Verein ehemaliger Kolonial- und Auslandstruppen

Mitgliedsabzeichen 1. Form, an langer Nadel, Zustand 2.
520909
€ 80,00

Verein ehemaliger Kolonial- und Auslandstruppen

Das Mitgliedsabzeichen 1. Form des Vereins ehemaliger Kolonial- und Auslandstruppen stellt ein bedeutendes Zeugnis der deutschen Kolonialgeschichte dar und dokumentiert die Organisationsstrukturen ehemaliger Kolonialsoldaten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dieses Abzeichen wurde von Mitgliedern des Vereins ehemaliger Kolonial- und Auslandstruppen sowie dessen Nachfolgeorganisationen getragen und diente als Erkennungs- und Zugehörigkeitsmerkmal für Veteranen deutscher Kolonialkriege.

Die Wurzeln dieser Veteranenorganisation reichen bis ins Jahr 1896 zurück, als etwa 50 ehemalige Kolonialsoldaten in Berlin unter der Leitung des pensionierten Unteroffiziers Ernst Brüggemann den Verein ehemaliger Kameraden der Deutsch-Afrikanischen Schutztruppen gründeten. In den folgenden Jahren entstanden in verschiedenen deutschen Städten ähnliche Vereinigungen. Diese Entwicklung führte 1902 zur Bildung einer ersten Dachorganisation in Berlin unter dem Namen Vereinigung der Kriegervereine ehemaliger China- und Afrikakrieger von Deutschland.

Das Abzeichen wurde in Form eines Schutztruppenhutes, auch Südwester genannt, gefertigt – jenes charakteristischen Hutes, den die deutschen Kolonialtruppen trugen. Das hohlgeprägte Abzeichen aus versilbertem Buntmetall zeigt eine plastische Darstellung dieses Hutes mit einer runden Rosette in der Mitte der hochgeschlagenen Krempe, die einen erhöhten schmalen Rand aufweist. Auf der Rückseite ist eine angelötete Nadelkonstruktion angebracht. Als einer der dokumentierten Hersteller dieser Abzeichen ist Paul Küst Berlin bekannt, dessen Exemplare Abmessungen von etwa 27 x 27,5 mm aufweisen.

Die Mitgliedschaft in diesen Vereinigungen stand ehemaligen Angehörigen der deutschen Schutztruppen offen, die in den deutschen Kolonien in Afrika, in China während des Boxeraufstands sowie in anderen Überseegebieten gedient hatten. Zu den Mitgliedern zählten Veteranen, die in Deutsch-Ostafrika, Deutsch-Südwestafrika, Kamerun und bei der Niederschlagung des Boxeraufstands in China im Einsatz waren.

Die Bewegung erlebte ein erhebliches Wachstum: Bis 1914 existierten bereits 110 Kolonialkrieger-Vereine oder -Gruppen. Im Jahr 1922 gründete General Georg Maercker den Deutschen Kolonialkrieger-Bund als vereinheitlichte Organisation, die die verschiedenen regionalen Vereinigungen unter einem Dach zusammenführte. Maercker fungierte bis 1924 als Präsident, später übernahm Franz Ritter von Epp die Führung. Die Organisation verfügte über eine eigene khakifarbene Uniform mit Tropenhut und verwendete die Flagge der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft.

Neben dem hier beschriebenen Mitgliedsabzeichen 1. Form existierten mehrere Varianten und Ausführungen. Die Silberne Ehrennadel wurde für besondere Verdienste oder langjährige Mitgliedschaft verliehen, wobei eine vergoldete und emaillierte Variante für zehnjährige Mitgliedschaft dokumentiert ist. Nach 1922 führte der Deutsche Kolonialkrieger-Bund einheitliche Auszeichnungen ein, darunter die Kolonialauszeichnung (Löwenorden) in silberner und bronzener Klasse.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme und der Gründung des Reichskolonialbundes im Jahr 1936 wurde der Deutsche Kolonialkrieger-Bund gleichgeschaltet, behielt aber nominell seine Unabhängigkeit als eingetragener Verein. Im Oktober 1938 erfolgte die Unterstellung unter den NS-Reichskriegerbund. Die Vereinszeitung Kolonial-Post erschien von Januar 1928 bis März 1943.

Nach dem Zweiten Weltkrieg führten Bemühungen zur Wiederbelebung der Kolonialveteranenorganisation 1955 zur Gründung des Verbandes ehemaliger Kolonialtruppen in Hamburg. Ein Jahr später, 1956, fusionierte dieser mit anderen regionalen Vereinigungen zum Traditionsverband ehemaliger Schutz- und Überseetruppen, der bis heute besteht. 1983 wurde der Vereinsname um den Zusatz “Freunde der früheren deutschen Schutzgebiete” ergänzt, um die Mitgliedschaft für alle Interessierten zu öffnen.