kleine Bandspange. Innen schwarzes Seidenfutter, in der Innentasche mit Schneideretikett "F. Engert Wilhelmshaven", der Trägername handschriftlich eingetragen "Fähnr. Skibowski 26.2.32." (1932 als Fähnrich hergestellt und dann entsprechend "mitbefördert). Dazu die passende dunkelblaue Weste, mit vergoldeten Knöpfen, innen graues Seidenfutter, hinten am Feststellriemen ebenfalls mit Schneideretikett "F. Engert Wilhelmshaven", der Trägername handschriftlich eingetragen "Skibowski 15. Juli 1932."
Dazu die passende lange Hose zur Parade in gleicher feiner Tuchqualität. Seitlich mit den breiten goldenen Lampassen, innen mit eingenähtem Trägeretikett "Skibowski".
Kriegsmarine Zweispitz, Epauletten und Paradefeldbinde im Tragekoffer, um 1938. Eleganter Zweispitz mit schwarzem Nadelfilzbezug, seitlich mit schwarzem Ripsband. Komplett mit der seidenen gefälteten Kokarde schwarz/weiß/rot, Goldkantille und großem vergoldeten Knopf mit aufgelegtem Hoheitsadler. Innen weißes Schweißleder und weißes Seidenfutter, Größe 57. Die Epauletten als Kapitänleutnant zur See, mit goldenen Feldern, aufgelegte versilberte Anker mit Kette, dünne goldene Kantillen. Dazu die Kriegsmarine Paradefeldbinde für Offiziere, Schloss in Buntmetall vergoldet, an Silbergespinstbinde mit grauen Durchzügen. Komplett im original Koffer, innen gestempelt "Musterschutz D.R.G.M. No. 242340. ". außen ist der Griff des Koffers abgerissen, der Halteriemen beschädigt. Innen jedoch alles Zustand 1a.
Dazu der große Umhang, genannt "Spanier". Fertigung in der gleichen feinen Tuchqualität wie die Uniform, mit dunkelblauem Kragen, vorn mit 2 vergoldeten Löwenköpfen und Verschlusskette. Innen hellgraues Seidenfutter, hinten mit schönem gewebten Schneideretikett "F. Engert Wilhelmshaven" (dieses leicht beschädigt). 
Das gesamte Ensemble ist nur leicht getragen in sehr schönem Zustand.
In dieser Vollständigkeit nur sehr selten zu finden ! Wir konnten den gesamten Nachlass direkt aus der Familie erwerben.

Joachim Skibowski, geboren 11.9.1909 in Zoppot bei Danzig, gehörte zur Crew 1928, 1932 Fähnrich, von Oktober 1937 bis April 1940 Nachrichtenoffizier auf Panzerschiff "Admiral Scheer", danach weiterer Einsatz als Nachrichtenoffizier bei verschiedenen Kommandos.
Nach dem Kriege bei der Bundesmarine als Korvettenkapitän 1956 der 1. Kommandeur der Marinefernmeldeschule in Flensburg-Mürwik.

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7.500,00

Kriegsmarine großes Uniformensemble Paradeuniform aus dem Besitz des damaligen Kapitänleutnant zur See Joachim Skibowski, Nachrichtenoffizier auf Panzerschiff "Admiral Scheer"

Die Kriegsmarine-Paradeuniform repräsentiert einen der markantesten Aspekte der maritimen Militärkultur des Deutschen Reiches zwischen 1935 und 1945. Diese Uniformensembles waren weit mehr als bloße Dienstbekleidung – sie verkörperten Tradition, Hierarchie und den repräsentativen Anspruch der deutschen Seestreitkräfte in einer Zeit tiefgreifender politischer und militärischer Umwälzungen.

Nach der offiziellen Gründung der Kriegsmarine am 21. Mai 1935, die an die Stelle der durch den Versailler Vertrag stark beschränkten Reichsmarine trat, wurden die Uniformvorschriften grundlegend überarbeitet. Die Anzugsordnung für die Kriegsmarine von 1935 und ihre Ergänzungen regelten minutiös das Erscheinungsbild der Offiziere und Mannschaften. Die große Paradeuniform, auch als “Gesellschaftsanzug” oder “großer Gesellschaftsanzug” bezeichnet, war der höchste Uniformgrad und ausschließlich bei besonders feierlichen Anlässen vorgeschrieben.

Die Anfertigung solcher Uniformen erfolgte in der Regel bei renommierten Militärschneidern, die oft in den großen Marinestützpunkten ansässig waren. Wilhelmshaven, Kiel und Flensburg-Mürwik beherbergten mehrere etablierte Schneidereibetriebe, die sich auf Marineeffekten spezialisierten. Diese Schneidereien fertigten maßgeschneiderte Eigentumsstücke, die von den Offizieren privat bezahlt wurden und über Jahre hinweg getragen werden konnten. Die hohe Qualität der verwendeten Materialien – feinstes dunkelblaues Tuch, Seidenfutter, handgestickte Embleme und feuervergoldete Knöpfe – spiegelte sowohl den repräsentativen Anspruch als auch die erheblichen finanziellen Aufwendungen wider, die Marineoffiziere für ihre Ausstattung tätigen mussten.

