Deutsches Expeditionskorps in China kleines Kabinettfoto eines Soldaten im 2. Ostasiatischen Infanterie Regiment
Das Deutsche Expeditionskorps in China, auch bekannt als Ostasiatisches Expeditionskorps, entstand als direkte Reaktion auf den Boxeraufstand (1899-1901), eine antiwestliche und antichristliche Bewegung im kaiserlichen China. Die photographische Aufnahme eines Soldaten des 2. Ostasiatischen Infanterie-Regiments aus dem Fotoatelier “Nippon” dokumentiert die deutsche Militärpräsenz in Ostasien zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Nach der Ermordung des deutschen Gesandten Clemens Freiherr von Ketteler am 20. Juni 1900 in Peking entsandte das Deutsche Kaiserreich unter Kaiser Wilhelm II. erhebliche militärische Verstärkungen nach China. Die berüchtigte “Hunnenrede” des Kaisers vom 27. Juli 1900 in Bremerhaven prägte das internationale Bild dieser Expedition. Das deutsche Kontingent war Teil einer internationalen Allianz aus acht Nationen (Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Russland, USA, Japan, Italien und Österreich-Ungarn).
Das 2. Ostasiatische Infanterie-Regiment gehörte zu den Hauptverbänden des deutschen Expeditionskorps. Diese Einheit wurde speziell für den Einsatz in China aufgestellt und rekrutierte sich aus verschiedenen deutschen Stammregimentern. Die Soldaten trugen eine an das tropische Klima angepasste Uniform, die sich deutlich von der Standardausrüstung der heimischen Truppen unterschied. Typisch waren der helle Tropenhelm (Kolonialhelm), leichte khakifarbene oder weiße Uniformen sowie spezielle Abzeichen zur Kennzeichnung der Zugehörigkeit zum Expeditionskorps.
Das Fotoatelier “Nippon” weist auf die japanische Herkunft oder den japanischen Stil des photographischen Studios hin. Solche Ateliers existierten in größerer Zahl in den Vertragshäfen und Konzessionsgebieten Ostasiens. Sie bedienten sowohl die lokale Bevölkerung als auch die ausländischen Militärs und Zivilisten. Die Erstellung von Kabinettfotos – ein Standardformat von etwa 10 x 15 cm auf Karton montiert – war in dieser Epoche die übliche Form der Portraitphotographie. Soldaten ließen sich häufig in voller Uniform photographieren, um diese Aufnahmen an Familienangehörige in der Heimat zu senden oder als persönliche Erinnerung zu bewahren.
Das deutsche Expeditionskorps erreichte seinen Höchststand mit etwa 20.000 Mann unter dem Oberbefehl von Generalfeldmarschall Alfred Graf von Waldersee, der im September 1900 in China eintraf. Zu diesem Zeitpunkt war Peking jedoch bereits von den alliierten Truppen erobert worden. Die deutsche Beteiligung konzentrierte sich daher hauptsächlich auf Strafexpeditionen gegen Dörfer und Städte, die am Aufstand beteiligt gewesen waren. Diese Operationen, besonders im Winter 1900/01, waren von erheblicher Brutalität geprägt und trugen zur negativen Wahrnehmung der deutschen Militärpräsenz bei.
Nach dem Boxerprotokoll vom 7. September 1901, das die Aufstandsfolgen regelte, blieb eine deutsche Militärpräsenz in China bestehen. Das III. Seebataillon und andere Einheiten waren in Tsingtau (Qingdao) stationiert, dem deutschen Pachtgebiet in der Provinz Shandong. Das 2. Ostasiatische Infanterie-Regiment wurde nach Erfüllung seiner Aufgaben schrittweise reduziert und schließlich aufgelöst, wobei viele Soldaten zwischen 1901 und 1902 nach Deutschland zurückkehrten.
Die photographische Dokumentation dieser Militärkampagne war für die damalige Zeit bemerkenswert umfangreich. Neben offiziellen Militärphotographen erstellten kommerzielle Ateliers wie “Nippon” zahlreiche Portraits und Szenenaufnahmen. Diese Photographien dienten nicht nur privaten Zwecken, sondern auch der Propaganda und der öffentlichen Berichterstattung in Deutschland. Illustrierte Zeitungen veröffentlichten regelmäßig Bilder vom Expeditionskorps, was das öffentliche Interesse an der deutschen Kolonialpolitik steigerte.
Solche Kabinettfotos sind heute wichtige historische Quellen für die Uniformkunde, die Militärgeschichte und die deutsch-chinesischen Beziehungen um 1900. Sie dokumentieren nicht nur die militärische Ausrüstung und die Erscheinung der Soldaten, sondern auch die kulturelle Begegnung zwischen Europa und Ostasien. Die Tatsache, dass ein japanisches Atelier die Photographie anfertigte, unterstreicht die komplexe internationale Situation in Ostasien, wo Japan selbst als aufstrebende Militärmacht an der Niederschlagung des Boxeraufstandes teilnahm.
Der Erhaltungszustand solcher Photographien variiert erheblich. Der angegebene “Zustand 2” entspricht in der üblichen Sammlerbewertung einem sehr guten Erhaltungszustand mit minimalen Gebrauchsspuren. Dies ist bemerkenswert für ein über 120 Jahre altes Dokument und erhöht sowohl den historischen als auch den sammlertechnischen Wert erheblich.