Der vorliegende Nachlass des Generalleutnants Curt Badinski stellt ein außergewöhnliches Ensemble dar, dessen Kernstück das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes 1939 bildet – jene Auszeichnung, die als höchste regulär verliehene militärische Dekoration des Dritten Reiches gilt. Zusammen mit der originalen Verleihungsurkunde, einer umfangreichen Ordensschnalle und persönlichen Uniformteilen ermöglicht dieser Nachlass einen detaillierten Einblick in die Laufbahn eines Offiziers, der beide Weltkriege durchlief und dessen militärischer Werdegang die dramatischen Umbrüche der deutschen Militärgeschichte im 20. Jahrhundert widerspiegelt.
Das Ritterkreuz: Stiftung und Bedeutung
Das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes wurde am 1. September 1939 durch Adolf Hitler gestiftet, verankert im Reichsgesetzblatt I S. 1573 (Verordnung über die Erneuerung des Eisernen Kreuzes). Es trat an die Stelle des preußischen Pour le Mérite und anderer hoher Verdienstauszeichnungen des Kaiserreiches. Anders als der Pour le Mérite, der ausschließlich Offizieren vorbehalten war, konnte das Ritterkreuz an Angehörige aller Dienstgrade verliehen werden – ein bewusster Bruch mit der Standestradition, der das Eiserne Kreuz seit seiner Stiftung im Jahr 1813 in der preußischen Militärtradition verankerte.
Voraussetzung für die Verleihung war grundsätzlich der vorherige Besitz des Eisernen Kreuzes 1. Klasse 1939, wenngleich in Einzelfällen beide Auszeichnungen gleichzeitig verliehen wurden. Das Ritterkreuz wurde für äußerste Tapferkeit im Gefecht oder herausragende militärische Führungsleistungen vergeben. Es stand Angehörigen der Wehrmacht (Heer, Luftwaffe, Kriegsmarine), der Waffen-SS, des Reichsarbeitsdienstes, des Volkssturms sowie Verbündeten des Dritten Reiches offen. Faktisch stellte es die höchste erreichbare Auszeichnung für deutsche Soldaten dar – das Großkreuz wurde lediglich einmal verliehen, an Hermann Göring im Juli 1940.
Im Laufe des Krieges wurden fünf Stufen eingeführt: das Ritterkreuz selbst (gestiftet am 1. September 1939), das Ritterkreuz mit Eichenlaub (3. Juni 1940), das Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern (15. Juli 1941), das Ritterkreuz mit Eichenlaub, Schwertern und Brillanten (15. Juli 1941) sowie das Ritterkreuz mit Goldenem Eichenlaub, Schwertern und Brillanten (29. Dezember 1944), das nur ein einziges Mal verliehen wurde – an Hans-Ulrich Rudel.
Fertigung durch C.E. Juncker, Berlin
Das vorliegende Exemplar ist eine typische Fertigung der Firma C.E. Juncker in Berlin. Dieses Unternehmen war 1851 gegründet worden und wurde ab 1939 zum offiziellen Lieferanten der Präsidialkanzlei. Die Fabrik wurde durch alliierte Luftangriffe 1944 zerstört. Im System der Präsidialkanzlei führte Juncker den Herstellercode „L/12“.
Das Ritterkreuz hat die Form eines Tatzenkreuzes (Kreuz mit am Ansatz schmalen, nach außen breiter werdenden Armen), das am Halsband getragen wurde. Es besteht aus einem geschwärzten Eisenkern mit Silberrahmen. Die Silberreinheit von 800/1000 (80% Silber) wird durch die Punzierung „800“ belegt. Die Vorderseite zeigt ein zentrales Hakenkreuz und die Jahreszahl „1939“ auf dem unteren Kreuzarm, die Rückseite die Jahreszahl „1813“, die auf die ursprüngliche Stiftung des Eisernen Kreuzes verweist. Juncker-Fertigungen zeichnen sich durch einen charakteristischen „Lattenzauneffekt“ an den inneren Rahmenecken sowie eine typische Prägung der Jahreszahlen aus. Das Halsband weist die Farben Schwarz-Weiß-Rot auf und ist 30 mm breit.
Die Verleihungsurkunde
Die großformatige Verleihungsurkunde datiert auf den 11. Oktober 1941 und ist auf „Oberst Kurt Badinski“ ausgestellt. Die Urkunden zum Ritterkreuz wurden als handkalligraphierte Pergamente in roten Ledermappen ausgefertigt. Die Kalligraphie wurde von Franziska Kobell ausgeführt, das Design der Mappen stammt von Frieda Thiersch – deren Signatur sich auch auf dem vorliegenden Exemplar findet. Die Urkunden trugen die eigenhändige Unterschrift Adolf Hitlers. In den ersten Kriegsjahren erfolgten die Verleihungen durch Hitler persönlich in der Reichskanzlei, am Berghof und in verschiedenen Führerhauptquartieren wie der Wolfsschanze oder dem Werwolf. Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 wurden die Überreichungen zunehmend durch höhere Kommandeure vorgenommen.
Generalleutnant Curt Badinski
Die begleitende Ordensschnalle mit zehn Auszeichnungen dokumentiert eine Karriere, die am 15. Januar 1910 mit dem Eintritt als Fahnenjunker in die kaiserliche Armee begann. Die Verleihung des Ritterkreuzes erfolgte am 11. Oktober 1941, als Badinski als Oberst und Kommandeur des Infanterie-Regiments 489 bei den Kämpfen um Krasnogwardeisk im Rahmen des Unternehmens Barbarossa eingesetzt war. Im August 1944, als Kommandeur der 276. Infanterie-Division an der Invasionsfront in Frankreich, geriet er im Kessel von Falaise in alliierte Gefangenschaft, aus der er im Sommer 1947 entlassen wurde.
Nachkriegsgeschichte und Bedeutung
Nach Kriegsende verbot die Bundesrepublik Deutschland das Tragen von Auszeichnungen mit nationalsozialistischen Emblemen. 1957 wurde eine entnazifizierte Ersatzversion genehmigt, bei der das Hakenkreuz durch ein Eichenlaubmotiv ersetzt wurde, damit Kriegsteilnehmer ihre Auszeichnungen weiterhin tragen konnten. Die Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger (OdR) wurde 1955 in Köln gegründet. Im Jahr 1999 untersagte Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping Kontakte der Bundeswehr mit der Ordensgemeinschaft unter Verweis auf neonazistische Verbindungen.
Der Nachlass Badinskis stellt in seiner Geschlossenheit und Authentizität ein bedeutendes Dokument der deutschen Militärgeschichte des 20. Jahrhunderts dar – von der kaiserlichen Armee über die Reichswehr bis zur Wehrmacht, und schließlich in die Nachkriegszeit hinein.