Preußen Kronen-Orden 3. Klasse Verleihungsurkunde für einen Kirchenvorsteher der deutsch-evangelischen Gemeinde in Antwerpen Richard Ferdinand Böcking

ausgestellt Neues Palais, den 20. Oktober 1893. mit eigenhändiger Unterschrift Wilhelm R. König von Preußen. Gefaltet, Zustand 2.
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€ 200,00

Preußen Kronen-Orden 3. Klasse Verleihungsurkunde für einen Kirchenvorsteher der deutsch-evangelischen Gemeinde in Antwerpen Richard Ferdinand Böcking

Diese Verleihungsurkunde dokumentiert die Auszeichnung Richard Ferdinand Böckings mit dem Königlichen Kronen-Orden 3. Klasse, ausgestellt im Neuen Palais am 20. Oktober 1893 und versehen mit der eigenhändigen Unterschrift Wilhelm R., König von Preußen. Der Empfänger war Kirchenvorsteher der deutsch-evangelischen Gemeinde in Antwerpen, Belgien, und verkörpert damit jenen Typus ziviler Würdenträger, die im ausgehenden 19. Jahrhundert für ihre Verdienste um Staat und Gemeinschaft mit preußischen Ehrenzeichen bedacht wurden.

Der Königliche Kronen-Orden wurde von König Wilhelm I. von Preußen am 18. Oktober 1861 anlässlich seiner Krönung in Königsberg gestiftet, der ersten Krönung eines preußischen Monarchen seit 1701. Die Stiftung erfolgte nach dem Tod seines Bruders Friedrich Wilhelm IV. am 2. Januar 1861. Die Krönungszeremonie selbst war von erheblicher symbolischer Bedeutung: Wilhelms Vorgänger hatte auf diesen heiligen Akt verzichtet, obwohl Preußen seit einem Jahrzehnt eine Verfassung besaß. Die Krönung etablierte den König als rechtmäßigen, von Gott sanktionierten Herrscher über der Verfassung und bildete damit einen zentralen Moment preußischer Staatsideologie.

Der Orden wurde in vier Klassen verliehen und am kornblumenblauen Band getragen. Offiziell war der Kronen-Orden dem älteren Roten Adler-Orden gleichgestellt, doch bevorzugten die meisten Beamten eine Ernennung in letzteren. Der Kronen-Orden diente häufig als Auszeichnung für Personen, die geehrt werden mussten, während die preußische Regierung den Roten Adler-Orden nicht verwenden wollte. Die Verleihung erfolgte sowohl für zivile als auch militärische Verdienste, wobei die verschiedenen Klassen den Grad der Auszeichnung basierend auf Verdienst und Rang des Empfängers widerspiegelten. Die Mitgliedschaft konnte nur an Offiziere oder Zivilisten mit annähernd gleichwertigem Status verliehen werden, obwohl es eine mit dem Orden verbundene Medaille gab, die auch Unteroffiziere und Mannschaften erwerben konnten.

Die 3. Klasse wurde als Kreuz an einem Band auf der linken Brust getragen. Das Abzeichen bestand aus einem weiß emaillierten goldenen Tatzenkreuz mit goldenem Aversmedaillon, das eine Königskrone zeigte, umgeben von einem blau emaillierten Ring mit dem Motto GOTT MIT UNS. Im Laufe der Zeit wurden drei verschiedene Modelle identifiziert: Das erste Modell von 1861 bis Ende 1862 mit stark gewölbten Kronenbögen, das zweite Modell von etwa Anfang 1863 bis Ende 1868 mit einer kleinen heraldischen Königskrone, und das dritte Modell von Anfang 1869 bis Ende 1918 mit der großen preußischen Königskrone. Nach Forschungen von Eric Ludvigsen wurden bis zum Wechsel zum dritten Modell kaum mehr als 1.200 Verleihungen der 3. Klasse im zweiten Modell vorgenommen. Für die reguläre 3. Klasse des Kronen-Ordens gibt Ludvigsen für den Zeitraum 1861 bis 1913 etwa 25.000 Verleihungen an.

Das vorliegende Dokument stammt aus dem Jahr 1893, während der Regierungszeit Wilhelms II., der 1888 nach der kurzen Herrschaft Friedrichs III. die Nachfolge Wilhelms I. antrat. Richard Ferdinand Böcking wurde laut genealogischen Aufzeichnungen am 12. Februar 1849 in Abentheuer, Deutschland, geboren und starb am 11. Dezember 1919 in Amsterdam, Niederlande. Sein Beruf war Kaufmann, und er lebte in Antwerpen, wo er die Position des Kirchenvorstehers der deutsch-evangelischen Gemeinde innehatte. Diese Auszeichnung würdigt seine Verdienste in dieser kirchlichen Funktion innerhalb der deutschen Diasporagemeinde in Belgien.

Unter den bemerkenswerten Empfängern des Kronen-Ordens befand sich Robert James Lindsay VC KCB, 1. und letzter Baron Wantage of Lockinge, der nach dem Deutsch-Französischen Krieg die 3. Klasse mit Genfer Kreuz für seine Arbeit mit der British National Society for Aid to the Sick and Wounded in War erhielt. Auch Mustafa Kemal Atatürk wurde mit der 1. Klasse ausgezeichnet.

Mit der Ausrufung der Republik in Deutschland am 9. November 1918 wurde die Verleihung des Ordens eingestellt und der Orden hörte damit auf zu existieren. Verleihungsurkunden haben als sammelwürdige historische Dokumente überlebt. Die Empfänger oder ihre Familien behielten die Urkunden; die physischen Insignien der Orden unterlagen häufig Rückgabeverpflichtungen. Nicht zuletzt wegen dieser Rückgabepflicht, die besonders diese an ältere inländische Empfänger verliehene Auszeichnung betraf, haben nur wenige Exemplare überlebt. Der Dokumentenmarkt umfasst zahlreiche Beispiele preußischer Verleihungsurkunden aus der Kaiserzeit.