NSDAP - Oberdonau 1939 - Die ersten Kreistage

Kunststoffabzeichen, an Nadel, Hersteller : RZM M9/25 Richard Sieper & Söhne Lüdenscheid, Zustand 2.
475708
40,00

NSDAP - Oberdonau 1939 - Die ersten Kreistage

Das vorliegende Abzeichen dokumentiert einen bedeutenden Moment in der Geschichte des nationalsozialistischen Gau Oberdonau, der im Mai 1939 durch den Zusammenschluss von Teilen Oberösterreichs und des ehemaligen tschechoslowakischen Gebiets nach dem Anschluss Österreichs 1938 entstand. Das Kunststoffabzeichen mit der Aufschrift “Die ersten Kreistage” wurde anlässlich der ersten Kreistagungen im neu formierten Gau hergestellt und markiert die administrative Neuordnung dieser Region unter nationalsozialistischer Herrschaft.

Der Gau Oberdonau hatte seinen Verwaltungssitz in Linz und wurde von Gauleiter August Eigruber geleitet. Die Gründung dieses Gaus war Teil der umfassenden Reorganisation der annektierten österreichischen Gebiete nach dem “Anschluss” vom März 1938. Die Kreistage, deren Einrichtung dieses Abzeichen commemoriert, bildeten eine wichtige Ebene der NSDAP-Verwaltungsstruktur und ersetzten die bisherigen demokratischen Selbstverwaltungsgremien durch gleichgeschaltete nationalsozialistische Organisationen.

Das Abzeichen trägt die Herstellermarkierung RZM M9/25, die auf die Firma Richard Sieper & Söhne aus Lüdenscheid verweist. Das Reichszeugmeisterei (RZM) System wurde 1929 eingeführt und diente der zentralen Kontrolle und Standardisierung aller NSDAP-Uniformen, Abzeichen und Ausrüstungsgegenstände. Die RZM vergab Lizenznummern an autorisierte Hersteller und überwachte die Qualität und Authentizität der produzierten Gegenstände. Die Kennziffer M9 bezeichnete die Kategorie der Hersteller von Metall- und Abzeichen, während die Nummer 25 spezifisch die Firma Sieper identifizierte.

Die Firma Richard Sieper & Söhne in Lüdenscheid war einer der bedeutendsten Hersteller von NS-Abzeichen und Auszeichnungen während der Zeit des Dritten Reiches. Lüdenscheid entwickelte sich im 19. und frühen 20. Jahrhundert zu einem Zentrum der deutschen Metallwarenindustrie, und viele dort ansässige Firmen wurden während der NS-Zeit zu lizenzierten RZM-Herstellern. Sieper produzierte eine breite Palette von Parteiabzeichen, Veranstaltungsabzeichen und anderen NS-Devotionalien.

Die Verwendung von Kunststoff als Material ist für dieses Abzeichen aus dem Jahr 1939 charakteristisch. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs und der zunehmenden Rohstoffknappheit wurden traditionelle Materialien wie Metalle zunehmend durch Ersatzstoffe substituiert. Kunststoffe wie Bakelit und andere frühe synthetische Polymere wurden häufig für die Herstellung von Abzeichen verwendet, da sie billiger und in der Kriegswirtschaft leichter verfügbar waren als Buntmetalle, die für die Rüstungsproduktion benötigt wurden.

Die Kreistage waren regionale Versammlungen der NSDAP auf Kreisebene, die unterhalb der Gauebene angesiedelt waren. Sie dienten der Koordination der Parteiarbeit, der Durchsetzung von Parteirichtlinien und der Mobilisierung der Bevölkerung für nationalsozialistische Ziele. Die ersten Kreistage im Gau Oberdonau 1939 markierten die vollständige Integration dieser Region in die NS-Verwaltungsstruktur und demonstrierten die organisatorische Durchdringung der Gesellschaft durch die NSDAP.

Solche Veranstaltungsabzeichen erfüllten mehrere Funktionen: Sie dienten als Eintrittskarten oder Teilnahmebestätigungen, als Erinnerungsstücke und nicht zuletzt als Propagandainstrumente. Das Tragen solcher Abzeichen demonstrierte öffentlich die Zugehörigkeit zur Partei und die Teilnahme an ihren Veranstaltungen. Sie trugen zur Schaffung eines Gemeinschaftsgefühls unter den Parteimitgliedern bei und verstärkten die visuelle Präsenz der NSDAP im öffentlichen Raum.

Der Gau Oberdonau spielte während des Zweiten Weltkriegs eine bedeutende Rolle in der nationalsozialistischen Kriegswirtschaft. In der Region befanden sich wichtige Industrieanlagen, und das berüchtigte Konzentrationslager Mauthausen lag ebenfalls auf dem Gebiet dieses Gaus. Gauleiter Eigruber gehörte zu den fanatischsten NS-Funktionären und war nach Kriegsende für zahlreiche Kriegsverbrechen verantwortlich.

Heute sind solche Abzeichen wichtige historische Quellen für die Erforschung der NS-Zeit. Sie dokumentieren die organisatorische Struktur der NSDAP, die Propagandamethoden des Regimes und die materielle Kultur des Nationalsozialismus. Für Historiker bieten sie Einblicke in die regionale Verwaltung, die Herstellungspraktiken und die symbolische Repräsentation der Partei. Gleichzeitig werfen sie wichtige Fragen über Erinnerungskultur, den Umgang mit NS-Relikten und die ethischen Dimensionen des Sammelns solcher Objekte auf.