Volkssozialistische Selbsthilfe ( VS )
Volkssozialistische Selbsthilfe (VS) - Mitgliedsabzeichen
Das Mitgliedsabzeichen der Volkssozialistischen Selbsthilfe (VS) repräsentiert eine der weniger bekannten, aber dennoch bedeutenden Hilfsorganisationen des nationalsozialistischen Deutschlands. Die VS wurde im Jahr 1933 als Teil der umfassenden Gleichschaltungspolitik des NS-Regimes gegründet und diente als Wohlfahrtsorganisation innerhalb der nationalsozialistischen Bewegung.
Die Volkssozialistische Selbsthilfe entstand aus der Fusion verschiedener kleinerer nationalsozialistischer Hilfsorganisationen und wurde der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) untergeordnet. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, bedürftigen “Volksgenossen” materielle und finanzielle Unterstützung zu gewähren, wobei diese Hilfe ausschließlich Personen zugutekam, die den rassischen und ideologischen Kriterien des Regimes entsprachen.
Das hier beschriebene Abzeichen wurde vom Hersteller F.M.K. (F. Mannheim Kaiserslautern) produziert, einer Firma, die während der NS-Zeit zahlreiche Parteiabzeichen und Auszeichnungen fertigte. Die Firma Mannheim in Kaiserslautern gehörte zu den etablierten Herstellern von metallenen Abzeichen und Orden in der Pfalz. Die Kennzeichnung mit den Herstellerinitialen war ab 1934 durch Verordnung des Reichsschatzmeisters der NSDAP vorgeschrieben, um die Authentizität der Abzeichen zu gewährleisten und die Produktion zu kontrollieren.
Die lange Nadel des Abzeichens war charakteristisch für Mitgliedsabzeichen der frühen bis mittleren 1930er Jahre. Diese Befestigungsart ermöglichte das Tragen an verschiedenen Kleidungsstücken und war besonders bei zivilen Organisationsabzeichen verbreitet. Im Gegensatz zu militärischen Auszeichnungen, die oft mit Stecknadeln oder Schraubverschlüssen versehen waren, bevorzugten zivile NS-Organisationen diese praktische Nadelkonstruktion.
Die Mitgliedschaft in der VS war freiwillig, wurde jedoch gesellschaftlich stark gefördert. Mitglieder trugen das Abzeichen als sichtbares Zeichen ihrer Zugehörigkeit zur Organisation und ihres Engagements für die “Volksgemeinschaft”. Das Tragen solcher Abzeichen diente nicht nur der Identifikation, sondern auch der Demonstration politischer Loyalität gegenüber dem Regime.
Die Organisationsstruktur der VS war hierarchisch aufgebaut und spiegelte die Gliederung der NSDAP wider. Sie war in Gau-, Kreis- und Ortsgruppen organisiert und arbeitete eng mit anderen NS-Organisationen zusammen. Die Finanzierung erfolgte hauptsächlich durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und staatliche Zuschüsse.
Im Kontext der NS-Wohlfahrtspolitik spielte die VS eine untergeordnete, aber dennoch wichtige Rolle. Sie ergänzte die Arbeit der wesentlich größeren NSV, die bis 1939 zur größten Massenorganisation nach der Deutschen Arbeitsfront wurde. Die VS konzentrierte sich dabei oft auf spezifische Zielgruppen und lokale Projekte.
Die Herstellung von Mitgliedsabzeichen wie diesem war ein bedeutender Wirtschaftszweig während der NS-Zeit. Zahlreiche Firmen, darunter auch F.M.K., profitierten von den umfangreichen Aufträgen der Partei und ihrer Gliederungen. Die Abzeichen wurden in verschiedenen Qualitätsstufen hergestellt, wobei die Materialien von einfachem Tombak bis zu höherwertigen Legierungen reichten.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 wurden die VS und alle anderen NS-Organisationen durch die Alliierten verboten und aufgelöst. Das Tragen ihrer Abzeichen wurde illegal. Heute sind solche Objekte Gegenstand historischer Forschung und Sammlung, wobei ihr Kontext im Rahmen der Aufarbeitung der NS-Diktatur kritisch betrachtet wird.
Für Sammler und Historiker sind solche Abzeichen wichtige Zeugnisse der organisatorischen Durchdringung der deutschen Gesellschaft durch das NS-Regime. Sie dokumentieren die Vielfalt der Organisationen und die Bemühungen des Regimes, alle Lebensbereiche zu kontrollieren und zu instrumentalisieren. Die Zustandsangabe “Zustand 2” in der Objektbeschreibung deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar hin, was bei über 80 Jahre alten Objekten bemerkenswert ist.