III. Reich - Große nichttragbare Erinnerungsmedaille des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft

Bronze Medaille getönt, Durchmesser 50 mm. Vorderseite großer stehender Hoheitsadler, Text: "Für züchterische Leistungen" mit Umschrift "Der Reichsminister..", rückseitige Darstellung 3 verschiedene Hunderassen. Komplett im roten Verleihungsetui, außen mit goldenem Hoheitsadler. Preuss. Staatsmünze Berlin S.W. 19, Zustand 2
431308
650,00

III. Reich - Große nichttragbare Erinnerungsmedaille des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft

Die große nichttragbare Erinnerungsmedaille des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft stellt ein bedeutendes Zeugnis der nationalsozialistischen Agrarpolitik und Tierzuchtförderung während der Zeit des Dritten Reiches dar. Diese besondere Auszeichnung wurde für herausragende züchterische Leistungen verliehen und repräsentiert die ideologische Bedeutung, die das NS-Regime der Landwirtschaft und Tierzucht beimaß.

Das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft wurde nach der Machtergreifung 1933 unter Richard Walther Darré reorganisiert, der bis 1942 als Reichsminister amtierte. Darré, gleichzeitig Reichsbauernführer und SS-Obergruppenführer, vertrat die nationalsozialistische “Blut-und-Boden”-Ideologie und betrachtete die Landwirtschaft als Fundament der deutschen Volksgemeinschaft. Unter seiner Führung wurde ein umfassendes System zur Förderung und Kontrolle der landwirtschaftlichen Produktion etabliert, das auch die systematische Verbesserung der Tierzucht einschloss.

Die vorliegende Medaille wurde von der Preußischen Staatsmünze Berlin geprägt, einer der renommiertesten deutschen Münzprägeanstalten. Die Staatsmünze, die bereits seit dem 18. Jahrhundert bestand, war für die Herstellung staatlicher Auszeichnungen, Medaillen und Münzen zuständig. Die Adresse “S.W. 19” bezieht sich auf den Standort in Berlin-Kreuzberg, Unterwasserstraße.

Die Gestaltung der Vorderseite zeigt den charakteristischen stehenden Hoheitsadler des Dritten Reiches, ein zentrales Symbol der nationalsozialistischen Ikonographie. Die Inschrift “Für züchterische Leistungen” definiert eindeutig den Zweck dieser Auszeichnung. Die Umschrift nennt die verleihende Autorität, den Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, und unterstreicht damit die staatliche Anerkennung züchterischer Erfolge.

Besonders bemerkenswert ist die Rückseite der Medaille, die drei verschiedene Hunderassen darstellt. Dies verweist auf die spezifische Ausrichtung dieser Auszeichnung im Bereich der Kynologie. Die Hundezucht genoss im Dritten Reich besondere Aufmerksamkeit, nicht nur aus praktischen Gründen für militärische und polizeiliche Zwecke, sondern auch als Teil der allgemeinen Rassenlehre und Zuchtideologie. Deutsche Schäferhunde, Dobermänner und andere Rassen wurden systematisch gefördert und für verschiedene Zwecke der Wehrmacht, SS und Polizei eingesetzt.

Die Präsentation im roten Verleihungsetui mit goldenem Hoheitsadler auf dem Deckel unterstreicht den offiziellen Charakter und die Bedeutung dieser Auszeichnung. Solche Etuis waren für staatliche Auszeichnungen des Dritten Reiches typisch und sollten die Wertschätzung für die erbrachte Leistung zum Ausdruck bringen. Die Farbwahl Rot mit goldener Prägung entsprach den üblichen Standards für derartige Präsentationskassetten.

Der Begriff “nichttragbar” ist von besonderer Bedeutung und unterscheidet diese Medaille von tragbaren Orden und Ehrenzeichen. Nichttragbare Medaillen wurden in größerem Format gefertigt - hier 50 mm Durchmesser - und waren zur Aufbewahrung und Präsentation bestimmt, nicht zum Tragen an der Uniform. Sie dienten als dauerhafte Erinnerungsstücke und Ausstellungsobjekte.

Die Bronzeprägung mit Tönung war eine gängige Technik für solche Medaillen. Bronze bot die Möglichkeit detaillierter Reliefdarstellungen und konnte durch verschiedene Patinierungsverfahren in ihrer Erscheinung veredelt werden. Die künstliche Tönung verlieh der Medaille ein antikes Aussehen und betonte die plastischen Details der Darstellung.

Im Kontext der nationalsozialistischen Agrarpolitik dienten solche Auszeichnungen mehreren Zwecken: Sie sollten herausragende Züchter motivieren und belohnen, die Bedeutung der Tierzucht in der Öffentlichkeit hervorheben und die staatliche Kontrolle über die landwirtschaftliche Produktion symbolisieren. Das Reichsnährstandgesetz von 1933 hatte alle Beteiligten der Landwirtschaft in einer Zwangsorganisation zusammengefasst, und das Auszeichnungssystem war Teil dieser umfassenden Reglementierung.

Nach 1945 verloren solche Auszeichnungen ihre offizielle Bedeutung, und ihre öffentliche zur Schau-Stellung wurde problematisch. Heute sind sie historische Dokumente, die Einblick in die Strukturen und Ideologie des nationalsozialistischen Staates geben. Für Sammler und Historiker bieten sie wichtige Informationen über das Auszeichnungswesen, die Agrarpolitik und die Propagandamechanismen des Dritten Reiches.