Österreich 1. Republik Fliegerei:Abzeichen "Schill Segelfliegerhorst"

Hochovales Steckabzeichen in der Form ähnlich der alten Feldfliegerabzeichen, Höhe 42 mm, versilbert und hohlgeprägt, im Zentrum ein Segelflugzeug, auf den Schwingen mit Beschriftung "Schill Segelfliegerhorst", rückseitig an Quernadel, mit Herstellerbezeichnung "Schwertner & Cie. Eggenberg"
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Österreich 1. Republik Fliegerei:Abzeichen "Schill Segelfliegerhorst"

Das Abzeichen des Schill Segelfliegerhorsts repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der österreichischen Luftfahrtgeschichte während der Ersten Republik (1918-1938). Dieses hochovale Steckabzeichen, das in seiner Form den traditionellen Feldfliegerabzeichen der k.u.k. Monarchie nachempfunden ist, dokumentiert die Entwicklung des Segelflugsports in Österreich nach dem Ersten Weltkrieg.

Nach dem Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie 1918 und den Bestimmungen des Vertrags von Saint-Germain (1919) war es Österreich zunächst untersagt, eine Militärluftwaffe zu unterhalten. Diese drastischen Einschränkungen führten jedoch paradoxerweise zu einer Blütezeit des zivilen Segelflugs. Der motorlose Flug bot eine legale Möglichkeit, fliegerische Traditionen aufrechtzuerhalten und junge Menschen für die Luftfahrt zu begeistern.

Das vorliegende Abzeichen stammt vom Schill Segelfliegerhorst, einer Einrichtung, die im Kontext der österreichischen Segelflugbewegung der Zwischenkriegszeit entstand. Die Bezeichnung “Horst” – ein traditioneller militärischer Begriff für einen Fliegerstandort – deutet auf die enge Verbindung zwischen dem zivilen Segelflugsport und militärischen Traditionen hin. Viele ehemalige Militärpiloten und Flugbegeisterte fanden in Segelflugvereinen eine neue Heimat.

Die technische Ausführung des Abzeichens ist bemerkenswert: Mit einer Höhe von 42 mm ist es versilbert und hohlgeprägt, was eine aufwendige Herstellungstechnik darstellt. Im Zentrum befindet sich ein stilisiertes Segelflugzeug, und auf den Schwingen ist die Beschriftung “Schill Segelfliegerhorst” angebracht. Die Form orientiert sich bewusst an den prestigeträchtigen Feldfliegerabzeichen der Monarchie, die von österreichischen Militärpiloten im Ersten Weltkrieg getragen wurden – eine deutliche Referenz an die ruhmreiche fliegerische Vergangenheit.

Das Abzeichen trägt rückseitig die Herstellerbezeichnung “Schwertner & Cie. Eggenberg”. Die Firma Schwertner war ein renommierter Hersteller von Orden, Ehrenzeichen und militärischen Abzeichen in Österreich. Der Standort Eggenberg, ein Stadtteil von Graz in der Steiermark, war ein bedeutendes Zentrum für die Produktion von Militaria und Phaleristik. Die Qualität der Ausführung spricht für die hohe handwerkliche Tradition dieser Manufaktur.

Der Segelflugsport in Österreich der Zwischenkriegszeit war mehr als nur ein sportliches Hobby. Er diente der vormilitärischen Ausbildung und half, fliegerisches Know-how zu bewahren. Zahlreiche Segelflugschulen und -horste entstanden in ganz Österreich, oft in landschaftlich reizvollen Gegenden mit günstigen thermischen Bedingungen. Diese Einrichtungen waren häufig nach Pionieren der Luftfahrt oder bedeutenden Persönlichkeiten benannt.

Die Verleihung solcher Abzeichen erfolgte typischerweise nach dem Absolvieren bestimmter Ausbildungsstufen oder als Zugehörigkeitsnachweis zu einem bestimmten Segelflieghorst. Sie wurden mit Stolz an der Zivilkleidung getragen und dokumentierten die fliegerischen Leistungen ihrer Träger. Die Stecknadel-Konstruktion ermöglichte das einfache Anbringen an Jacken oder Hemden.

Die politischen Entwicklungen der 1930er Jahre beeinflussten auch die Segelflugbewegung. Mit dem Erstarken des Nationalsozialismus und dem Anschluss Österreichs 1938 wurden viele österreichische Segelflugvereine in die deutsche Luftsportorganisation eingegliedert. Die vormilitärische Funktion des Segelflugs wurde nun offen propagiert und systematisch ausgebaut.

Aus sammlerischer und historischer Perspektive sind solche Segelflugabzeichen der Ersten Republik heute rare Zeugnisse einer besonderen Epoche. Sie dokumentieren die Kontinuität österreichischer Luftfahrttradition unter veränderten politischen Rahmenbedingungen und spiegeln den Enthusiasmus einer Generation wider, die trotz aller Restriktionen ihre Begeisterung für das Fliegen aufrechterhielt. Das hochwertige Material und die sorgfältige Verarbeitung unterstreichen die Wertschätzung, die diesen Auszeichnungen entgegengebracht wurde.

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