Siegerplakette im Etui

60x40 mm versilbert, noch nicht graviert.
479908
20,00

Siegerplakette im Etui

Siegerplakette im Etui – Militärische Auszeichnungen und Sportpreise

Die vorliegende Siegerplakette mit den Maßen 60x40 mm ist ein charakteristisches Beispiel für militärische Auszeichnungs- und Sportpreise, wie sie im deutschen Militärwesen vom späten 19. Jahrhundert bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts verbreitet waren. Die versilberte Ausführung und die Präsentation im Etui weisen auf die besondere Wertschätzung hin, die solchen Ehrungen beigemessen wurde.

Historischer Kontext

Seit der Reichsgründung 1871 entwickelte sich im deutschen Militär eine ausgeprägte Kultur der sportlichen Ertüchtigung und des Wettkampfwesens. Die militärische Führung erkannte früh, dass körperliche Fitness und sportlicher Wettkampf die Kampfkraft und den Korpsgeist der Truppen stärkten. Bereits in den 1880er Jahren wurden in vielen Garnisonen regelmäßig Militärsportwettkämpfe durchgeführt, bei denen Disziplinen wie Schießen, Reiten, Fechten, Turnen und später auch Leichtathletik ausgetragen wurden.

Die Tradition der Siegerplaketten wurde besonders in der Kaiserlichen Armee gepflegt, setzte sich aber in der Reichswehr der Weimarer Republik und der Wehrmacht fort. Diese Plaketten dienten nicht nur der persönlichen Ehrung, sondern auch der Dokumentation militärischer Leistungen und trugen zur Motivation der Soldaten bei.

Herstellung und Material

Die Versilberung der Plaketten erfolgte in der Regel durch galvanische Verfahren, die ab den 1840er Jahren verfügbar waren und sich bis zum frühen 20. Jahrhundert zu einem Standardverfahren entwickelten. Die Basis bestand meist aus einer Buntmetalllegierung, häufig Tombak oder Bronze, die anschließend versilbert wurde. Die Maße von 60x40 mm entsprechen einem gängigen Format, das sich als praktisch für die Aufbewahrung erwies und gleichzeitig genügend Fläche für Gravuren bot.

Das Etui diente nicht nur dem Schutz der Plakette, sondern unterstrich auch ihren repräsentativen Charakter. Diese Etuis waren typischerweise mit Samt oder Seide ausgekleidet und trugen häufig auf dem Deckel Prägungen oder Aufdrucke, die auf den verleihenden Verband oder die Art des Wettkampfes hinwiesen.

Gravuren und Personalisierung

Der Umstand, dass die vorliegende Plakette noch nicht graviert ist, deutet darauf hin, dass es sich um ein Vorratsexemplar handelt. Militärische Einheiten und Garnisonen hielten üblicherweise einen Vorrat an solchen Plaketten bereit, die dann anlässlich konkreter Wettkämpfe mit den entsprechenden Angaben versehen wurden. Typische Gravuren umfassten:

- Name und Rang des Siegers
- Datum und Ort des Wettkampfes
- Art der Disziplin
- Name der verleihenden Einheit oder des Regiments
- Manchmal auch militärische Embleme oder Wappen

Die Gravuren wurden von spezialisierten Graveurmeistern ausgeführt, die entweder bei den Truppenteilen angestellt oder beauftragt wurden. In größeren Garnisonen gab es oft feste Vertragsbeziehungen mit zivilen Gravurbetrieben.

Verwendungszwecke

Siegerplaketten dieser Art wurden bei verschiedenen Anlässen verliehen:

Regimentswettkämpfe: Innerhalb einzelner Regimenter oder Bataillone wurden regelmäßig sportliche Wettkämpfe ausgetragen, bei denen die besten Soldaten ausgezeichnet wurden.

Garnisonssportfeste: Größere Veranstaltungen, an denen mehrere Einheiten einer Garnison teilnahmen, bildeten Höhepunkte des militärischen Jahreskalenders.

Schießwettkämpfe: Besonders wichtig waren Schießwettbewerbe, da sie direkt militärisch relevant waren. Hier wurden oft die wertvollsten Auszeichnungen vergeben.

Militärische Mehrkämpfe: Nach dem Vorbild des antiken Pentathlon wurden kombinierte Wettkämpfe ausgetragen, die verschiedene militärisch relevante Fähigkeiten testeten.

Sammlerwert und historische Bedeutung

Heute sind solche Siegerplaketten gesuchte Sammlerobjekte, die Einblick in die Alltagskultur des militärischen Lebens geben. Besonders interessant sind dabei gravierte Exemplare, die konkrete Personen und Ereignisse dokumentieren. Ungravierte Stücke wie das vorliegende sind seltener im Handel anzutreffen, da sie in der Regel verwendet wurden. Sie haben dennoch historischen Wert als Zeugnisse der Herstellungs- und Vergabepraxis.

Die Erhaltung im Originaletui erhöht den Sammlerwert erheblich, da diese Aufbewahrungen häufig verloren gingen oder beschädigt wurden. Für die militärhistorische Forschung sind solche Objekte wertvolle Quellen, die die Bedeutung von Sport und körperlicher Ertüchtigung im militärischen Kontext dokumentieren und Aufschluss über Materialverwendung und Handwerkskunst ihrer Zeit geben.