Brosche der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt für staatlich geprüfte Kindergärtnerinnen
Dieses Abzeichen gehört zu den spezialisierten Berufsabzeichen der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) und wurde von staatlich geprüften Kindergärtnerinnen getragen, die innerhalb des NSV-Systems tätig waren. Es handelt sich um ein seltenes Sammlerstück, das einen wenig bekannten, aber aufschlussreichen Aspekt der nationalsozialistischen Sozialpolitik dokumentiert – die systematische Durchdringung der frühkindlichen Erziehung durch die Parteiorganisation.
Die NSV: Vom Berliner Lokalverein zur Massenorganisation
Die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt wurde ursprünglich 1931 als lokale Wohltätigkeitsorganisation in Berlin gegründet. Kurz nach der Machtübernahme der NSDAP wandelte Adolf Hitler sie am 3. Mai 1933 in eine reichsweite Parteiorganisation um. Unter der Leitung von Erich Hilgenfeldt wurde die NSV für die Gleichschaltung sämtlicher Wohlfahrts- und Sozialdienste im nationalsozialistischen Deutschland verantwortlich und verdrängte dabei unabhängige Wohlfahrtsorganisationen, einschließlich kirchlicher Einrichtungen.
Die NSV entwickelte sich zur zweitgrößten Massenorganisation im NS-Staat nach der Deutschen Arbeitsfront und zählte bis Ende der 1930er Jahre etwa 17 Millionen Mitglieder. Ihr Tätigkeitsfeld umfasste das Winterhilfswerk, Mutter-und-Kind-Programme, Kindergärten, Krankenhäuser und zahlreiche weitere soziale Einrichtungen. Während des Zweiten Weltkriegs war die NSV zudem an der Flüchtlingsbetreuung, der Versorgung von Bombenopfern und der Kinderlandverschickung – der Evakuierung von Kindern aus den Städten – beteiligt.
Ein wesentliches Merkmal der NSV-Wohlfahrt war ihre rassistisch-selektive Ausrichtung: Juden, Roma und andere als «rassisch minderwertig» eingestufte Personen wurden von jeglicher Hilfe ausgeschlossen.
Der Beruf der Kindergärtnerin im NS-Staat
Der Beruf der Kindergärtnerin war in Deutschland bereits seit 1910 staatlich anerkannt und wurde 1928 um die Tätigkeit als Hortnerin erweitert. Während der NS-Zeit wurden Kindergärtnerinnen jedoch verpflichtet, innerhalb des ideologischen Rahmens der nationalsozialistischen Pädagogik zu arbeiten. Sie sollten völkische Ideologie, körperliche Ertüchtigung und Gehorsam gegenüber der Obrigkeit bereits in der frühkindlichen Erziehung fördern.
Das Kindergartensystem der NSV expandierte besonders in den späten 1930er und frühen 1940er Jahren erheblich, als das Regime verstärkt versuchte, die frühkindliche Bildung zu kontrollieren und Kinder von frühestem Alter an ideologisch zu prägen. Im Mai 1938 wurde in Friedberg (Bayern) das erste NSV-Seminar für Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen eingerichtet, das die Ausbildung in eigener Regie übernahm.
Das Abzeichen: Klassifizierung und Einordnung
Die NSV gab zahlreiche verschiedene Abzeichen- und Broschentypen für unterschiedliche Rollen und Funktionen innerhalb der Organisation heraus, darunter Mitgliedsabzeichen, Abzeichen für Schwesternschaft, für Volkspflegerinnen und spezialisierte Abzeichen für verschiedene Berufsgruppen wie Kindergärtnerinnen. Die vorliegende Brosche für «staatlich geprüfte Kindergärtnerinnen» stellt ein solches spezialisiertes Berufsabzeichen dar.
Im Standardkatalog von Heering-Hüsken ist dieses Abzeichen unter der Referenznummer 5625E verzeichnet und wird als selten («Selten») eingestuft. Das vorliegende Exemplar wird im Zustand als «Zustand 2» beschrieben, was einem guten bis sehr guten gebrauchten Zustand mit geringen Gebrauchsspuren entspricht. Die Objektbeschreibung vermerkt, dass die Nadel neu verlötet wurde, was auf eine Reparatur hindeutet.
Einige NSV-Abzeichen trugen RZM-Codes (Reichszeugmeisterei) sowie die Kennzeichnung «Ges. Gesch.» (Gesetzlich Geschützt). Die Hersteller variierten; viele Exemplare blieben ohne Herstellermarkierung.
Nachkriegsgeschichte und Sammlerbedeutung
Die NSV wurde am 10. Oktober 1945 durch das Kontrollratsgesetz Nr. 2 des Alliierten Kontrollrats aufgelöst, das die Auflösung aller NSDAP-Organisationen anordnete. Sämtliche Vermögenswerte der NSV wurden von den Besatzungsbehörden beschlagnahmt. Zahlreiche NSV-Materialien, darunter Abzeichen, Fotografien und Dokumente, wurden 1945–1946 von amerikanischen und britischen Nachrichtendiensten sichergestellt. Ehemalige NSV-Mitarbeiter mussten sich Entnazifizierungsverfahren unterziehen.
Das Tragen oder die öffentliche Zurschaustellung von NSV-Insignien ist nach deutschem Recht (§86a StGB) verboten, mit Ausnahme für Zwecke der staatsbürgerlichen Aufklärung, der historischen Forschung oder der Berichterstattung. NSV-Abzeichen und -Erinnerungsstücke werden heute als historische Artefakte gesammelt und auf dem Markt für Militaria und historische Erinnerungsstücke gehandelt, wobei in Deutschland und Österreich entsprechende gesetzliche Hinweise erforderlich sind.
Die Seltenheit dieser speziellen Variante macht sie zu einem bemerkenswerten Sammlerstück, das zugleich ein eindringliches Zeugnis der institutionalisierten Ideologisierung der frühkindlichen Erziehung im nationalsozialistischen Deutschland darstellt.