Der Uniformrock für Offiziere der Kriegsmarine folgte einem streng reglementierten Schnitt. Der dunkelblaue, fast schwarze Farbton war charakteristisch für alle deutschen Marinestreitkräfte seit der Kaiserlichen Marine. Die Rangabzeichen wurden auf den Ärmeln in Form von goldenen Streifen getragen, deren Anzahl und Anordnung den jeweiligen Dienstgrad anzeigte. Ein Kapitänleutnant, der mittlere Offiziersrang zwischen Oberleutnant zur See und Korvettenkapitän, trug zwei mittlere und einen schmalen Streifen. Die Schulterstücke waren mit silbernen Passanten zur Befestigung der Epauletten ausgestattet, die bei Paradeanlässen aufgesteckt wurden.

Der Brustadler, das Hoheitszeichen, war in Metallfaden handgestickt und zeigte den Adler mit ausgebreiteten Schwingen über einem Hakenkreuz – eine nach 1935 obligatorische Änderung gegenüber den Reichsmarine-Uniformen, die noch den Reichsadler ohne nationalsozialistische Symbolik trugen. Die Knöpfe waren feuervergoldet und trugen das Marinewappen mit Anker.

Zur Paradeuniform gehörte eine passende Weste, die unter dem Rock getragen wurde, sowie die Paradehose mit den charakteristischen breiten goldenen Lampassen an den Außenseiten der Beine. Diese Goldstreifen waren ein markantes Erkennungsmerkmal der Offiziersparade-Uniform und unterschieden sie deutlich von den schlichten Diensthosen.

Ein besonderes Element der Paradeuniform war der Zweispitz, auch Schiffchen oder in der traditionellen Form Sturmhut genannt. Diese Kopfbedeckung, die ihre Wurzeln in der napoleonischen Zeit hatte, wurde quer zur Kopfachse getragen und mit einer gefältelten Kokarde in den Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot sowie einem vergoldeten Knopf mit Hoheitsadler verziert. Der Zweispitz war ausschließlich der Paradeuniform vorbehalten und wurde bei gewöhnlichen Dienstanlässen nicht getragen.

Die Epauletten, goldbestickte Schulterschmuckstücke mit aufgelegten versilberten Ankern und Ketten, symbolisierten die maritime Tradition und wurden auf den speziellen Schulterpassanten befestigt. Sie waren ein direktes Erbe der kaiserlichen Marine und verbanden die Kriegsmarine mit der langen deutschen Seetradition.

Die Paradefeldbinde für Offiziere bestand aus silbernem Gespinst mit grauen Durchzügen und einem vergoldeten Buntmetallschloss. Sie wurde diagonal über die Brust getragen und betonte die zeremonielle Funktion der Uniform.

Der “Spanier” genannte große Umhang war ein weiteres traditionelles Element, das an die historischen Marinetraditionen anknüpfte. Gefertigt aus dem gleichen hochwertigen Tuch wie die Uniform selbst, mit dunkelblauem Kragen und Verschlüssen in Form von Löwenköpfen mit Kette, bot er nicht nur Schutz vor Witterungseinflüssen, sondern unterstrich auch die würdevolle Erscheinung der Offiziere bei zeremoniellen Anlässen.

Die Laufbahn eines Marineoffiziers in den 1930er Jahren begann typischerweise mit der Einstellung als Seekadett und führte über die Ränge Fähnrich zur See und Oberfähnrich zur See zum Leutnant zur See. Die Beförderungen erfolgten nach festgelegten Dienstzeiten und bestandenen Prüfungen. Offiziere, die ihre Uniformen als Fähnriche anfertigen ließen, mussten diese bei Beförderungen entsprechend anpassen lassen, insbesondere die Ärmelstreifen und Schulterstücke.

Die Aufbewahrung solcher wertvollen Uniformensembles erfolgte in speziellen Tragekoffern, die oft von den Schneidereien oder spezialisierten Herstellern geliefert wurden. Diese Koffer schützten die empfindlichen Materialien und ermöglichten einen sicheren Transport.

Die große Paradeuniform der Kriegsmarine steht heute als historisches Zeugnis für die Materialkultur und repräsentativen Ansprüche einer untergegangenen Epoche. Als museale Objekte bieten solche Ensembles wichtige Einblicke in Handwerkskunst, Militärorganisation und die soziale Stellung der Offizierskorps in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

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