III. Reich - 5 Liederbücher: Soldatenlieder, Das zweite neue Soldaten Liederbuch und Morgen marschieren wir, 

mit Texten und tlw. Noten, Kleinformat, Zustand 2-3
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55,00

III. Reich - 5 Liederbücher: Soldatenlieder, Das zweite neue Soldaten Liederbuch und Morgen marschieren wir, 

Soldatenliederbücher des Dritten Reiches: Kulturelle Indoktrination und militärische Tradition

Die vorliegende Sammlung von fünf Liederbüchern aus der Zeit des Nationalsozialismus repräsentiert ein wichtiges Zeugnis der kulturellen und ideologischen Durchdringung der Wehrmacht. Diese kleinen, felddiensttauglichen Publikationen waren integraler Bestandteil des militärischen Alltags und dienten gleichzeitig der Traditionsbildung, der Kameradschaftspflege und der politischen Indoktrination.

Historischer Kontext und Bedeutung

Nach der Machtübernahme 1933 erkannte das NS-Regime schnell die Bedeutung von Liedern als Mittel zur Volksgemeinschaftsbildung und militärischen Motivation. Mit der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht im März 1935 und dem raschen Aufbau der Wehrmacht wurde die kulturelle Ausstattung der Truppe zu einem wichtigen Anliegen. Soldatenliederbücher waren dabei mehr als bloße Unterhaltungsliteratur - sie waren Instrumente der Weltanschauungsvermittlung.

Die Titel wie "Soldatenlieder", "Das zweite neue Soldaten Liederbuch" und "Morgen marschieren wir" verweisen auf die große Nachfrage nach solchen Publikationen. Das Kleinformat dieser Bücher war speziell für den Feldeinsatz konzipiert - sie passten in Brusttaschen der Uniformen und konnten bei Märschen, in Quartieren oder während Gefechtspausen genutzt werden.

Inhalt und Gestaltung

Die Liederbücher enthielten typischerweise eine Mischung aus verschiedenen Liedgattungen: traditionelle deutsche Volkslieder, Soldatenlieder aus früheren Epochen (besonders aus den Befreiungskriegen und dem Ersten Weltkrieg), neue NS-Kampflieder und Marschlieder. Die Texte waren oft vollständig abgedruckt, während Noten nur teilweise beigefügt waren - dies setzte voraus, dass viele Melodien bereits bekannt waren oder mündlich weitergegeben wurden.

Die Auswahl der Lieder folgte mehreren Zielen: Sie sollten den Kampfgeist stärken, Heimatgefühle wecken, Kameradschaft fördern und die nationalsozialistische Ideologie vermitteln. Lieder wie "Wir fahren gegen Engeland", "Erika" oder "Lili Marleen" wurden zu festen Bestandteilen des militärischen Liedguts.

Produktion und Verbreitung

Die Produktion von Soldatenliederbüchern erfolgte durch verschiedene Verlage, sowohl kommerzielle als auch parteieigene. Der Zentralverlag der NSDAP und militärische Dienststellen gaben offizielle Sammlungen heraus, während private Verlage eigene Editionen veröffentlichten. Die Auflagen waren enorm - einzelne Titel erreichten Auflagen von mehreren hunderttausend Exemplaren.

Die Bücher wurden teilweise von der Truppe beschafft, oft aber auch privat erworben oder von Wohlfahrtsorganisationen wie dem Winterhilfswerk oder der NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) an Soldaten verteilt. Sie gehörten zur Standardausstattung von Truppenbetreuungseinrichtungen und waren in Soldatenheimen allgegenwärtig.

Funktion im militärischen Alltag

Das gemeinsame Singen hatte im militärischen Leben mehrere Funktionen. Bei Märschen dienten Marschlieder dem Rhythmushalten und der Ablenkung von Strapazen. In Quartieren und Kantinen förderte das Singen die Kameradschaft und bot emotionalen Ausgleich. Zugleich waren organisierte Singabende Teil der Truppenbetreuung und der weltanschaulichen Schulung.

Die Liederbücher dokumentieren auch die Spannung zwischen traditionellem Soldatentum und nationalsozialistischer Ideologie. Während ältere Landsknecht- und Soldatenlieder eine gewisse Zeitlosigkeit besaßen, waren explizit nationalsozialistische Kampflieder oft propagandistisch und auf aktuelle Kriegsziele ausgerichtet.

Materialität und Erhaltung

Die beschriebenen Exemplare im Kleinformat und im Zustand 2-3 (gut bis befriedigend) zeigen typische Gebrauchsspuren. Diese Bücher wurden intensiv genutzt, in Taschen getragen, bei verschiedenen Witterungsbedingungen verwendet. Eselsohren, Verschmutzungen und Abnutzungserscheinungen sind daher normal und unterstreichen ihre authentische Verwendung.

Das verwendete Papier war kriegsbedingt oft von minderer Qualität, besonders ab 1942/43, als Rohstoffknappheit zunahm. Frühe Ausgaben waren noch auf besserem Papier gedruckt und oft aufwendiger gestaltet.

Sammlerwert und historische Bedeutung

Heute sind solche Liederbücher wichtige Quellen für die Militär-, Kultur- und Mentalitätsgeschichte des Nationalsozialismus. Sie geben Einblick in die Alltagskultur der Wehrmacht, in Indoktrinationsmethoden und in die Verschmelzung von traditionellem Militärwesen mit NS-Ideologie. Für Sammler und Historiker sind sie wertvolle Dokumente einer dunklen Epoche deutscher Geschichte, die kritisch erforscht und kontextualisiert werden müssen.