Argentinien Seitengewehr für Kadetten .

Regionale Fertigung, vernickelte Klinge ohne Hohlkehlen, beidseitig geätzt, Staatswappen und Devise "Sean eternos los laureles", vergoldetes Gefäß mit Löwenkopfknauf, dieser mit Ring für ein Portepee, schwarzer Kunststoffgriff, schwarz brünierte Scheide, getragen in guter Erhaltung, vermutlich 60'er oder 70'er Jahre. Zustand 2-

Gesamtlänge etwa 550mm
495808
250,00

Argentinien Seitengewehr für Kadetten .

Das argentinische Kadettenseitengewehr stellt ein bedeutendes Zeugnis der militärischen Tradition Argentiniens dar, die ihre Wurzeln in den Unabhängigkeitskriegen des frühen 19. Jahrhunderts hat. Die vorliegende Waffe aus den 1960er oder 1970er Jahren repräsentiert eine späte Phase in der Entwicklung zeremonieller Blankwaffen innerhalb der argentinischen Streitkräfte.

Die Militärakademien Argentiniens entwickelten sich nach der Unabhängigkeit von Spanien im Jahr 1816 kontinuierlich weiter. Das Colegio Militar de la Nación, die nationale Militärakademie, wurde 1869 unter Präsident Domingo Faustino Sarmiento gegründet und etablierte sich als wichtigste Ausbildungsstätte für Offiziere der argentinischen Armee. Die Tradition, Kadetten mit speziellen Seitengewehren auszustatten, folgte europäischen Vorbildern, insbesondere dem deutschen und französischen Militärwesen.

Die auf der Klinge eingravierte Devise “Sean eternos los laureles” (deutsch: “Mögen die Lorbeeren ewig währen”) entstammt der argentinischen Nationalhymne, der Himno Nacional Argentino. Diese patriotische Inschrift verbindet das Seitengewehr unmittelbar mit der nationalen Identität und den Befreiungskämpfen unter General José de San Martín. Das ebenfalls auf der Klinge befindliche Staatswappen zeigt die charakteristischen Elemente der argentinischen Heraldik: die phrygische Mütze als Symbol der Freiheit, umgeben von Lorbeerzweigen.

Die Konstruktionsmerkmale dieses Kadettenseitengewehrs spiegeln die technologischen und ästhetischen Entwicklungen der Nachkriegszeit wider. Die vernickelte Klinge ohne Hohlkehlen unterscheidet sich von früheren Modellen, die häufig Hohlschliffe aufwiesen. Diese Vereinfachung deutet auf eine Verschiebung von der funktionalen Kampfwaffe zum zeremoniellen Objekt hin. In den 1960er und 1970er Jahren hatte das Seitengewehr im modernen Gefecht längst seine praktische Bedeutung verloren und diente ausschließlich repräsentativen Zwecken.

Der Löwenkopfknauf mit Ring für ein Portepee stellt ein klassisches Element militärischer Blankwaffen dar. Der Löwe symbolisiert Mut und Stärke und findet sich in zahlreichen militärischen Traditionen weltweit. Das Portepee, ursprünglich eine Handschlaufe zum Sichern der Waffe, entwickelte sich zu einem wichtigen Rangabzeichen im Offizierswesen. Bei Kadettenseitengewehren war das Portepee häufig in speziellen Farben gehalten, die den Status des Trägers als Offiziersanwärter kennzeichneten.

Die regionale Fertigung dieser Waffe weist auf die argentinische Rüstungsindustrie hin, die sich im 20. Jahrhundert erheblich entwickelte. Während frühere argentinische Militärausrüstung häufig aus Europa importiert wurde, etablierte sich mit Unternehmen wie Fabricaciones Militares (gegründet 1941) eine eigene Produktionsbasis. Die lokale Herstellung von zeremoniellen Waffen unterstreicht den Willen zur militärischen Autonomie und nationalen Selbstdarstellung.

Der schwarze Kunststoffgriff repräsentiert eine modernere Materialwahl gegenüber traditionellem Holz oder Bein. In den 1960er und 1970er Jahren fanden Kunststoffe zunehmend Verwendung in militärischen Ausrüstungsgegenständen, da sie pflegeleichter und witterungsbeständiger waren. Die schwarz brünierte Scheide folgt diesem praktischen Ansatz und gewährleistet Korrosionsschutz bei gleichzeitig elegantem Erscheinungsbild.

Die Gesamtlänge von etwa 550 mm entspricht den üblichen Dimensionen für Kadettenseitengewehre dieser Epoche. Diese Größe ermöglichte das Tragen am Koppel während Paraden und Zeremonien, ohne die Bewegungsfreiheit übermäßig einzuschränken. Im Vergleich zu Felddienstseitengewehren waren Kadettenwaffen häufig etwas kürzer und leichter gestaltet.

Der historische Kontext der 1960er und 1970er Jahre in Argentinien war geprägt von politischer Instabilität und militärischen Interventionen. Die argentinischen Streitkräfte spielten eine dominierende Rolle in der Politik, was sich in mehreren Militärputschen manifestierte. Dennoch blieben die Militärakademien Orte traditioneller Ausbildung, wo Werte wie Ehre, Disziplin und Vaterlandsliebe vermittelt wurden. Das Kadettenseitengewehr symbolisierte diese idealisierte militärische Tradition.

Heute sind solche Kadettenseitengewehre begehrte Sammlerstücke, die Einblicke in die militärische Kultur Südamerikas bieten. Sie dokumentieren nicht nur handwerkliche Fertigkeiten, sondern auch die nationale Symbolik und die fortdauernde Bedeutung militärischer Traditionen in der argentinischen Gesellschaft des 20. Jahrhunderts.