Reichsmarschall Herrmann Göring: großer Suppenteller aus dem Service der Königlich Preußischen Porzellanmanufaktur
Dieser Suppenteller aus der Königlich Preußischen Porzellanmanufaktur (KPM) stammt aus dem persönlichen Service von Reichsmarschall Hermann Göring und repräsentiert einen bemerkenswerten Aspekt der materiellen Kultur der nationalsozialistischen Führungselite. Das um 1936 gefertigte Stück verkörpert sowohl die handwerkliche Exzellenz der traditionsreichen Berliner Manufaktur als auch die Selbstdarstellung eines der mächtigsten Männer des Dritten Reiches.
Die Königlich Preußische Porzellanmanufaktur, gegründet 1763 unter Friedrich dem Großen, war seit jeher eng mit dem preußischen Königshaus und später mit den deutschen Eliten verbunden. Nach 1933 stellte die Manufaktur weiterhin exklusive Services für hochrangige Persönlichkeiten des Regimes her. Hermann Göring, als einer der einflussreichsten Funktionäre nach Hitler selbst, ließ mehrere prachtvolle Services anfertigen, die seine Machtposition und seinen ausgeprägten Hang zu Prunk und Luxus widerspiegelten.
Hermann Göring (1893-1946) durchlief eine bemerkenswerte, wenn auch zutiefst problematische Karriere. Als ehemaliger Jagdflieger des Ersten Weltkriegs und letzter Kommandeur des legendären Jagdgeschwaders Richthofen genoss er hohes Ansehen in militärischen Kreisen. Nach dem gescheiterten Hitler-Putsch 1923 wurde er zu einer Schlüsselfigur der NSDAP. Nach der Machtergreifung 1933 sammelte er rasch verschiedene Ämter: Preußischer Ministerpräsident, Reichsluftfahrtminister, Oberbefehlshaber der Luftwaffe und schließlich 1940 Reichsmarschall – ein eigens für ihn geschaffener Rang, der ihn über alle anderen Militärführer stellte.
Das auf diesem Teller abgebildete Familienwappen Görings ist besonders aufschlussreich. Göring, der keinem alten Adelsgeschlecht entstammte, legte großen Wert auf heraldische Symbole und ließ ein aufwendiges Wappen entwerfen, das seine vermeintliche Größe und Bedeutung unterstreichen sollte. Die Verwendung des Wappens in Gold auf dem weißen Porzellan, umrahmt von einem blau-goldenen Zierrand, folgt klassischen Gestaltungsprinzipien der höfischen Tischkultur und sollte Kontinuität mit aristokratischen Traditionen suggerieren.
Die Datierung um 1936 ist von besonderer historischer Bedeutung. In diesem Jahr hatte Göring seine Machtposition weiter gefestigt: Er leitete den Vierjahresplan, der die deutsche Wirtschaft auf den Krieg vorbereiten sollte, und baute die Luftwaffe systematisch aus. Seine Residenzen – insbesondere Carinhall, sein prächtiges Landgut nördlich von Berlin – wurden zu Schauplätzen pompöser Empfänge, bei denen solche exklusiven Services zum Einsatz kamen. Göring nutzte diese Anlässe zur Selbstinszenierung und zur Demonstration deutscher Macht gegenüber ausländischen Diplomaten und Besuchern.
Die handwerkliche Ausführung des Tellers entspricht den höchsten Standards der KPM. Das weiße, glasierte Porzellan zeigt die charakteristische Qualität der Manufaktur, während die Gold- und Blaumalerei die aufwendige Handarbeit erfahrener Porzellanmaler erforderte. Der Durchmesser von etwa 25 Zentimetern entspricht den üblichen Maßen für Suppenteller dieser Epoche. Die Manufakturmarke auf der Unterseite – das charakteristische blaue Zepter der KPM – authentifiziert das Stück als genuine Arbeit der Berliner Manufaktur.
Solche persönlichen Services hochrangiger NS-Funktionäre werfen wichtige Fragen über die materielle Kultur des Nationalsozialismus auf. Während das Regime nach außen Bescheidenheit und Volksverbundenheit propagierte, lebten seine Führer in außerordentlichem Luxus. Göring war dafür besonders berüchtigt: Seine Sammlungen von Kunstwerken, Juwelen und wertvollen Gegenständen – viele davon geraubt – füllten ganze Räume.
Nach dem Kriegsende 1945 wurden Görings Besitztümer beschlagnahmt. Viele Gegenstände, darunter auch Porzellanservices, wurden zerstreut. Einige Stücke gelangten in Museen, andere in Privatsammlungen. Der historische Wert solcher Objekte liegt heute nicht in einer Glorifizierung ihrer einstigen Besitzer, sondern in ihrem Zeugniswert für die Selbstdarstellung und den Lebensstil der NS-Elite.
Die Erhaltung dieses Tellers im unbeschädigten Zustand ist bemerkenswert, wenn man die Wirren des Kriegsendes und der Nachkriegszeit bedenkt. Für Sammler und Historiker bieten solche Objekte wichtige Einblicke in die Alltagskultur der Machteliten des Dritten Reiches, fernab von Propaganda und offizieller Darstellung.