Rußland St. Stanislaus Orden, Kreuz 2. Klasse mit Schwertern

Fertigung aus dem 1. Weltkrieg 1915-1917. Halskreuz. Das Kreuz Bronze vergoldet und emailliert, 48mm, rückseitig Hersteller Eduard. Leicht getragen, an Bandschnalle. Deutlich getragen, Zustand 2.
512307
950,00

Rußland St. Stanislaus Orden, Kreuz 2. Klasse mit Schwertern

Der Russische St. Stanislaus-Orden gehörte zu den bedeutendsten Auszeichnungen des Kaiserreichs Russland und wurde während des Ersten Weltkriegs in großer Zahl an verbündete Offiziere verliehen, insbesondere an Angehörige der deutschen und österreichisch-ungarischen Streitkräfte. Das vorliegende Exemplar eines Kreuzes 2. Klasse mit Schwertern stammt aus der Produktionsperiode 1915-1917 und trägt die Signatur des renommierten Herstellers Eduard.

Der St. Stanislaus-Orden wurde ursprünglich 1765 vom polnischen König Stanislaus II. August Poniatowski gestiftet und nach dem heiligen Stanislaus von Krakau, dem Schutzpatron Polens, benannt. Nach den polnischen Teilungen wurde der Orden 1831 von Zar Nikolaus I. in das russische Ordenssystem integriert und rangierte in der Hierarchie der russischen Auszeichnungen an dritter Stelle, nach dem Andreasorden und dem Alexander-Newski-Orden.

Die 2. Klasse des St. Stanislaus-Ordens wurde als Halskreuz getragen und war eine bedeutende Auszeichnung für mittlere und höhere Offiziere. Das Kreuz besteht aus bronze vergoldetem Metall mit charakteristischer roter Emaille, die das Kreuz bedeckt. In der Mitte befindet sich traditionell ein Medaillon mit dem Monogramm “SS” (für Sankt Stanislaus), umgeben von einem weißen Emaillerand. Die Abmessung von 48mm entspricht den standardisierten Maßen für diese Ordensklasse.

Die Schwerter auf dem Orden kennzeichnen die militärische Verleihung. Während des Ersten Weltkriegs wurden die Schwerter fast ausnahmslos mit verliehen, da die meisten Auszeichnungen für militärische Verdienste an der Front erfolgten. Die Schwerter wurden zwischen den Kreuzarmen angebracht und waren ebenfalls vergoldet.

Der Hersteller Eduard, dessen Signatur sich auf der Rückseite befindet, war eine der bedeutendsten Manufakturen für russische Orden und Ehrenzeichen. Die Firma Eduard in St. Petersburg belieferte den Zarenhof und produzierte Orden von höchster Qualität. Während des Ersten Weltkriegs stieg die Nachfrage nach Auszeichnungen dramatisch an, was zu einer erhöhten Produktion führte. Die Qualität blieb jedoch auf hohem Niveau, wie die feine Emaillierung und Vergoldung zeigen.

Die Verleihungspraxis des St. Stanislaus-Ordens an deutsche Offiziere intensivierte sich nach dem Kriegseintritt Russlands 1914. Im Rahmen der militärischen Zusammenarbeit und als Zeichen der Waffenbrüderschaft wurden russische Orden an verbündete Offiziere verliehen. Dies geschah besonders häufig bei gemeinsamen Operationen oder bei Besuchen hochrangiger Militärs. Die Ostfront des Ersten Weltkriegs sah intensive Kämpfe zwischen den Mittelmächten und Russland, und trotz der feindlichen Beziehungen wurden in den Jahren vor dem Krieg und in den frühen Kriegsmonaten noch Orden ausgetauscht.

Die Produktionsperiode 1915-1917 ist historisch besonders bedeutsam. Diese Jahre markieren die intensivste Phase des Krieges an der Ostfront, aber auch den beginnenden Niedergang des Zarenreichs. Die Februarrevolution 1917 beendete die Romanow-Dynastie, und die Oktoberrevolution im selben Jahr führte zur bolschewistischen Machtübernahme. Orden, die nach 1917 produziert wurden, gelten als Emigrantenfertigungen, da das neue sowjetische Regime das alte Ordenssystem abschaffte.

Das vorliegende Stück wird als “deutlich getragen” beschrieben, was auf eine tatsächliche Nutzung durch den ursprünglichen Träger hindeutet. Dies verleiht dem Orden zusätzlichen historischen Wert, da er nicht nur ein Produktionsexemplar, sondern eine tatsächlich verliehene und getragene Auszeichnung darstellt. Die Bandschnalle ermöglichte das Tragen am Ordensband, das für den St. Stanislaus-Orden in den Farben Rot mit weißen Randstreifen ausgeführt war.

Aus sammlerischer Sicht sind St. Stanislaus-Orden mit Eduard-Signatur besonders begehrt, da sie für höchste Fertigungsqualität stehen. Die Emaillierung zeigt trotz der Tragezeichen die charakteristische Tiefe und Brillanz, die diese Manufaktur auszeichnete. Der Erhaltungszustand “2” deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar mit normalen Gebrauchsspuren hin, was für ein über hundert Jahre altes, getragenes Stück durchaus angemessen ist.

Der St. Stanislaus-Orden repräsentiert ein faszinierendes Kapitel europäischer Militärgeschichte und zeigt die komplexen diplomatischen und militärischen Beziehungen der europäischen Monarchien vor ihrem Untergang im Ersten Weltkrieg.