Reichsnährstand ( RNSt ) - Brosche " Kriegserntedank an die Bäuerin - Landesbauernschaft Bayern "
Die Reichsnährstand-Brosche "Kriegserntedank an die Bäuerin - Landesbauernschaft Bayern" stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der nationalsozialistischen Agrarpolitik und Propagandaarbeit während des Zweiten Weltkriegs dar. Diese von der renommierten Firma C. Poellath aus Schrobenhausen hergestellte Auszeichnung verkörpert die ideologische Verknüpfung von Landwirtschaft, Kriegswirtschaft und der Rolle der Frau im nationalsozialistischen Deutschland.
Der Reichsnährstand (RNSt) wurde am 13. September 1933 durch das Reichsnährstandsgesetz als Zwangsorganisation für alle in der Land- und Forstwirtschaft sowie in der Lebensmittelverarbeitung Tätigen gegründet. Unter der Leitung von Richard Walther Darré, der gleichzeitig Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft war, sollte diese Organisation die vollständige Kontrolle über die deutsche Agrarwirtschaft ausüben. Der Reichsnährstand war Teil der nationalsozialistischen "Blut-und-Boden"-Ideologie, die das Bauerntum als Grundlage des deutschen Volkes glorifizierte.
Die Landesbauernschaften bildeten die regionalen Gliederungen des Reichsnährstands. Die Landesbauernschaft Bayern war eine der bedeutendsten dieser Organisationen, da Bayern traditionell stark landwirtschaftlich geprägt war. Sie koordinierte die landwirtschaftliche Produktion, verteilte Ressourcen und diente als Propagandainstrument zur Mobilisierung der ländlichen Bevölkerung für die Kriegsanstrengungen.
Die Brosche mit der Aufschrift "Kriegserntedank an die Bäuerin" wurde während des Zweiten Weltkriegs verliehen, vermutlich zwischen 1939 und 1945. Diese Auszeichnungen dienten dazu, die Leistungen der Frauen in der Landwirtschaft während des Krieges anzuerkennen. Mit dem Einzug der Männer zur Wehrmacht mussten Bäuerinnen die Höfe weitgehend allein bewirtschaften und gleichzeitig die Ernährung der Bevölkerung und der kämpfenden Truppe sicherstellen. Die sogenannte "Heimatfront" wurde zu einem zentralen Propagandathema, und Frauen in der Landwirtschaft wurden als "Ernährerinnen der Nation" heroisiert.
Die Herstellerfirma C. Poellath aus Schrobenhausen war einer der führenden Produzenten von militärischen und zivilen Auszeichnungen, Abzeichen und Ehrenzeichen während der NS-Zeit. Das 1778 gegründete Unternehmen hatte sich auf die Herstellung von Metallwaren spezialisiert und produzierte während des Dritten Reichs eine Vielzahl von Parteiabzeichen, Ehrenzeichen und Auszeichnungen für verschiedene NS-Organisationen. Die Firma existiert bis heute und ist noch immer in der Herstellung von Orden und Ehrenzeichen tätig.
Die Kriegserntedank-Aktionen waren Teil der nationalsozialistischen Propagandabemühungen, um die ländliche Bevölkerung zu motivieren und ihre Loyalität zum Regime zu sichern. Jährlich wurden im Herbst große Erntedankfeste organisiert, die während des Krieges besondere Bedeutung erlangten. Diese Veranstaltungen dienten nicht nur der Anerkennung landwirtschaftlicher Leistungen, sondern waren auch wichtige Propagandaspektakel zur Demonstration der angeblichen Stärke und Einheit des "Volksgemeinschaft".
Die Gestaltung solcher Broschen folgte typischerweise den ästhetischen Vorgaben der NS-Zeit: naturalistisch-symbolische Darstellungen von Ähren, Pflügen oder bäuerlichen Motiven, oft kombiniert mit Hoheitszeichen oder anderen NS-Symbolen. Die Nadelausführung ermöglichte das Tragen an der Kleidung, wodurch die Trägerin ihre Auszeichnung und damit ihre Rolle im nationalsozialistischen System öffentlich demonstrieren konnte.
Aus historischer Perspektive dokumentieren solche Auszeichnungen die umfassende Durchdringung aller Lebensbereiche durch das NS-Regime. Die Anerkennung und Instrumentalisierung der landwirtschaftlichen Arbeit, insbesondere der Frauenarbeit, war essentiell für die Aufrechterhaltung der Kriegswirtschaft. Gleichzeitig zeigen diese Objekte die subtilen Mechanismen der Herrschaftssicherung durch symbolische Anerkennung und die Integration der Bevölkerung in das ideologische System.
Nach 1945 wurden solche NS-Auszeichnungen in Deutschland verboten und dürfen heute nur noch zu historischen Dokumentations- und Aufklärungszwecken ohne verfassungsfeindliche Symbole öffentlich gezeigt werden. Sie sind wichtige Quellen für die historische Forschung zur NS-Zeit und zur Geschichte der Agrarwirtschaft im Zweiten Weltkrieg.