Deutscher Jägerbund ( DJB ) - Ehrenzeichen 2. Klasse " Für Jägertreue " 2. Form mit Hakenkreuz
Das Ehrenzeichen des Deutschen Jägerbundes (DJB) “Für Jägertreue” 2. Klasse stellt ein bedeutendes Zeugnis der deutschen Jagdgeschichte während der nationalsozialistischen Ära dar. Diese Auszeichnung gehört zur zweiten Form der DJB-Ehrenzeichen, die durch die Integration des Hakenkreuzes gekennzeichnet ist und somit eindeutig in die Zeit zwischen 1933 und 1945 datiert werden kann.
Der Deutsche Jägerbund wurde 1934 als Dachorganisation der deutschen Jägerschaft gegründet und war Teil der systematischen Gleichschaltung aller gesellschaftlichen Bereiche im nationalsozialistischen Deutschland. Die Organisation unterstand dem Reichsjägermeister Hermann Göring, der als passionierter Jäger und hochrangiger NS-Funktionär die Jagd als Teil der nationalsozialistischen Ideologie instrumentalisierte. Das Reichsjagdgesetz vom 3. Juli 1934 bildete die rechtliche Grundlage für die Neuorganisation des deutschen Jagdwesens.
Die Ehrenzeichen “Für Jägertreue” wurden in verschiedenen Klassen verliehen, wobei die 2. Klasse für langjährige Verdienste und treue Mitgliedschaft im Deutschen Jägerbund vorgesehen war. Die erste Form dieser Auszeichnungen, die vor 1933 ohne nationalsozialistische Symbolik gestaltet war, wurde nach der Machtübernahme durch eine zweite Form ersetzt, die das Hakenkreuz als zentrales Element integrierte. Diese Änderung spiegelt die politische Vereinnahmung traditioneller deutscher Institutionen wider.
Das vorliegende Exemplar zeigt die typische Gestaltung dieser Ehrenzeichen: Es ist an einer langen Nadel befestigt, was auf die Trageweise als Anstecknadel an der Jagdkleidung hinweist. Der Zustand 2 deutet auf ein gut erhaltenes Stück hin, das die Jahrzehnte seit seiner Herstellung relativ unbeschadet überstanden hat. Die Ehrenzeichen wurden üblicherweise aus verschiedenen Metallen gefertigt, wobei die Qualität der Ausführung je nach Klasse variierte.
Die Verleihungspraxis dieser Auszeichnungen folgte strengen Richtlinien. Mitglieder des Deutschen Jägerbundes mussten sich nicht nur durch jagdliche Kompetenz, sondern auch durch politische Zuverlässigkeit im Sinne des NS-Regimes auszeichnen. Die “Jägertreue” bezog sich somit nicht nur auf die Treue zur Jagd und ihren Traditionen, sondern implizierte auch Loyalität gegenüber der nationalsozialistischen Staatsführung.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden alle Auszeichnungen mit nationalsozialistischer Symbolik durch die Alliierten verboten. Der Deutsche Jägerbund wurde 1949 neu gegründet, nun ohne politische Bindung und als demokratische Interessenvertretung der deutschen Jägerschaft. Die alten Ehrenzeichen mit Hakenkreuz verloren ihre offizielle Gültigkeit und dürfen in Deutschland heute nur zu Sammlungs- und Dokumentationszwecken aufbewahrt werden.
Aus historischer Perspektive dokumentieren solche Objekte die Durchdringung aller Lebensbereiche durch die nationalsozialistische Ideologie. Selbst traditionelle Bereiche wie die Jagd, die auf jahrhundertealte Wurzeln zurückblicken konnte, wurden politisch instrumentalisiert. Die Ehrenzeichen des DJB sind daher wichtige Quellen für die Erforschung der gesellschaftlichen Mechanismen totalitärer Herrschaft.
Für Sammler und Historiker sind diese Objekte von Interesse, da sie Einblick in die Organisationsstrukttur und Anerkennungskultur der NS-Zeit geben. Die verschiedenen Formen und Klassen der Ehrenzeichen ermöglichen eine zeitliche Einordnung und Rekonstruktion der Entwicklung jagdlicher Organisationen in Deutschland. Gleichzeitig mahnen sie zur kritischen Auseinandersetzung mit diesem dunklen Kapitel deutscher Geschichte.