Preussen Medaille "Zur Erinnerung an das 100 jährige Regiments-Jubiläum I. R. 13 1813 - 1913" (Infanterie-Regiment Herwarth von Bittenfeld (1. Westfälisches) Nr.13)

Standort Münster, Bronze, Durchmesser 29 mm, am Original-Band mit Nadel, Zustand 2 .
487009
75,00

Preussen Medaille "Zur Erinnerung an das 100 jährige Regiments-Jubiläum I. R. 13 1813 - 1913" (Infanterie-Regiment Herwarth von Bittenfeld (1. Westfälisches) Nr.13)

Die Jubiläumsmedaille des Infanterie-Regiments Herwarth von Bittenfeld (1. Westfälisches) Nr. 13 aus dem Jahr 1913 repräsentiert eine bedeutende Tradition im preußischen Militärwesen: die Ehrung langlebiger Regimentsgeschichte durch commemorative Auszeichnungen. Diese bronzene Medaille mit 29 mm Durchmesser wurde zur Feier des 100-jährigen Bestehens des Regiments geschaffen, das von 1813 bis 1913 eine zentrale Rolle in der westfälischen und preußischen Militärgeschichte spielte.

Das Infanterie-Regiment Nr. 13 wurde während der Befreiungskriege gegen Napoleon im Jahr 1813 aufgestellt, einer Periode, die das deutsche Nationalbewusstsein nachhaltig prägte. Die Gründung fiel in eine Zeit, als Preußen nach den demütigenden Niederlagen gegen Frankreich seine militärische Kraft reorganisierte und erweiterte. Das Regiment trug den Ehrennamen Herwarth von Bittenfeld, benannt nach dem preußischen Generalfeldmarschall Hans Karl Georg von Herwarth von Bittenfeld (1796-1884), der sich besonders im Deutschen Krieg von 1866 und im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 auszeichnete.

Mit seinem Standort in Münster, der Hauptstadt der preußischen Provinz Westfalen, war das Regiment tief in der regionalen Identität verwurzelt. Als “1. Westfälisches” Regiment symbolisierte es die militärische Präsenz Preußens in diesem wichtigen Verwaltungs- und Kulturzentrum. Münster selbst hatte eine komplexe Geschichte als ehemalige bischöfliche Residenzstadt, die erst im Zuge der napoleonischen Neuordnung und des Wiener Kongresses 1815 endgültig zu Preußen kam.

Die Ausgabe von Regiments-Jubiläumsmedaillen war im deutschen Kaiserreich eine etablierte Praxis. Solche Medaillen wurden nicht als staatliche Orden verliehen, sondern als Ehrenzeichen des Regiments selbst an aktive und ehemalige Angehörige ausgegeben. Sie dienten der Stärkung des Korpsgeistes und der Traditionspflege. Die Medaillen wurden typischerweise aus Bronze gefertigt, wie auch dieses Exemplar, und am charakteristischen Regimentsband getragen.

Das Jahr 1913 markierte nicht nur das Regimentsjubiläum, sondern fiel auch in eine Zeit intensiver militärischer Aufrüstung und wachsender Spannungen in Europa. Ein Jahr später sollte der Erste Weltkrieg ausbrechen, in dem das Infanterie-Regiment Nr. 13 an verschiedenen Fronten kämpfte. Die Jubiläumsfeierlichkeiten des Jahres 1913 waren von patriotischer Begeisterung geprägt und betonten die hundertjährige Tradition des Regiments.

Die Ikonographie solcher Jubiläumsmedaillen folgte üblicherweise bestimmten Konventionen: Auf der Vorderseite fanden sich häufig militärische Symbole, Regimentswappen oder Porträts des Namenspatrons. Die Rückseite trug typischerweise Inschriften mit den Jubiläumsdaten und dem Regimentsnamen. Das Original-Band, an dem die Medaille getragen wurde, zeigte in der Regel die Regimentsfarben.

Die Vergabe solcher Medaillen erfolgte oft im Rahmen festlicher Zeremonien, bei denen die Regimentsgeschichte gewürdigt wurde. Veteranen, die noch die frühen Feldzüge erlebt hatten, waren zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben, doch die mündliche Tradition und die Regimentschroniken bewahrten die Erinnerung an die Kämpfe bei Leipzig 1813, die Feldzüge von 1864, 1866 und 1870/71 sowie die Friedenszeit im Kaiserreich.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 und der Auflösung der kaiserlichen Armee im Zuge des Versailler Vertrags wurden die alten preußischen Regimenter formal aufgelöst. Die Tradition des Infanterie-Regiments Nr. 13 endete damit offiziell, doch Veteranenverbände und Traditionsvereine pflegten die Erinnerung weiter. Solche Jubiläumsmedaillen wurden zu wichtigen Erinnerungsstücken und Sammlerobjekten, die die untergegangene Welt des preußisch-deutschen Militarismus dokumentieren.

Heute sind solche Medaillen wertvolle historische Quellen, die Einblicke in die Militärkultur des Kaiserreichs bieten. Sie zeugen von der Bedeutung, die Tradition und Kontinuität im preußischen Heer beigemessen wurde. Die sorgfältige Ausführung in Bronze, die Befestigung am Original-Band mit Nadel und die erhaltene Qualität machen jedes Exemplar zu einem Zeugnis handwerklicher Fertigkeit und militärischer Erinnerungskultur. Die Medaille repräsentiert einen historischen Moment am Vorabend der Katastrophe des Ersten Weltkriegs, als Europa noch in der relativen Stabilität der Vorkriegsordnung verhaftet war.