Preußen Infanterie Offiziersdegen (IOD) 89

Um 1910. Ca. 2.5 cm breite und 71 cm lange, beidseitig doppelt gekehlte Klinge, wahrscheinlich gekürzt, schauseitig auf der Fehlschärfe der Hersteller «WK.&C», die Klinge leicht fleckig. Klappbares Messinggefäß mit dem preußischen Adler im Korb, Rochenhautgriff, die Rochenhaut mit kleinen Defekten, die Drahtwicklung intakt, aufgelegt die Herrscherchiffre «♔WRII», die Fingerschlaufe intakt. Anhängend Portepee. Schwarz lackierte Stahlscheide mit einem Ringband und beweglichem Tragering, der Lack mit Abplatzungen, Rostspuren, die Scheide ca. um ein Drittel länger als die Klinge, sitzt aber gut. Zustand 2-3.

Gesamtlänge 108 cm.
520906
460,00

Preußen Infanterie Offiziersdegen (IOD) 89

Das preußische Infanterie-Offiziersdegen Modell 1889, oft als IOD 89 bezeichnet, verkörpert die militärische Tradition des Deutschen Kaiserreichs während seiner bedeutendsten Epoche. Dieses Seitengewehr wurde 1889 als Standardausrüstung für alle Infanterieoffiziere der kaiserlichen deutschen Armee eingeführt, nur ein Jahr nachdem Wilhelm II. im Jahr 1888 deutscher Kaiser geworden war. Die Einführung des Modells 89 markierte einen wichtigen Schritt in der Standardisierung der militärischen Ausrüstung im geeinten Deutschland.

Der vorliegende Degen zeigt die charakteristischen Merkmale dieser Waffengattung. Die Klinge ist beidseitig doppelt gekehlt und trägt die Herstellermarke WK.&C auf der Fehlschärfe der Schauseite. Diese Bezeichnung steht für Weyersberg, Kirschbaum & Cie, eine der bedeutendsten Solinger Klingenschmieden, die 1883 aus der Fusion zweier großer Solinger Schwertmacher-Dynastien hervorging. WKC produzierte vom späten 19. Jahrhundert bis zum Ende des Ersten Weltkriegs militärische Blankwaffen und zählte neben Carl Eickhorn, P.O. & Co. und Clemen & Jung zu den Hauptlieferanten dieser Offiziersdegen.

Das klappbare Messinggefäß zeigt den preußischen Adler im Korb, ein zentrales Symbol der preußischen Monarchie und militärischen Macht. Der mit Rochenhaut bezogene Griff ist mit Drahtwicklung versehen, auf der die Herrscherchiffre WRII angebracht ist – das gekrönte Monogramm Wilhelms II., das die Treue zum Kaiser und zum Staat symbolisierte. Diese Chiffre war ein charakteristisches Merkmal aller militärischen Ausrüstungsgegenstände der wilhelminischen Ära und verband den einzelnen Offizier symbolisch mit der Person des Monarchen.

Der Degen diente als Standard-Dienstwaffe für sämtliche Infanterieoffiziere der kaiserlich deutschen Armee, einschließlich der Kontingente aus Preußen, Sachsen, Württemberg, Bayern und den anderen deutschen Einzelstaaten. Von 1889 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs blieb dieser Degentyp in Verwendung. Die Offiziere waren verpflichtet, ihre Degen nach dem vorgeschriebenen Muster privat zu erwerben, wobei sie als Paradedegen und für zeremonielle Funktionen getragen wurden. Das entsprechende Portepee, die geflochtene Degenschlaufe, zeigte durch seine Farben die jeweilige Truppenzugehörigkeit an – für preußische Infanterie war ein schwarz-silbernes Portepee vorgeschrieben.

Das Modell 1889 existierte in mehreren Varianten. Die Friedensversion wies vergoldete Messingbeschläge und eine vernickelte Klinge auf, während die Kriegsversion ab etwa 1915 bis 1918 mit geschwärzten Stahlbeschlägen und vereinfachter Oberflächenbearbeitung ausgeführt wurde. Diese kriegsbedingten Vereinfachungen spiegelten die zunehmende Materialknappheit und den Druck der Massenproduktion wider. Daneben gab es Prunkversionen mit aufwendiger Klingenätzung und Widmungsinschriften für besondere Anlässe. Die verschiedenen deutschen Einzelstaaten verwendeten ähnliche Muster nach dem Modell 1889, jedoch mit ihren jeweiligen Wappen im Gefäßkorb, wie etwa Württemberg, Bayern oder Sachsen.

Der historische Kontext dieses Degens ist eng mit der wilhelminischen Ära verknüpft. Das Modell 1889 begleitete die gesamte Periode der raschen Expansion und Militarisierung des Deutschen Kaiserreichs bis zum Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918. Es war stummes Zeugnis der militärischen Macht des wilhelminischen Deutschland und Symbol des Offizierskorps, das eine zentrale Stellung in der kaiserlichen Gesellschaft einnahm.

Mit der deutschen Revolution vom November 1918 und der Abdankung Wilhelms II. am 9. November 1918 endete abrupt die Ära des Modells 1889. Das Ende des Ersten Weltkriegs und die Auflösung der kaiserlichen Armee machten den Degen als militärische Dienstwaffe obsolet. Die neu gegründete Weimarer Republik benötigte neue Symbole, die nicht mit der untergegangenen Monarchie verbunden waren. Viele Exemplare wurden als Kriegserinnerungsstücke bewahrt, gingen als Familienerbstücke in private Hände über oder gelangten auf den militärischen Antiquitätenmarkt. Der Hersteller WKC besteht bis heute als führender Produzent militärischer Schwerter fort und verbindet damit auf bemerkenswerte Weise die handwerkliche Tradition des 19. Jahrhunderts mit der Gegenwart.