Preußen kleines Kabinettfoto eines Soldaten im Feldartillerie-Regiment General-Feldmarschall Graf Waldersee (Schleswigsches) Nr. 9,

Sehr schöne Aufnahme, handkoloriert, aufgenommen in Itzehoe.
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15,00

Preußen kleines Kabinettfoto eines Soldaten im Feldartillerie-Regiment General-Feldmarschall Graf Waldersee (Schleswigsches) Nr. 9,

Das Feldartillerie-Regiment General-Feldmarschall Graf Waldersee (Schleswigsches) Nr. 9 gehörte zu den traditionsreichsten Artillerieeinheiten der preußischen Armee. Diese handkolorierte Kabinettkarte aus Itzehoe dokumentiert einen Soldaten dieses Regiments und stellt ein wertvolles zeitgeschichtliches Zeugnis der wilhelminischen Ära dar.

Das Regiment wurde ursprünglich im Jahr 1815 als Schleswig-Holsteinisches Feldartillerie-Regiment Nr. 9 aufgestellt und war in der Provinz Schleswig-Holstein stationiert. Die Bezeichnung des Regiments würdigte Generalfeldmarschall Alfred Graf von Waldersee (1832-1904), einen der bedeutendsten preußischen Militärführer seiner Zeit. Waldersee diente als Generalstabschef unter Kaiser Wilhelm I. und spielte eine wichtige Rolle in der deutschen Militärpolitik des späten 19. Jahrhunderts. Er befehligte 1900-1901 die internationalen Truppen während der Niederschlagung des Boxeraufstands in China.

Die Feldartillerie bildete das Rückgrat der preußischen und später deutschen Landstreitkräfte. Anders als die schwere Fußartillerie war die Feldartillerie für die mobile Unterstützung der Infanterie und Kavallerie auf dem Schlachtfeld konzipiert. Die Regimenter waren typischerweise mit gezogenen Feldkanonen verschiedener Kaliber ausgestattet, darunter die berühmte Feldkanone C/96 und später die Feldkanone C/04.

Die Garnison des Regiments befand sich in Itzehoe, einer Stadt in Holstein, die eine lange militärische Tradition aufwies. Die Stadt beherbergte nicht nur die Kasernen und Übungsplätze des Regiments, sondern entwickelte eine enge Verbindung zur militärischen Gemeinschaft. Zahlreiche Fotografenateliers in Itzehoe spezialisierten sich auf militärische Porträtfotografie, wie das vorliegende Kabinettfoto belegt.

Kabinettfotos waren zwischen den 1870er und 1910er Jahren das vorherrschende Format für Portraitfotografie. Mit einem Standardformat von etwa 10,8 x 16,5 cm waren sie kleiner als die früheren Cartes-de-visite und wurden auf stabilen Kartonunterlagen montiert. Das Atelier, die Stadt und oft auch dekorative Elemente waren auf der Rückseite oder dem Rahmen aufgedruckt. Soldaten ließen sich häufig in Uniform fotografieren, um diese Bilder an Familie und Freunde zu verschicken oder als persönliche Erinnerung zu bewahren.

Die Handkolorierung dieser Fotografie ist besonders bemerkenswert. Obwohl die Farbfotografie bereits experimentell existierte, waren handkolorierte Schwarzweißfotografien bis in die 1920er Jahre die übliche Methode, um farbige Portraits zu erstellen. Spezialisierte Künstler bemalten die Abzüge mit feinen Pinseln und verwendeten transparente Aquarellfarben oder spezielle fotografische Farben. Bei militärischen Portraits wurde besonderer Wert darauf gelegt, die Waffenfarben und Regimentsabzeichen korrekt darzustellen.

Die Feldartillerie trug als Waffenfarbe Rot, das an den Kragenpatten, Ärmelaufschlägen und anderen Uniformdetails sichtbar war. Die genaue Darstellung dieser Farben in handkolorierten Fotografien diente nicht nur ästhetischen Zwecken, sondern auch der korrekten Dokumentation der militärischen Zugehörigkeit.

Das Regiment Nr. 9 nahm an zahlreichen wichtigen militärischen Ereignissen teil. Im Deutsch-Dänischen Krieg 1864, dem Deutschen Krieg 1866 gegen Österreich und dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 bewährte sich das Regiment. Diese Feldzüge waren auf den Fahnen und in den Regimentschroniken verewigt und bildeten einen wichtigen Teil der Regimentsidentität.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 mobilisierte das Regiment und zog an die Westfront. Die Feldartillerie spielte in diesem Konflikt eine entscheidende Rolle, und das Regiment Nr. 9 war an zahlreichen Schlachten beteiligt. Die Verluste waren erheblich, und viele der jungen Männer, die zuvor in friedlichen Zeiten in Itzehoe fotografiert worden waren, kehrten nicht zurück.

Nach der deutschen Niederlage 1918 und der Auflösung der preußischen Armee gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrags wurde das Regiment aufgelöst. Die Traditionen wurden jedoch in der Reichswehr und später in der Wehrmacht teilweise fortgeführt.

Solche Kabinettfotos sind heute wichtige historische Quellen. Sie dokumentieren nicht nur die Uniformierung und das Erscheinungsbild der Soldaten, sondern auch sozialgeschichtliche Aspekte wie die Bedeutung des Militärdienstes in der Gesellschaft des Kaiserreichs, die Fotokultur der Zeit und die lokale Geschichte der Garnisonsstädte. Für Militärhistoriker und Sammler sind sie unverzichtbare Dokumente zur Erforschung der preußisch-deutschen Militärgeschichte.