Deutscher Marine Bund

Ehrennadel für 25 jährige Mitgliedschaft, an Nadel, Zustand 2.
522010
€ 45,00

Deutscher Marine Bund

Die vorliegende Ehrennadel für 25-jährige Mitgliedschaft des Deutschen Marine Bundes verkörpert eine komplexe und wechselvolle Organisationsgeschichte, die sich über mehr als ein Jahrhundert deutscher Marinetraditionen erstreckt. Diese Auszeichnung für langjährige Treue steht im Kontext einer Institution, die mehrfach grundlegend transformiert wurde und deren Entwicklung die dramatischen politischen Umbrüche Deutschlands im 20. Jahrhundert widerspiegelt.

Die Wurzeln der Organisation reichen bis in das Kaiserreich zurück. Im Juni 1891 wurde in Kiel der Bund Deutscher Marinevereine gegründet, der 1893 in Vereinigung Deutscher Marine-Vereine umbenannt wurde. Diese Gründung erfolgte als Zusammenschluss aktiver und ehemaliger Marineangehöriger aller Dienstgrade, die Kameradschaft pflegen und gegenseitige Unterstützung organisieren wollten. Nach dem Ersten Weltkrieg erfuhr die Organisation 1922 eine Neuformierung als Bund Deutscher Marine-Vereine (BDM-V), die sich der Kameradschaftspflege, dem Gedenken an gefallene Seeleute und der gegenseitigen Hilfe widmete. In dieser Weimarer Periode erreichte der BDM-V bis 1932 etwa 35.000 Mitglieder in 600 Ortsverbänden und realisierte ein bedeutendes Projekt: den Bau des Marine-Ehrenmals in Laboe zwischen 1926 und 1936.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten bedeutete das Ende der organisatorischen Unabhängigkeit. Die erzwungene Eingliederung erfolgte zwischen 1933 und 1935, wobei der BDM-V seine Selbständigkeit verlor und zum Nationalsozialistischen Deutschen Marinebund (NSDMB) unter der Kontrolle der Kriegsmarine-Führung umgeformt wurde. Der NSDMB diente fortan als Propaganda- und Unterstützungsorganisation zur Verbindung zwischen Marine und Zivilbevölkerung und erreichte bis 1939 etwa 100.000 Mitglieder.

Empfänger einer 25-jährigen Ehrennadel, die nach 1934 verliehen wurde, mussten ihre Mitgliedschaft seit etwa 1909 oder früher kontinuierlich aufrechterhalten haben. Diese Träger hatten somit das Kaiserreich, die Weimarer Republik und das NS-Regime als loyale Mitglieder durchlaufen. Die Verleihungspraxis belohnte außergewöhnliche organisatorische Treue über politische Systemwechsel hinweg. Angesichts der erforderlichen Dienstzeit waren diese Auszeichnungen verhältnismäßig selten.

Die Abzeichen wurden von autorisierten Herstellern produziert und bestanden typischerweise aus emailliertem Buntmetall mit Nadelhalterung. Versionen aus der NS-Zeit, die nach 1934 gefertigt wurden, trugen auf der Rückseite die Kennzeichnung GES.GESCH. (Gesetzlich Geschützt), während frühere Versionen gelegentlich Herstellermarken aufwiesen. Die goldene Farbgebung war für 25-Jahres-Auszeichnungen charakteristisch, während für andere Dienstjubiläen wie etwa zehn Jahre typischerweise silberne Varianten vorgesehen waren. Neben den Dienstzeitabzeichen vergab der BDM-V auch separate Ehrenkreuze in verschiedenen Klassen für besondere Verdienste.

Mit der bedingungslosen Kapitulation am 8. Mai 1945 wurde der NSDMB aufgelöst. Das Kontrollratsgesetz Nr. 2 vom 10. Oktober 1945 verbot die Organisation zusammen mit allen NS-Einrichtungen, und das Tragen ihrer Abzeichen war untersagt. Diese Zäsur markierte das Ende einer Organisation, die von den Nationalsozialisten für ihre Zwecke instrumentalisiert worden war.

Am 20. Dezember 1952 erfolgte in Wilhelmshaven die Neugründung als unabhängiger, überparteilicher Deutscher Marinebund e.V., der bis heute als Deutschlands größter maritimer Interessenverband mit über 300 Ortsverbänden fortbesteht. Die moderne Organisation pflegt das Marine-Ehrenmal in Laboe, fördert maritime Bildung und vergibt eigene Mitgliedschaftsabzeichen für Dienstjubiläen von 10, 25 und 40 Jahren. Seit 1952 können auch zivile Marineinteressierte beitreten, wodurch sich die Mitgliederstruktur gegenüber der ursprünglichen Beschränkung auf aktive und ehemalige Marineangehörige erweiterte.

Das vorliegende Objekt im Zustand 2 gehört zu einer dieser historischen Perioden – der Weimarer Ära des BDM-V (1922-1933), der NS-Zeit des NSDMB (1934-1945) oder der Nachkriegsorganisation (ab 1952). Ohne Untersuchung der spezifischen Rückseitenmarkierungen lässt sich die genaue zeitliche Einordnung nicht definitiv vornehmen. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Organisation vom separaten Deutschen Flottenverein zu unterscheiden ist, einer 1898 gegründeten Propagandaorganisation für den Flottenausbau.