Reichskolonialbund ( RKB ) - Mitgliedsabzeichen
Das Reichskolonialbund (RKB) Mitgliedsabzeichen stellt ein faszinierendes Zeugnis der deutschen Kolonialbestrebungen in der Zeit des Nationalsozialismus dar. Dieses Abzeichen wurde von Mitgliedern des Reichskolonialbundes getragen, einer Organisation, die 1936 gegründet wurde und die kolonialen Ambitionen des Dritten Reiches verkörperte.
Der Reichskolonialbund entstand aus der Zusammenlegung verschiedener kolonialrevisionistischer Vereinigungen unter der Führung von Franz Ritter von Epp, einem ehemaligen Offizier und NSDAP-Politiker. Die Organisation zielte darauf ab, die nach dem Ersten Weltkrieg durch den Versailler Vertrag verlorenen deutschen Kolonien zurückzufordern und die koloniale Propaganda im nationalsozialistischen Deutschland zu koordinieren. Bis 1943 wuchs die Mitgliederzahl auf etwa 2 Millionen Menschen an.
Das vorliegende Mitgliedsabzeichen ist mit einer langen Nadel versehen und trägt die Herstellermarkierung “L GES.GESCH.”, was für “gesetzlich geschützt” steht. Diese Kennzeichnung war in der Zeit üblich und deutete auf die rechtliche Absicherung des Designs hin. Die Herstellermarkierung ermöglicht es Sammlern und Historikern heute, die Authentizität und Herkunft solcher Abzeichen zu verifizieren.
Das Design des RKB-Abzeichens zeigt typischerweise koloniale Symbolik, häufig mit einem Hakenkreuz kombiniert, das die Verbindung zwischen der NS-Ideologie und den kolonialen Bestrebungen unterstreicht. Die Abzeichen wurden in verschiedenen Ausführungen hergestellt, wobei die Qualität und Materialien je nach Hersteller und Zeitpunkt der Produktion variierten.
Die historische Bedeutung des Reichskolonialbundes muss im Kontext der deutschen Kolonialgeschichte verstanden werden. Deutschland hatte zwischen 1884 und 1919 Kolonien in Afrika, Asien und im Pazifik besessen, darunter Deutsch-Ostafrika, Deutsch-Südwestafrika, Kamerun, Togo und Deutsch-Neuguinea. Der Verlust dieser Gebiete nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg wurde von vielen Deutschen als nationale Demütigung empfunden.
Der RKB betrieb intensive Propaganda- und Bildungsarbeit. Die Organisation unterhielt Kolonialschulen, veranstaltete Ausstellungen und publizierte Zeitschriften wie die “Deutsche Kolonialzeitung”. Mitglieder trugen ihre Abzeichen bei öffentlichen Veranstaltungen, Versammlungen und Aufmärschen, um ihre Zugehörigkeit zur kolonialen Bewegung zu demonstrieren.
Die praktische Bedeutung dieser Bestrebungen blieb jedoch begrenzt. Obwohl Hitler gelegentlich koloniale Forderungen äußerte, insbesondere in den 1930er Jahren, verschob sich der Fokus der NS-Außenpolitik schnell auf die Expansion in Europa. Das Konzept des “Lebensraums im Osten” ersetzte weitgehend die überseeischen Kolonialambitionen.
Dennoch spielte der Reichskolonialbund bis zu seiner de facto Auflösung 1943 eine Rolle in der NS-Propagandamaschinerie. Die Organisation diente auch als Auffangbecken für ehemalige Kolonialbeamte, Siedler und Militärangehörige, die in den ehemaligen deutschen Schutzgebieten gedient hatten.
Aus militärhistorischer Perspektive sind diese Abzeichen wichtige Studienobjekte. Sie dokumentieren die organisatorische Struktur der NS-Nebenorganisationen und zeigen die Breite des nationalsozialistischen Vereinswesens. Die verschiedenen Herstellermarkierungen ermöglichen es, Produktionsnetzwerke und wirtschaftliche Aspekte der Abzeichenherstellung nachzuvollziehen.
Heute sind RKB-Mitgliedsabzeichen Sammlerobjekte, die in Museen und Privatsammlungen aufbewahrt werden. Sie dienen der historischen Forschung und Aufklärung über die nationalsozialistische Zeit und die deutsche Kolonialgeschichte. Der Umgang mit solchen Objekten erfordert historische Sensibilität und ein Bewusstsein für den problematischen Kontext ihrer Entstehung.
Die Erforschung dieser Abzeichen trägt zum Verständnis bei, wie das NS-Regime versuchte, verschiedene gesellschaftliche Gruppen zu mobilisieren und zu integrieren. Das RKB-Abzeichen steht exemplarisch für die Vielzahl von Organisationen und Symbolen, mit denen das Dritte Reich seine Ideologie in alle Lebensbereiche zu tragen versuchte.