Preußen große Ordenschnalle eines Offiziers und Veteranen im Feldzug 1870/71 und 1914-1918

8 Auszeichnungen. Eisernes Kreuz 1914 am Band für Nichtkämpfer, Kreuz für Kriegshilfsdienst 1914, Roter Adler Orden 4.Klasse, Kronen-Orden 4.Klasse, Hohenzollern Ehrenkreuz 3.Klasse (S-W markiert), Preußen Dienstauszeichnung Kreuz für 25 Jahre für Offiziere, Preußen Kriegsdenkmünze für den Feldzug 1870/71 für Kämpfer. Preußen Centenarmedaille 1897.  Ca. 23 cm breit.
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Preußen große Ordenschnalle eines Offiziers und Veteranen im Feldzug 1870/71 und 1914-1918

Diese umfangreiche Ordenschnalle eines preußischen Offiziers dokumentiert eine bemerkenswerte militärische und zivile Karriere, die sich über nahezu fünf Jahrzehnte erstreckte – vom Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 bis zum Ersten Weltkrieg 1914-1918. Mit acht Auszeichnungen repräsentiert diese Schnalle den typischen Werdegang eines langdienenden Offiziers im Königreich Preußen und späteren Deutschen Kaiserreich.

Die Zusammenstellung beginnt mit dem Eisernen Kreuz 1914 am Band für Nichtkämpfer, eine Variante der berühmtesten deutschen militärischen Auszeichnung. Das Eiserne Kreuz wurde 1813 von König Friedrich Wilhelm III. gestiftet und 1870 sowie 1914 erneuert. Das weiß-schwarze Band mit schwarzen Randstreifen kennzeichnet die Verleihung an Personen, die nicht direkt an Kampfhandlungen teilnahmen, aber dennoch wichtige Dienste leisteten. Dies deutet darauf hin, dass der Träger im Ersten Weltkrieg in einer Stabsfunktion oder administrativen Position tätig war.

Das Kreuz für Kriegshilfsdienst 1914 wurde durch Allerhöchste Kabinetts-Order vom 13. Dezember 1916 gestiftet und würdigte freiwillige Hilfsdienste während des Krieges. Diese Auszeichnung ergänzt das Bild eines Offiziers, der im fortgeschrittenen Alter seinen Dienst für das Vaterland in unterstützender Funktion fortsetzte.

Besondere Bedeutung haben die beiden hohen preußischen Orden: Der Rote Adler-Orden 4. Klasse und der Kronen-Orden 4. Klasse. Der Rote Adler-Orden wurde 1705 vom Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth gestiftet und 1792 von Preußen übernommen. Er gehörte zu den vornehmsten preußischen Auszeichnungen für zivile und militärische Verdienste. Der Kronen-Orden, 1861 von König Wilhelm I. gestiftet, würdigte ebenfalls herausragende Leistungen. Die Verleihung beider Orden in der 4. Klasse weist auf einen Offizier im mittleren bis gehobenen Rang hin.

Das Hohenzollern-Ehrenkreuz 3. Klasse mit der Markierung “S-W” (vermutlich für den Hersteller Sy & Wagner) stellt eine besonders ehrenvolle Auszeichnung dar. Der Königliche Hausorden von Hohenzollern wurde in drei Klassen verliehen und stand rangmäßig sehr hoch. Die 3. Klasse war Offizieren vorbehalten, die sich durch besondere Tapferkeit oder außergewöhnliche Dienste auszeichneten.

Die Preußische Dienstauszeichnung – Kreuz für 25 Jahre für Offiziere belegt eine außerordentlich lange Dienstzeit. Diese 1825 gestiftete Auszeichnung wurde erst nach einem Vierteljahrhundert treuer Dienste verliehen und war mit einem hellblauen Band versehen. Sie zeugt von der kontinuierlichen Karriere des Trägers im preußischen Offizierskorps.

Die Preußische Kriegsdenkmünze für den Feldzug 1870/71 für Kämpfer ist historisch besonders wertvoll, da sie die Teilnahme an jenem Krieg dokumentiert, der zur Gründung des Deutschen Kaiserreichs führte. Diese durch Allerhöchste Kabinetts-Order vom 20. Mai 1871 gestiftete Medaille wurde nur an aktive Teilnehmer der Kampfhandlungen verliehen. Die Kombination dieser Medaille mit den Auszeichnungen des Ersten Weltkrieges zeigt, dass der Träger 1870/71 als junger Offizier an der Front kämpfte und über vier Jahrzehnte später, wohl schon in höherem Alter, im Ersten Weltkrieg noch Dienst leistete.

Die Preußische Centenarmedaille 1897 wurde anlässlich des 100. Geburtstages Kaiser Wilhelms I. am 22. März 1897 gestiftet. Sie wurde an alle lebenden Inhaber der Kriegsdenkmünze 1870/71 sowie an Veteranen früherer Feldzüge verliehen und stellte eine besondere Ehrung der alten Kämpfer dar.

Die Gesamtlänge von etwa 23 Zentimetern entspricht den üblichen Dimensionen solcher Ordensspangen aus der Zeit. Die Anordnung der Orden folgte strengen preußischen Regeln: Zunächst die Kriegsorden, dann die Verdienstorden nach Rang, gefolgt von Dienstauszeichnungen und Erinnerungsmedaillen.

Diese Ordenschnalle ist ein eindrucksvolles Zeugnis preußisch-deutscher Militärgeschichte. Sie dokumentiert nicht nur die persönliche Karriere eines einzelnen Offiziers, sondern auch die bedeutendsten Ereignisse der deutschen Geschichte zwischen 1870 und 1918: Die Reichsgründung nach dem Sieg über Frankreich, die wilhelminische Ära und schließlich den Ersten Weltkrieg, der das Ende der Monarchie bedeutete. Solche mehrteiligen Ordensspangen sind heute wichtige historische Dokumente, die Einblick in Hierarchien, Auszeichnungspraxis und militärische Karrierewege des Kaiserreichs geben.