Preußen Paar Epauletten für einen Leutnant im 2. Unter-Elsässischen Feldartillerie-Regiment Nr. 67

Standorte Hagenau/Bischweiler, um 1910. Zustand 2.
397409
350,00

Preußen Paar Epauletten für einen Leutnant im 2. Unter-Elsässischen Feldartillerie-Regiment Nr. 67

Die vorliegenden Epauletten eines Leutnants im 2. Unter-Elsässischen Feldartillerie-Regiment Nr. 67 repräsentieren ein bedeutendes Zeugnis der militärischen Uniformierung im Deutschen Kaiserreich kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Diese Rangabzeichen stammen aus der Zeit um 1910 und waren in den Standorten Hagenau (heute Haguenau, Frankreich) und Bischweiler (heute Bischwiller, Frankreich) im Reichsland Elsaß-Lothringen stationiert.

Das Feldartillerie-Regiment Nr. 67 wurde am 1. Oktober 1890 als Teil der preußischen Armee aufgestellt und gehörte zur XV. Armee-Korps. Als “Unter-Elsässisches” Regiment bezeichnete es seine geografische Zuordnung zum Unterelsass, einem Teil des nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 an das Deutsche Reich gefallenen Reichslandes. Die Standortwahl in Hagenau und Bischweiler war strategisch bedeutsam, da beide Städte nahe der französischen Grenze lagen und wichtige Verkehrsknotenpunkte darstellten.

Epauletten waren seit dem 18. Jahrhundert ein fester Bestandteil militärischer Uniformen und dienten sowohl der Rangkennung als auch der dekorativen Ausgestaltung. In der preußischen Armee entwickelten sie sich zu hochspezialisierten Rangabzeichen, deren Gestaltung durch detaillierte Uniformvorschriften geregelt war. Die Anzugsordnung für die Offiziere der Königlich Preußischen Armee legte präzise fest, wie Epauletten für verschiedene Ränge und Waffengattungen auszusehen hatten.

Für einen Leutnant der Feldartillerie waren Epauletten mit spezifischen Merkmalen vorgeschrieben: Sie bestanden aus einem halbmondförmigen Unterbau aus Metall oder Pappe, der mit geflochtenen Metallschnüren, üblicherweise aus vergoldetem oder silbernem Draht, überzogen war. Das charakteristische Element für Artillerieoffiziere war die rote Waffenfarbe, die sich in verschiedenen Details der Uniform widerspiegelte. Die Rangkennung des Leutnants erfolgte durch die Anzahl und Anordnung der Sterne auf den Epauletten sowie durch die Beschaffenheit der Fransen.

Die Epauletten wurden auf beiden Schultern der Waffenrock-Uniform getragen, wobei sie durch Schlaufen und Knöpfe befestigt wurden. Sie kamen hauptsächlich bei Paraden, Inspektionen und offiziellen Anlässen zum Einsatz, während im Feld und bei Übungen praktischere Schulterstücke verwendet wurden. Dies erklärt auch, warum viele Epaulettpare in relativ gutem Zustand erhalten geblieben sind – sie wurden nicht im täglichen Dienst beansprucht.

Die Zeit um 1910 markierte eine bedeutende Phase in der Geschichte des Regiments und der deutschen Armee insgesamt. Die europäischen Spannungen nahmen zu, und das Wettrüsten zwischen den Großmächten intensivierte sich. Das Elsass-Lothringen, als umstrittenes Grenzgebiet zwischen Deutschland und Frankreich, hatte eine besondere militärische Bedeutung. Die dort stationierten Regimenter waren Teil der westlichen Verteidigungslinie des Deutschen Reiches.

Das Regiment Nr. 67 war mit modernen Feldkanonen ausgerüstet, die in dieser Periode zunehmend verbessert wurden. Die Feldartillerie galt als eine der wichtigsten Waffengattungen der kaiserlichen Armee, und ihre Offiziere genossen hohes Ansehen. Die Ausbildung zum Artillerieoffizier war anspruchsvoll und umfasste neben militärischen auch mathematische und technische Kenntnisse.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 marschierte das Regiment als Teil des XV. Armee-Korps in den Krieg. Die prächtigen Paradeuniform mit Epauletten wurde schnell durch feldgraue Uniformen ersetzt, die den Anforderungen des modernen Krieges besser entsprachen. Die traditionellen Rangabzeichen wurden vereinfacht und weniger auffällig gestaltet.

Nach dem Krieg und der deutschen Niederlage 1918 kehrte das Elsass-Lothringen an Frankreich zurück. Die deutschen Truppen wurden abgezogen, und die Standorte Hagenau und Bischweiler verloren ihre Bedeutung als deutsche Garnisionsstädte. Das Regiment wurde aufgelöst, und seine Traditionen endeten mit dem Zusammenbruch der kaiserlichen Armee.

Heute sind solche Epauletten begehrte Sammlerstücke, die einen wichtigen Einblick in die militärische Kultur des Kaiserreichs bieten. Sie repräsentieren nicht nur handwerkliche Qualität und militärische Tradition, sondern auch eine untergegangene Epoche europäischer Geschichte. Für Militärhistoriker und Sammler sind sie wertvolle Quellen zur Uniformkunde und zur Geschichte der preußischen Armee im späten Kaiserreich.