Wehrmacht 10 Staubschutzbrillen

Sichtschutz aus Plastik, mit Trageband, in Papphülle, stark beschädigt, Zustand 3-.

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70,00

Wehrmacht 10 Staubschutzbrillen

Die Wehrmacht-Staubschutzbrille war ein wesentlicher Bestandteil der persönlichen Ausrüstung deutscher Soldaten während des Zweiten Weltkriegs. Diese einfachen, aber funktionalen Schutzbrillen dienten primär dem Schutz der Augen vor Staub, Sand, Wind und anderen Umwelteinflüssen, die besonders in motorisierten Einheiten, bei Kraftfahrern und Kradmeldern eine erhebliche Beeinträchtigung darstellten.

Die Entwicklung und Standardisierung von Schutzbrillen in der Wehrmacht erfolgte in den 1930er Jahren im Zuge der umfassenden Aufrüstung und Modernisierung der deutschen Streitkräfte. Die Heeresdienstvorschrift (H.Dv.) regelte detailliert die Ausstattung der Soldaten, wobei Staubschutzbrillen besonders für Angehörige der motorisierten Verbände, Panzerbesatzungen und Kraftfahrer zur Standardausrüsung gehörten.

Die hier beschriebenen zehn Staubschutzbrillen aus Kunststoff repräsentieren eine typische Ausführung der Kriegsjahre. Während frühere Modelle teilweise noch Glaslinsen verwendeten, ging man aus Gründen der Wirtschaftlichkeit, des Gewichts und der Bruchsicherheit zunehmend zu Kunststoffausführungen über. Das Material bestand in der Regel aus Zelluloid oder später aus anderen Kunststoffarten, die in der deutschen Chemieindustrie entwickelt wurden.

Die Konstruktion folgte einem pragmatischen Design: Zwei ovale oder runde Sichtfenster aus durchsichtigem oder leicht getöntem Kunststoff waren in einen Rahmen eingefasst, der sich der Gesichtsform anpasste. Das Trageband, meist aus Gummi oder textilem Material gefertigt, ermöglichte eine individuelle Anpassung und sicheren Halt auch bei schneller Fahrt oder Bewegung. Die Brillen wurden typischerweise in einfachen Pappschachteln oder -hüllen ausgegeben und aufbewahrt, was den Materialknappheiten der Kriegswirtschaft Rechnung trug.

Die Ausgabe solcher Ausrüstungsgegenstände erfolgte über die militärischen Versorgungsketten. Sets von zehn Brillen, wie im vorliegenden Fall, deuten auf eine Einheitenausgabe hin, bei der größere Mengen an untergeordnete Dienststellen oder Truppenteile verteilt wurden. Die Heeresverwaltung organisierte die Beschaffung und Verteilung über ein komplexes System von Depots und Bekleidungsämtern.

Im praktischen Einsatz fanden diese Schutzbrillen vielfältige Verwendung. Kraftfahrer und Kradmelder der Wehrmacht nutzten sie bei offenen Fahrzeugen, wo der Fahrtwind Staub und Schmutz aufwirbelte. In den Wüstengebieten Nordafrikas während des Afrikafeldzugs (1941-1943) waren Staubschutzbrillen unverzichtbar zum Schutz vor dem allgegenwärtigen Wüstensand. Auch an der Ostfront, wo staubige Sommerwege und winterliche Schneestürme die Augen gefährdeten, gehörten sie zur wichtigen Schutzausrüstung.

Die industrielle Fertigung solcher Ausrüstungsgegenstände erfolgte in zahlreichen Betrieben im Deutschen Reich und in den besetzten Gebieten. Mit fortschreitendem Kriegsverlauf und zunehmender Materialknappheit verschlechterte sich häufig die Qualität der Produkte. Einfachere Materialien und vereinfachte Fertigungsverfahren kennzeichneten die Produktion ab 1943/44.

Der beschriebene Zustand der Brillen als "stark beschädigt" ist charakteristisch für über 80 Jahre alte Kunststoffobjekte. Zelluloid und frühe Kunststoffe neigen zur Zersetzung, werden spröde, verfärben sich und können schrumpfen oder sich verformen. Die Lagerung in Pappschachteln bot zwar einen gewissen Schutz, konnte aber Feuchtigkeit und chemische Zersetzungsprozesse nicht vollständig verhindern.

Aus militärhistorischer Perspektive dokumentieren solche Alltagsgegenstände die materielle Kultur der Wehrmacht und geben Einblick in die praktischen Aspekte des Soldatenlebens jenseits von Waffen und Kampfhandlungen. Sie zeugen von den Bemühungen, die Soldaten mit funktionaler Ausrüstung zu versehen, und von den industriellen und logistischen Herausforderungen der Kriegsführung.

Heute sind solche Sammlungen von Originalausrüstung wichtige Quellen für Militärhistoriker und Museen. Sie ermöglichen die Rekonstruktion von Ausrüstungsgegenständen und tragen zum Verständnis der materiellen Bedingungen bei, unter denen Soldaten während des Zweiten Weltkriegs operierten. Der Erhaltungszustand solcher Objekte variiert erheblich, und gut dokumentierte Stücke sind für die historische Forschung von besonderem Wert.