Kaiserliche Marine Abzeichen "Verein ehemaliger Matrosen Artilleristen Abteilung Lehe - zur Erinnung an de 25 jähr. Jubiläumsfeier"

Bandschleife, etwas zerschlissen, an Nadel. Zustand 2
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65,00

Kaiserliche Marine Abzeichen "Verein ehemaliger Matrosen Artilleristen Abteilung Lehe - zur Erinnung an de 25 jähr. Jubiläumsfeier"

Das vorliegende Abzeichen des Vereins ehemaliger Matrosen Artilleristen Abteilung Lehe zur Erinnerung an die 25-jährige Jubiläumsfeier repräsentiert einen wichtigen Aspekt der deutschen Marinegeschichte und des Veteranenwesens im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Solche Vereinsabzeichen waren nicht nur dekorative Elemente, sondern symbolisierten die tiefe Verbundenheit ehemaliger Marinesoldaten mit ihrer Dienstzeit und ihren Kameraden.

Lehe, heute ein Stadtteil von Bremerhaven, spielte eine bedeutende Rolle in der Geschichte der Kaiserlichen Marine. Die geografische Lage an der Wesermündung machte die Region zu einem strategisch wichtigen Marinestützpunkt. Die Matrosenartillerie bildete einen wesentlichen Bestandteil der Marinestreitkräfte des Deutschen Kaiserreichs, verantwortlich für die Bedienung der Schiffsgeschütze und Küstenverteidigungsanlagen.

Die Tradition der Veteranenvereine hatte im Deutschen Kaiserreich eine lange und bedeutsame Geschichte. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 und der Reichsgründung 1871 entstanden zahlreiche Kriegervereine und Marinevereine, die ehemaligen Soldaten eine soziale Heimat boten. Diese Vereine pflegten nicht nur die Kameradschaft, sondern dienten auch der gegenseitigen Unterstützung und der Aufrechterhaltung militärischer Traditionen in der zivilen Gesellschaft.

Die Matrosenartilleristen bildeten eine spezialisierte Waffengattung innerhalb der Kaiserlichen Marine. Ihre Ausbildung war anspruchsvoll und umfasste nicht nur die Bedienung verschiedenster Geschütztypen, sondern auch technisches Verständnis, mathematische Kenntnisse für die Berechnung von Schussbahnen und die Fähigkeit, unter extremen Bedingungen präzise zu arbeiten. Die Ausbildungsstätten der Marineartillerie befanden sich unter anderem in Kiel, Wilhelmshaven und eben auch in der Region Bremerhaven-Lehe.

Jubiläumsabzeichen wie das vorliegende waren bei Veteranenvereinen eine verbreitete Tradition. Die Feier eines 25-jährigen Bestehens war ein bedeutendes Ereignis, das die Kontinuität und Beständigkeit der Vereinsgemeinschaft würdigte. Solche Festlichkeiten umfassten typischerweise Paraden, Gedenkgottesdienste, Festbankette und Kranzniederlegungen an Denkmälern gefallener Kameraden.

Die Gestaltung solcher Abzeichen folgte bestimmten Konventionen. Häufig zeigten sie maritime Symbole wie Anker, Taue oder Geschütze, kombiniert mit kaiserlichen Symbolen wie der Reichskrone oder dem Adler. Die Inschriften betonten die Zugehörigkeit zur Kaiserlichen Marine und das spezifische Jubiläum. Die Befestigung mittels Bandschleife und Nadel entsprach der üblichen Trageweise bei festlichen Anlässen und Veteranentreffen.

Die zeitliche Einordnung solcher Vereinsjubiläen gibt Aufschluss über die Gründungszeit. Wurde das Jubiläum beispielsweise in den 1910er Jahren gefeiert, würde dies auf eine Vereinsgründung in den späten 1880er oder frühen 1890er Jahren hindeuten – eine Zeit, in der die deutsche Flottenrüstung unter Kaiser Wilhelm II. massiv ausgebaut wurde. Die Tirpitz-Ära (Großadmiral Alfred von Tirpitz war von 1897 bis 1916 Staatssekretär des Reichsmarineamts) prägte diese Periode entscheidend.

Der Erhaltungszustand mit einer “etwas zerschlissenen” Bandschleife ist typisch für Abzeichen, die tatsächlich getragen wurden. Dies unterscheidet sie von reinen Sammlerstücken und verleiht ihnen authentischen historischen Charakter. Die Abnutzung zeugt von der praktischen Verwendung bei Vereinstreffen und Festlichkeiten über Jahre hinweg.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 und der Abdankung Kaiser Wilhelms II. veränderte sich die Situation der Marinevereine grundlegend. Die Kaiserliche Marine wurde aufgelöst und durch die deutlich kleinere Reichsmarine ersetzt. Viele Veteranenvereine behielten jedoch ihre kaiserlichen Traditionen bei und pflegten die Erinnerung an die untergegangene Monarchie. Einige Vereine bestanden bis in die Zeit des Nationalsozialismus, wurden dann aber häufig gleichgeschaltet oder aufgelöst.

Solche Erinnerungsstücke sind heute wichtige Zeugnisse der Alltagsgeschichte und Mentalitätsgeschichte. Sie dokumentieren, wie ehemalige Soldaten ihre Identität auch im zivilen Leben durch die Pflege militärischer Traditionen und Kameradschaft aufrechterhielten. Für die moderne Geschichtsforschung bieten sie Einblicke in soziale Netzwerke, regionale Besonderheiten und die Rolle des Militärs in der wilhelminischen Gesellschaft.

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