Reichsarbeitsdienst weibliche Jugend ( RADwJ ) Portraitfoto, Arbeitsmaid mit weißer Bluse und Brosche

Postkartengröße, Zustand 2.
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Reichsarbeitsdienst weibliche Jugend ( RADwJ ) Portraitfoto, Arbeitsmaid mit weißer Bluse und Brosche

Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend (RADwJ) - Historischer Kontext eines Portraitfotos

Das vorliegende Portraitfoto zeigt eine Arbeitsmaid des Reichsarbeitsdienstes der weiblichen Jugend (RADwJ) in charakteristischer Kleidung mit weißer Bluse und Brosche. Solche Fotografien dokumentieren einen bedeutenden Aspekt der nationalsozialistischen Jugend- und Arbeitspolitik im Deutschen Reich zwischen 1933 und 1945.

Entstehung und Organisation des RADwJ

Der Reichsarbeitsdienst (RAD) wurde am 26. Juni 1935 durch das “Gesetz für den Reichsarbeitsdienst” als Pflichtdienst für alle jungen Deutschen eingeführt. Während zunächst nur männliche Jugendliche erfasst wurden, erfolgte ab 1939 die systematische Einbeziehung der weiblichen Jugend. Der RADwJ wurde dabei organisatorisch dem männlichen Reichsarbeitsdienst angegliedert, behielt jedoch eigene Strukturen und Aufgabenbereiche.

Für junge Frauen wurde der sechsmonatige Arbeitsdienst im September 1939, zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, verpflichtend eingeführt. Ab 1941 mussten alle ledigen Frauen zwischen 17 und 25 Jahren diesen Dienst ableisten, bevor sie eine Berufsausbildung beginnen oder eine Arbeitsstelle antreten konnten.

Uniform und Abzeichen

Die Dienstkleidung der Arbeitsmaiden unterschied sich deutlich von der militärischen Uniform des männlichen RAD. Die weiße Bluse, wie sie auf dem vorliegenden Foto zu sehen ist, gehörte zur Ausgehuniform und wurde zu besonderen Anlässen, bei Appellen oder für offizielle Fotografien getragen. Im täglichen Arbeitseinsatz trugen die Arbeitsmaiden dagegen praktische Arbeitskleidung, bestehend aus blauem Rock und blauer Jacke.

Die erwähnte Brosche war ein wichtiger Bestandteil der RADwJ-Uniform. Sie zeigte typischerweise das RAD-Symbol - ein stilisiertes Hakenkreuz kombiniert mit Ähren oder anderen Arbeitssymbolen. Diese Brosche wurde an der weißen Bluse getragen und kennzeichnete die Trägerin als Angehörige des Reichsarbeitsdienstes.

Aufgaben und Einsatzbereiche

Die Arbeitsmaiden wurden vorwiegend in der Landwirtschaft eingesetzt, wo sie Bauernfamilien bei der Feldarbeit, Ernte und Viehwirtschaft unterstützten. Mit fortschreitendem Kriegsverlauf erweiterten sich die Einsatzgebiete auf Haushalte kinderreicher Familien, in denen sie bei der Kinderbetreuung und Haushaltsführung halfen. Weitere Einsatzorte waren Kindergärten, Erntekindergärten und soziale Einrichtungen.

Die ideologische Ausrichtung des RADwJ zielte auf die Erziehung im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung ab. Neben der praktischen Arbeit umfasste der Dienst politische Schulungen, Sport und “weltanschauliche Erziehung”.

Fotografische Dokumentation

Portraitfotos wie das vorliegende waren im Dritten Reich weit verbreitet. Sie dienten verschiedenen Zwecken: als persönliche Erinnerung für die Arbeitsmaiden selbst, als Geschenk für Familienangehörige oder als Dokument des geleisteten Dienstes. Die Postkartengröße war das Standardformat für solche Aufnahmen und ermöglichte den Versand an Familie und Freunde.

Professionelle Fotografen waren häufig in der Nähe von RAD-Lagern ansässig oder besuchten diese regelmäßig, um den Arbeitsmaiden die Möglichkeit zu geben, sich in Uniform ablichten zu lassen. Diese Fotografien zeigen oft idealisierte Darstellungen und sollten ein positives Bild des Arbeitsdienstes vermitteln.

Historische Einordnung

Der Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend muss im Kontext der nationalsozialistischen Gesellschaftspolitik verstanden werden. Er diente der Mobilisierung der weiblichen Bevölkerung für die Kriegswirtschaft, der ideologischen Indoktrination und der Vorbereitung auf die von der NS-Ideologie propagierte Rolle als Mutter und Hausfrau.

Für die betroffenen jungen Frauen bedeutete der RADwJ-Dienst oft harte körperliche Arbeit unter schwierigen Bedingungen. Gleichzeitig bot er für manche auch die erste Möglichkeit, das Elternhaus zu verlassen und neue Erfahrungen zu sammeln, wenngleich dies unter den repressiven Bedingungen des NS-Regimes geschah.

Sammlerwert und historische Bedeutung

Heute sind solche Fotografien wichtige zeitgeschichtliche Dokumente, die Einblick in die Lebenswirklichkeit junger Frauen während des Nationalsozialismus geben. Sie werden in Archiven, Museen und privaten Sammlungen bewahrt und dienen der historischen Forschung und Bildungsarbeit. Der Erhaltungszustand solcher Fotografien variiert stark, wobei gut erhaltene Exemplare besonders wertvoll für die historische Dokumentation sind.

Die Beschäftigung mit solchen Objekten erfordert eine kritische und differenzierte Auseinandersetzung mit der NS-Zeit, bei der die propagandistischen Absichten ebenso berücksichtigt werden müssen wie die individuellen Schicksale der abgebildeten Personen.