Blechspielzeug - Große Mörser Kanone
Die Mörserkanone aus Blech repräsentiert einen faszinierenden Aspekt der Spielzeugindustrie des frühen bis mittleren 20. Jahrhunderts, als militärische Themen die Kinderzimmer Europas dominierten. Diese Art von Blechspielzeug, typischerweise zwischen 10 und 15 Zentimetern lang, mit Gummibereifung und höhenverstellbarem Lauf, verkörpert die technische Raffinesse und den gesellschaftlichen Kontext ihrer Entstehungszeit.
Die Produktion militärischer Spielzeuge erlebte ihre Blütezeit zwischen den 1920er und 1950er Jahren, wobei Deutschland, insbesondere Nürnberg und das Thüringer Spielzeugland, als Zentrum dieser Industrie galt. Firmen wie Lineol, Elastolin, Hausser und kleinere Manufakturen produzierten detaillierte militärische Miniaturen, die sowohl als Spielzeug als auch als Sammlerobjekte dienten.
Der Mörser als Artilleriewaffe hat eine lange militärhistorische Tradition. Diese Waffe zeichnet sich durch ihren kurzen Lauf und die Fähigkeit aus, Geschosse in hohem Winkel abzufeuern, wodurch sie besonders für die Belagerung von Festungen und den Einsatz gegen verschanzte Stellungen geeignet war. Im Ersten Weltkrieg spielten Mörser eine entscheidende Rolle im Grabenkrieg, während sie im Zweiten Weltkrieg weiterentwickelt wurden und in verschiedenen Kalibern zum Einsatz kamen.
Die Miniaturisierung solcher Waffen als Spielzeug erfolgte aus mehreren Gründen. Einerseits spiegelten sie die militärische Realität der Zeit wider, andererseits dienten sie der spielerischen Vermittlung von “Wehrhaftigkeit” und militärischen Werten, die in der damaligen Pädagogik eine wichtige Rolle spielten. Die technischen Details wie die höhenverstellbare Lafette und die Gummibereifung zeigen den Anspruch, authentische Funktionen im Miniaturformat nachzubilden.
Die Gummibereifung ist ein besonderes technisches Merkmal, das etwa ab den 1930er Jahren vermehrt bei Blechspielzeug auftrat. Sie ersetzte die früheren Metallräder oder Holzräder und ermöglichte ein realistischeres Fahrverhalten auf glatten Oberflächen. Dies war Teil einer allgemeinen Entwicklung zu mehr Realismus und technischer Raffinesse im Spielzeugbau.
Die Blechverarbeitung selbst war eine deutsche Spezialität. Die Methode des Lithografierens auf Blech ermöglichte farbenfrohe und detailreiche Dekoration. Die Teile wurden gestanzt, geprägt, gebogen und durch Falztechnik oder Punktschweißung zusammengefügt. Diese Fertigungsmethode war kosteneffizient und erlaubte eine Massenproduktion bei gleichzeitig beachtlicher Detailtreue.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wandelte sich die Einstellung zu militärischem Spielzeug allmählich. Während in den 1950er Jahren noch eine hohe Nachfrage bestand, führten die gesellschaftlichen Umwälzungen der 1960er und 1970er Jahre zu einem Rückgang. Die Friedensbewegung und veränderte pädagogische Ansichten trugen dazu bei, dass militärisches Spielzeug zunehmend kritisch betrachtet wurde.
Heute sind solche Blechspielzeuge begehrte Sammlerstücke. Der Zustand 2- (nach der üblichen Sammler-Bewertungsskala von 1 bis 6, wobei 1 neuwertig bedeutet) weist auf ein gut erhaltenes Objekt mit leichten Gebrauchsspuren hin. Faktoren wie Vollständigkeit, Originalität der Bemalung, Funktionstüchtigkeit der beweglichen Teile und das Fehlen von Rost oder größeren Beschädigungen bestimmen den Sammlerwert.
Die historische Bedeutung solcher Objekte liegt nicht nur in ihrer handwerklichen Qualität, sondern auch in ihrem kulturhistorischen Zeugniswert. Sie dokumentieren Spielgewohnheiten, Erziehungsideale, technische Fertigungsmethoden und die gesellschaftliche Stellung des Militärs in verschiedenen Epochen. Für Militärhistoriker bieten sie zudem Einblicke in die Popularisierung und Wahrnehmung militärischer Technik in der Zivilbevölkerung.