Weimarer Republik Nichttragbare Auszeichnungsmedaille "Ehrenpreis des Reichspräsidenten" in Bronze , 1932
Die Ehrenpreis-Medaille des Reichspräsidenten zum Goethe-Gedenkjahr 1932 stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der kulturpolitischen Bestrebungen der späten Weimarer Republik dar. Diese nicht tragbare Auszeichnungsmedaille in Bronze wurde anlässlich des Verfassungstages im Jahr 1932 gestiftet, einem Jahr, das zugleich den 100. Todestag Johann Wolfgang von Goethes markierte.
Die Weimarer Republik (1919-1933) bemühte sich trotz ihrer politischen und wirtschaftlichen Krisen stets darum, eine kulturelle Identität zu etablieren, die demokratische Werte mit dem deutschen Kulturerbe verband. Die Wahl Goethes als Symbol war dabei keineswegs zufällig: Der Dichter und Staatsmann verkörperte humanistische Ideale und europäisches Bildungsbürgertum, Werte, die mit der demokratischen Verfassung harmonieren sollten.
Das Jahr 1932 war ein Schicksalsjahr für Deutschland. Während die politische Lage durch die Weltwirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit und den Aufstieg extremistischer Parteien gekennzeichnet war, versuchte Reichspräsident Paul von Hindenburg, durch kulturelle Initiativen stabilisierende Akzente zu setzen. Der Verfassungstag, der an die Verabschiedung der Weimarer Verfassung am 11. August 1919 erinnerte, wurde als nationaler Feiertag begangen und bot einen Rahmen für staatliche Ehrungen.
Die Medaille selbst zeigt auf der Vorderseite das Porträt des Geheimrats Goethe, eine Darstellung, die den Dichter in seiner Würde als Staatsmann und Gelehrter präsentiert. Die Rückseite trägt die Inschrift “Ehrenpreis des Reichspräsidenten Goethe Gedenkjahr 1932 Verfassungstag”, die die drei zentralen Elemente dieser Auszeichnung verbindet: die staatliche Autorität, das kulturelle Gedenken und die demokratische Verfassung.
Mit einem Durchmesser von 77 mm gehört diese Medaille zu den größeren nicht tragbaren Auszeichnungen der Weimarer Republik. Solche Medaillen wurden nicht am Körper getragen, sondern auf speziellen Sockeln präsentiert, wie der erhaltene originale Marmorsockel mit Ständer belegt. Dies unterstreicht ihren Charakter als Ehrengeschenk und Erinnerungsstück von bleibendem Wert.
Die Vergabe solcher Ehrenpreise erfolgte in der Regel an Persönlichkeiten, die sich um Wissenschaft, Kunst, Kultur oder das Gemeinwohl verdient gemacht hatten. Im Kontext des Goethe-Gedenkjahres 1932 wurden zahlreiche Veranstaltungen, Ausstellungen und Publikationen organisiert. Die Reichsregierung und der Reichspräsident nutzten diese Gelegenheit, um kulturelle Kontinuität zu demonstrieren und von den tagesaktuellen politischen Turbulenzen abzulenken.
Die Herstellung solcher Medaillen in Bronze war typisch für staatliche Auszeichnungen dieser Kategorie. Bronze als Material vereinte Wertigkeit mit relativer Wirtschaftlichkeit, was in Zeiten der Wirtschaftskrise von Bedeutung war. Die künstlerische Ausführung spiegelt den neoklassizistischen Stil wider, der in der offiziellen Kunst der Weimarer Republik vorherrschte.
Historisch betrachtet markiert das Jahr 1932 die letzte Phase der Weimarer Republik vor der nationalsozialistischen Machtübernahme. Die kulturellen Bemühungen um das Goethe-Gedenkjahr stehen somit in tragischem Kontrast zum politischen Niedergang der Demokratie. Nur wenige Monate nach dem Verfassungstag 1932 gewannen die Nationalsozialisten weitere Macht, und im Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt.
Solche Medaillen sind heute wichtige historische Dokumente, die Einblick in die Selbstdarstellung und die kulturpolitischen Strategien der Weimarer Republik geben. Sie dokumentieren den Versuch, durch kulturelle Symbole staatliche Autorität und demokratische Legitimität zu festigen. Die Verbindung von Goethe mit dem Verfassungstag sollte eine Brücke zwischen klassischem deutschem Kulturerbe und moderner Demokratie schlagen – ein Projekt, das letztlich am politischen Zusammenbruch der Republik scheiterte.