Ärmelband "Schlageter", der SA-Standarte 39, SA-Gruppe Niederrhein .

2. Modell, gewebte Ausführung, unterschiedliche Längen da das Band schon etwas brüchig ist, ungetragen. Zustand 2-3
201708
60,00

Ärmelband "Schlageter", der SA-Standarte 39, SA-Gruppe Niederrhein .

Das SA-Ärmelband "Schlageter" der Standarte 39

Das SA-Ärmelband mit der Aufschrift "Schlageter" stellt ein bedeutendes Auszeichnungsstück der Sturmabteilung (SA) dar und verweist auf die politische Mythologie der nationalsozialistischen Bewegung in der Weimarer Republik. Die SA-Standarte 39, die zur SA-Gruppe Niederrhein gehörte, trug dieses Ärmelband zu Ehren von Albert Leo Schlageter, einer frühen Märtyrerfigur der nationalsozialistischen Propaganda.

Albert Leo Schlageter wurde am 12. August 1894 in Schönau im Schwarzwald geboren. Als ehemaliger Freikorpsangehöriger beteiligte er sich 1923 am passiven Widerstand gegen die französisch-belgische Ruhrbesetzung. Schlageter führte Sabotageakte gegen Eisenbahnlinien und Brücken durch, wurde von französischen Behörden verhaftet und am 26. Mai 1923 in der Golzheimer Heide bei Düsseldorf erschossen. Sein Tod wurde von verschiedenen politischen Strömungen, insbesondere aber von den Nationalsozialisten, propagandistisch instrumentalisiert. Die NSDAP stilisierte ihn zum "ersten Soldaten des Dritten Reiches" und zum Symbol des Kampfes gegen die Bestimmungen des Versailler Vertrages.

Die SA-Gruppe Niederrhein umfasste den geografischen Raum des niederrheinischen Gebietes, einschließlich Städten wie Düsseldorf, Krefeld, Duisburg und Umgebung. Die Gliederung der SA erfolgte hierarchisch in Gruppen, Brigaden, Standarten, Sturmbanne, Stürme und Scharen. Eine Standarte entsprach in etwa einem Regiment und umfasste mehrere tausend Mann. Die Standarte 39 war eine von zahlreichen Standarten innerhalb der SA-Gruppe Niederrhein und trug aufgrund der regionalen Verbindung zum Schlageter-Mythos dessen Namen als Ehrenbezeichnung.

Die Ärmelbandsystematik der SA entwickelte sich in den frühen 1930er Jahren. Ärmelbänder dienten als Traditions- und Ehrenbezeichnungen für bestimmte Einheiten, die sich durch besondere Verdienste oder historische Bezüge auszeichneten. Man unterschied grundsätzlich zwischen verschiedenen Modellen: Das erste Modell bestand aus einem schwarzen Band mit silberner Aufschrift, während das zweite Modell in gewebter Ausführung hergestellt wurde. Diese gewebte Variante zeigte typischerweise weiße oder silberfarbene Schrift auf schwarzem Grund und wurde ab etwa 1933/34 standardisiert.

Die gewebte Ausführung des zweiten Modells wurde maschinell auf speziellen Bandwebstühlen hergestellt. Die Technik ermöglichte eine dauerhafte Verbindung von Schrift und Grundmaterial, wobei die Buchstaben direkt in das Gewebe eingearbeitet wurden. Dies unterschied sich grundlegend von gestickten oder aufgedruckten Varianten. Die Qualität der Webarbeiten variierte je nach Hersteller, wobei verschiedene Firmen im Deutschen Reich Lizenzen zur Herstellung von SA-Effekten besaßen.

Das Ärmelband wurde am linken Oberarm der SA-Uniform getragen, üblicherweise etwa 15 Zentimeter unterhalb der Schulternaht. Die Befestigung erfolgte durch Aufnähen an die braune Uniformbluse. Die Länge der Ärmelbänder variierte je nach Armumfang des Trägers und musste individuell angepasst werden. Standardlängen bewegten sich zwischen 35 und 45 Zentimetern.

Der Schlageter-Kult erreichte seinen Höhepunkt in den 1930er Jahren. Die Nationalsozialisten errichteten Denkmäler, benannten Straßen, Schulen und militärische Einheiten nach ihm. In der Golzheimer Heide entstand eine monumentale Gedenkstätte. Der 26. Mai wurde in nationalsozialistischen Kreisen als "Schlageter-Tag" begangen. Diese Heroisierung diente der Mobilisierung nationalistischer Ressentiments und der Legitimierung des politischen Kampfes der NSDAP.

Die SA-Gruppe Niederrhein spielte in der Region eine bedeutende Rolle bei der Machtübernahme 1933 und bei den folgenden politischen Säuberungen. Die SA erreichte ihren Machthöhepunkt 1933/34, bevor sie durch die "Röhm-Affäre" im Juni/Juli 1934 entmachtet wurde. Nach der Ermordung des SA-Stabschefs Ernst Röhm und zahlreicher SA-Führer verlor die Organisation ihre politische Bedeutung zugunsten der SS.

Nach 1934 blieb die SA zwar bestehen, fungierte aber hauptsächlich als vormilitärische Ausbildungsorganisation. Die Tradition der Ärmelbänder wurde fortgeführt, ihre Bedeutung jedoch war erheblich gemindert. Während des Zweiten Weltkrieges spielte die SA nur noch eine untergeordnete Rolle.

Aus sammlungshistorischer Perspektive sind ungetragene Ärmelbänder des zweiten Modells heute dokumentarische Zeugnisse der NS-Organisation und ihrer Symbolwelt. Der Erhaltungszustand variiert stark, da die verwendeten Materialien und Webarten unterschiedlich alterungsbeständig waren. Brüchigkeit des Gewebes ist ein typisches Alterungsmerkmal, das auf die Verwendung bestimmter Fasern und Färbemittel sowie auf Lagerungsbedingungen zurückzuführen ist.

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit solchen Objekten erfolgt heute im Rahmen der kritischen Geschichtsforschung zur NS-Zeit, wobei diese Artefakte als Quellen zur Uniformkunde, Organisationsgeschichte und politischen Ikonographie dienen.