Königreich Preußen - Füsilier-Regiment „Königin“ (Schleswig-Holsteinisches) Nr. 86

große Porzellanschale aus dem Offizieres Kasino mit Regiments-Chiffre, Durchmesser 26 cm, KPM, Zustand 2
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285,00

Königreich Preußen - Füsilier-Regiment „Königin“ (Schleswig-Holsteinisches) Nr. 86

Das Füsilier-Regiment "Königin" (Schleswig-Holsteinisches) Nr. 86 gehörte zu den traditionsreichen Truppenverbänden der preußischen Armee und verkörperte die militärische Präsenz Preußens in den nach 1866 annektierten Herzogtümern Schleswig-Holstein. Die vorliegende Porzellanschale aus dem Offiziereskasino repräsentiert die materielle Kultur des preußischen Offizierskorps im Deutschen Kaiserreich und gibt Einblick in die Alltagswelt der militärischen Elite dieser Epoche.

Das Regiment wurde am 6. August 1866 nach dem siegreichen Deutsch-Dänischen Krieg und dem Deutschen Krieg als Infanterie-Regiment Nr. 86 aufgestellt. Der Verband trug zunächst die Bezeichnung "4. Schleswig-Holsteinisches Infanterie-Regiment Nr. 86" und wurde 1888 in ein Füsilier-Regiment umgewandelt. Die Verleihung des Ehrennamens "Königin" erfolgte zu Ehren der preußischen Königin und deutschen Kaiserin, wodurch das Regiment eine besondere Verbindung zum Herrscherhaus erhielt. Diese Namenspatenschaft war eine hohe Auszeichnung und verpflichtete die Regimentsangehörigen zu besonderer Loyalität und vorbildlichem Verhalten.

Die Garnison des Regiments befand sich in Flensburg, einer strategisch wichtigen Stadt in der nördlichsten Provinz Preußens. Das Regiment gliederte sich in drei Bataillone mit insgesamt zwölf Kompanien und war Teil des IX. Armee-Korps. Die Soldaten rekrutierten sich vorwiegend aus der lokalen Bevölkerung Schleswig-Holsteins, was dem Regiment eine besondere regionale Identität verlieh.

Das Offiziereskasino bildete das gesellschaftliche Zentrum des Regiments und war weit mehr als nur eine Speiseeinrichtung. Es war der exklusive Raum, in dem sich die Offiziere nach dem Dienst trafen, gesellschaftliche Veranstaltungen abhielten und die Kameradschaft pflegten. Die Ausstattung dieser Kasinos folgte strengen Traditionen und sollte den Status und die Würde des Offizierskorps widerspiegeln. Zur Einrichtung gehörten nicht nur Möbel und Gemälde, sondern auch speziell angefertigtes Geschirr und Tafelsilber mit der Regimentschiffre.

Die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM), die diese Schale fertigte, war seit 1763 die führende Porzellanmanufaktur Preußens und belieferte sowohl das Königshaus als auch militärische Einrichtungen. Die Verwendung von KPM-Porzellan im Offiziereskasino unterstreicht den hohen Qualitätsanspruch und die Verbindung zur preußischen Krone. Jedes Stück wurde mit großer Sorgfalt hergestellt und oft mit den spezifischen Insignien des jeweiligen Regiments versehen.

Die Regimentschiffre auf der Schale bestand typischerweise aus verschlungenen Initialen, Krone und der Regimentsnummer 86. Diese heraldischen Elemente dienten nicht nur der Dekoration, sondern markierten das Geschirr als Eigentum des Regiments und verhinderten Verwechslungen oder unbefugtes Entfernen. Die Gestaltung solcher Stücke folgte den preußischen Uniformierungsvorschriften und den Traditionen des jeweiligen Regiments.

Im Ersten Weltkrieg kämpfte das Regiment an verschiedenen Fronten. Es war an den Kämpfen in Belgien und Frankreich beteiligt und erlitt wie die meisten preußischen Regimenter erhebliche Verluste. Nach der deutschen Niederlage 1918 und der Auflösung der preußischen Armee im Zuge des Versailler Vertrags wurde das Regiment wie alle anderen Einheiten der kaiserlichen Armee aufgelöst.

Porzellanstücke wie diese Schale sind heute wichtige Zeugnisse der preußischen Militärgeschichte. Sie dokumentieren die materielle Kultur, die Ästhetik und die sozialen Praktiken des Offizierskorps. Nach der Auflösung der Regimenter gelangten viele dieser Gegenstände in Privatbesitz, wurden verkauft oder gingen verloren. Die erhaltenen Stücke befinden sich heute in Museen, militärhistorischen Sammlungen oder bei privaten Sammlern.

Die Zustandsbezeichnung 2 weist auf einen sehr guten Erhaltungszustand hin, was bei Porzellan aus dieser Zeit bemerkenswert ist. Der Durchmesser von 26 cm entspricht einer großen Servierplatte, die wahrscheinlich bei offiziellen Anlässen und festlichen Tafeln im Kasino verwendet wurde.

Solche Objekte bieten einen authentischen Einblick in die Welt der preußischen Armee vor 1918 und erinnern an eine Epoche, die mit dem Ende des Ersten Weltkriegs unwiderruflich zu Ende ging. Sie sind materielle Überreste einer hochgradig ritualisierten militärischen Kultur, in der Tradition, Hierarchie und Standesbewusstsein zentrale Werte darstellten.