Elastolin - Heer 2 Offiziere im Marsch
Die vorliegende Elastolin-Figur zeigt zwei Offiziere des deutschen Heeres im Marsch und stellt ein charakteristisches Beispiel für die militärischen Spielzeugfiguren dar, die von der Firma Hausser in Ludwigsburg hergestellt wurden. Mit einer Höhe von 7,5 cm gehört diese Figur zur Standardgröße der Elastolin-Produktion, die zwischen den 1920er Jahren und dem Ende des Zweiten Weltkriegs ihre Blütezeit erlebte.
Die Hausser-Werke wurden 1904 von den Brüdern Christian und Otto Hausser gegründet und entwickelten sich zu einem der bedeutendsten Hersteller von Massefiguren in Deutschland. Der Name Elastolin bezeichnete das patentierte Material, eine Masse aus Kasein, Kreide, Leim, Glycerin und weiteren Zusatzstoffen, die auf einen Drahtgestell-Kern aufgebracht wurde. Dieses Material erwies sich als robuster und kindgerechter als die zerbrechlichen Bleifiguren der Konkurrenz und ermöglichte eine detaillierte Modellierung.
Die Darstellung von Heeresoffizieren im Marsch reflektiert die militärische Ästhetik der deutschen Wehrmacht zwischen 1935 und 1945. Offiziere wurden typischerweise in ihren charakteristischen Uniformen dargestellt, häufig mit Schirmmütze, Stiefeln und entsprechenden Rangabzeichen. Die marschierende Haltung war eine beliebte Darstellungsform, die sowohl die militärische Disziplin als auch die Dynamik der Truppe symbolisierte.
In der Zwischenkriegszeit und während des Nationalsozialismus spielten solche Spielzeugfiguren eine bedeutende Rolle in der Sozialisation junger Menschen. Sie dienten nicht nur der Unterhaltung, sondern wurden auch zur Vermittlung militärischer Werte und zur Glorifizierung des Soldatentums eingesetzt. Die Firma Hausser produzierte umfangreiche Serien mit verschiedenen Waffengattungen, Dienstgraden und Tätigkeiten, die es Kindern ermöglichten, militärische Szenarien nachzustellen.
Der Erhaltungszustand 2-3 deutet auf eine Figur hin, die deutliche Gebrauchsspuren aufweist, aber noch gut erkennbar und weitgehend vollständig ist. Typische Alterserscheinungen bei Elastolin-Figuren umfassen Farbabrieb, kleine Beschädigungen der Masse, Oxidation der Drahtgestelle oder fehlende Kleinteile wie Waffen oder Ausrüstungsgegenstände.
Nach 1945 wurde die Produktion militärischer Spielzeugfiguren zunächst eingestellt, da die Alliierten die Herstellung kriegsverherrlichenden Materials untersagten. Die Hausser-Werke stellten in der Nachkriegszeit auf zivile Figuren um, darunter Landwirtschafts- und Wildwest-Serien. Erst später kehrten auch militärische Figuren, nun vorwiegend historischer Epochen, in das Sortiment zurück.
Heute sind Elastolin-Figuren der Wehrmacht begehrte Sammlerobjekte, die sowohl von militärhistorisch interessierten Sammlern als auch von Liebhabern historischen Spielzeugs geschätzt werden. Sie dokumentieren einen bedeutenden Abschnitt deutscher Spielzeuggeschichte und bieten Einblicke in die materielle Kultur und gesellschaftlichen Vorstellungen ihrer Entstehungszeit. Der Sammlerwert wird durch Faktoren wie Seltenheit der Variante, Erhaltungszustand, Vollständigkeit und historische Bedeutung bestimmt.
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit solchen Objekten erfordert eine kritische Perspektive, die sowohl die handwerkliche Qualität und kulturgeschichtliche Bedeutung würdigt als auch die ideologische Instrumentalisierung während der NS-Zeit reflektiert.