Sowjetunion: "Internationale Organisation für Unterstützung der Kämpfer der Revolution, Sektion SRSR"

Mitgliedskarte Nr. 09216671, für eine Mann, aufgenommen im März 1934., mit Beitragsmarken bis 1945.
Die Organistion, die die Mitgliedskarte ausgehändigt hat: Ch.T.S. (Х.Т.З.) - "Charkiwer Traktorenwerk", Stadt Charkiw, Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik.
Zustand 2.
472008
50,00

Sowjetunion: "Internationale Organisation für Unterstützung der Kämpfer der Revolution, Sektion SRSR"

Die Internationale Organisation für Unterstützung der Kämpfer der Revolution (MOPR), in russischer Sprache als Международная организация помощи борцам революции (МОПР) bekannt, stellte eine der bedeutendsten internationalen Hilfsorganisationen der kommunistischen Bewegung in der Zwischenkriegszeit dar. Die hier vorliegende Mitgliedskarte aus dem Charkiwer Traktorenwerk (Ch.T.S./Х.Т.З.) dokumentiert die Mitgliedschaft eines Arbeiters von 1934 bis 1945 und gewährt einen faszinierenden Einblick in das sowjetische Organisationswesen während einer der dramatischsten Perioden der sowjetischen Geschichte.

Die MOPR wurde 1922 auf Initiative der Kommunistischen Internationale (Komintern) gegründet und hatte ihren Hauptsitz in Moskau. Ihr ursprünglicher Zweck bestand darin, politische Gefangene, Revolutionäre und ihre Familien weltweit zu unterstützen. In der Sowjetunion entwickelte sich die Organisation jedoch zu einer Massenorganisation mit Millionen von Mitgliedern, die in Betrieben, Kolchosen und Institutionen organisiert waren. Die sowjetische Sektion, offiziell als Sektion SRSR (Sowjetische Sozialistische Föderative Republik) bezeichnet, spielte eine zentrale Rolle bei der Mobilisierung der Bevölkerung für internationale Solidaritätskampagnen.

Das Charkiwer Traktorenwerk, wo diese Mitgliedskarte ausgestellt wurde, gehörte zu den prestigeträchtigsten Industrieunternehmen der frühen Sowjetunion. Das Werk wurde im Rahmen des ersten Fünfjahresplans errichtet und 1931 eröffnet. Es symbolisierte den sowjetischen Industrialisierungsdrang und die Umwandlung der Ukrainischen SSR in ein industrielles Zentrum. Tausende von Arbeitern waren dort beschäftigt, und das Werk produzierte die berühmten ChTZ-Traktoren, die für die Kollektivierung der Landwirtschaft von entscheidender Bedeutung waren. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktion auf Panzer und militärische Ausrüstung umgestellt.

Die Aufnahme des Karteninhabers im März 1934 fiel in eine Zeit großer politischer Umwälzungen. Die Sowjetunion befand sich in der Phase der forcierten Industrialisierung und Kollektivierung, die mit enormen menschlichen Kosten verbunden war. Die Jahre 1932-1933 waren durch die verheerende Holodomor-Hungersnot in der Ukraine gekennzeichnet, die Millionen von Menschenleben forderte. Die MOPR-Mitgliedschaft in dieser Zeit war nicht nur ein Akt der Solidarität, sondern auch ein Zeichen politischer Loyalität gegenüber dem sowjetischen Staat.

Die Beitragsmarken, die bis 1945 reichen, erzählen die Geschichte eines Mitglieds, das die gesamte Periode des Großen Terrors (1936-1938), des Großen Vaterländischen Krieges (1941-1945) und der deutschen Besatzung Charkiws überlebte. Charkiw wurde viermal während des Krieges umkämpft und war von Oktober 1941 bis August 1943 unter deutscher Besatzung. Die Kontinuität der Beitragszahlungen über diese turbulenten Jahre hinweg ist bemerkenswert und wirft Fragen über die Umstände des Karteninhabers auf – ob er evakuiert wurde, im Untergrund blieb oder unter Besatzung überlebte.

MOPR-Mitgliedskarten wie diese waren sorgfältig gestaltete Dokumente, die die bürokratische Gründlichkeit des sowjetischen Systems widerspiegelten. Sie enthielten typischerweise persönliche Angaben, ein Foto, die Mitgliedsnummer und Felder für monatliche Beitragsmarken. Die Mitgliedsnummer 09216671 deutet auf eine große Organisation mit Millionen von Mitgliedern hin. Die regelmäßige Entrichtung von Beiträgen war nicht nur finanziell wichtig, sondern diente auch als Nachweis politischer Aktivität und Zuverlässigkeit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die MOPR allmählich an Bedeutung. Die Organisation wurde 1947 offiziell aufgelöst, da sich die internationale Situation und die Prioritäten der sowjetischen Außenpolitik verändert hatten. Die Ära der Komintern und ihrer Schwesterorganisationen ging zu Ende, und neue Strukturen für die internationale kommunistische Bewegung entstanden im Kontext des beginnenden Kalten Krieges.

Als historisches Dokument bietet diese Mitgliedskarte einen wertvollen Einblick in die Alltagsgeschichte der sowjetischen Arbeiterklasse. Sie verbindet die große Geschichte der Industrialisierung, des politischen Terrors, des Krieges und der Besatzung mit dem persönlichen Schicksal eines einzelnen Arbeiters aus Charkiw. Solche Dokumente sind heute selten und für Sammler, Historiker und Museen von großem Interesse, da sie authentische Zeugnisse einer vergangenen Epoche darstellen und die komplexe soziale und politische Realität der Sowjetunion der 1930er und 1940er Jahre dokumentieren.