Reichsarbeitsdienst (RAD) Sporthose

Tuch aus Baumwolle, Innen mit RAD-Kammerstempel "938 R.A.D.B.A.Br.", Maße: Hosen-Bundumfang ca. 96 cm, Gesamtlänge ca. 37,5 cm. Zustand 2.

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220,00

Reichsarbeitsdienst (RAD) Sporthose

Die vorliegende Reichsarbeitsdienst (RAD) Sporthose stellt ein authentisches Zeugnis der nationalsozialistischen Arbeits- und Erziehungsorganisation dar, die zwischen 1935 und 1945 eine zentrale Rolle im Alltag der deutschen Jugend spielte. Das Kleidungsstück trägt den charakteristischen RAD-Kammerstempel "938 R.A.D.B.A.Br.“, der auf die Reichsarbeitsdienst-Bezirksarbeitsführung Brandenburg verweist und die administrative Struktur dieser weitverzweigten Organisation dokumentiert.

Der Reichsarbeitsdienst wurde am 26. Juni 1935 durch das "Reichsarbeitsdienstgesetz“ als Pflichtdienst für alle jungen Deutschen im Alter von 18 bis 25 Jahren eingeführt. Bereits seit 1931 existierte der Freiwillige Arbeitsdienst (FAD), der nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 zunehmend gleichgeschaltet und militarisiert wurde. Mit der Einführung der allgemeinen Arbeitsdienstpflicht wurde der RAD zu einer der größten Massenorganisationen des Dritten Reiches. Männliche Dienstpflichtige mussten zunächst sechs Monate im RAD dienen, bevor sie zum Wehrdienst eingezogen werden konnten.

Die Organisation des RAD war straff hierarchisch gegliedert und an militärischen Strukturen orientiert. An der Spitze stand der Reichsarbeitsführer Konstantin Hierl, der die Organisation von 1935 bis 1945 leitete. Das Reichsgebiet war in Arbeitsgaue unterteilt, die wiederum in Arbeitsgruppen und Abteilungen gegliedert waren. Die kleinste Einheit bildete die Arbeitsgruppe mit etwa 216 Mann. Der Stempel auf der vorliegenden Sporthose verweist auf die regionale Zuordnung zur Bezirksarbeitsführung Brandenburg, einer der zahlreichen territorialen Verwaltungseinheiten.

Die Dienstkleidung des RAD war genau reglementiert und sollte die paramilitärische Ausrichtung der Organisation unterstreichen. Die reguläre Arbeitsuniform bestand aus einer khakifarbenen Tunika, Knickerbocker-Hosen, Wickelgamaschen und Arbeitsschuhen. Zur Dienstkleidung gehörte auch die charakteristische Feldmütze sowie der Spaten, der als symbolisches Arbeitsgerät über der Schulter getragen wurde und zum Erkennungszeichen des RAD avancierte. Die hier vorliegende Sporthose aus Baumwolle gehörte zur Sportbekleidung, die für die körperliche Ertüchtigung während der Dienstzeit vorgesehen war.

Der Sport spielte im Reichsarbeitsdienst eine bedeutende Rolle und war integraler Bestandteil des täglichen Dienstplans. Die körperliche Ausbildung diente nicht nur der Fitness und Gesundheit, sondern auch der vormilitärischen Erziehung. Zu den sportlichen Aktivitäten gehörten Laufen, Geländesport, Hindernisläufe und verschiedene Mannschaftssportarten. Die kurze Ausführung dieser Sporthose mit einer Gesamtlänge von nur 37,5 cm entspricht dem typischen Schnitt der damaligen Turnhosen, die maximale Bewegungsfreiheit ermöglichen sollten.

Die Kammerstempel auf RAD-Ausrüstungsgegenständen erfüllten mehrere Funktionen: Sie kennzeichneten die Ausrüstung als Staatseigentum, ermöglichten die Zuordnung zu bestimmten Verwaltungseinheiten und sollten Diebstahl verhindern. Das System der Stempelung war im gesamten RAD einheitlich geregelt. Die Kennzeichnung "938“ verweist auf eine spezifische Dienststelle oder Lagereinheit innerhalb der Bezirksarbeitsführung Brandenburg.

Die Arbeit im RAD umfasste hauptsächlich Aufgaben in der Land- und Forstwirtschaft, im Straßen- und Wegebau, bei Meliorationsarbeiten und in der Wasserwirtschaft. Mit Kriegsbeginn 1939 verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend auf kriegswichtige Projekte, darunter der Bau von Befestigungsanlagen wie dem Westwall und der Atlantikwall. RAD-Einheiten wurden auch zum Einsatz in besetzten Gebieten herangezogen. Ab 1943 wurden RAD-Angehörige verstärkt als Flakhelfer eingesetzt oder direkt in die Wehrmacht übernommen.

Für weibliche Dienstpflichtige existierte seit 1939 der Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend (RADwJ), der zunächst freiwillig war und ab 1939 zur Pflicht wurde. Junge Frauen leisteten ihren Dienst hauptsächlich in der Landwirtschaft und in Haushalten kinderreicher Familien.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Reichsarbeitsdienst durch die Alliierten aufgelöst und als Teil des nationalsozialistischen Herrschaftssystems eingestuft. Heute sind RAD-Uniformteile und Ausrüstungsgegenstände wie die vorliegende Sporthose wichtige historische Quellen für die Erforschung der nationalsozialistischen Organisationsstrukturen und des Alltags im Dritten Reich. Sie dokumentieren die Durchdringung aller Lebensbereiche durch die NS-Ideologie und die systematische vormilitärische Erziehung der Jugend.

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