III. Reich Diplomatisches Korps Großer Gesellschaftsanzug aus dem Besitz von Konsul Wilhelm von Pochhammer, von 1942 bis 1945 Konsul in Buenos Aires, Argentinien

um 1938. Großer Gesellschaftsanzug bestehend aus der dunkelblauen Schirmmütze, dem dunkelblauem Frack mit Weste und langer Hose, hergestellt vom Schneider "H. H. Dohmessen & Co., Berlin, Hermann Göringstr. 4", Juli 1938.
Die dunkelblaue Schirmmütze in hoher eleganter Sattelform, komplett mit Metallfaden handgestickten Effekten, der Mützenbund ebenfalls dunkelblau, silberner Paspelierung, silberne Mützenkordel. Innen mit steingrauem Lederschweißband, hinten mit kleiner Seidenschleife. Schwarzes Seidenfutter, unter dem Zelluloidtrapez mit Hersteller "Mohr & Speyer A.. Abt. Deutsche Uniform Berlin W. Jägerstr. 14", Größe ca. 58. Leicht getragen, Zustand 2.
Der Frack aus feinstem mitternachtsblauem Tuch mit schwarzem Samtkragen und Schulterstücken, darauf schwere silberne Eichenlaubstickerei, die beiden Schulterstücke mit zusätzlichen Hoheitsadlern. Auf dem linken Unterarm handgesticktes Rangabzeichen mit breitem Eichenlaubkranz und 1 Stern, ebenfalls auf schwarzem Samt. Versilberte Knöpfe mit dem Adler des Reichsaußenministeriums. Auf der linken Brust mit Schlaufen für 2 Steckabzeichen, auf der rechten Brust Schlaufen für ein weiteres Steckabzeichen. Der Frack innen mit schwarzem Seidenfutter. Dazu passend die dunkelblaue Weste und die lange Hose, seitlich mit breiten silbernen Lampassen mit Eichenlaubdekor, alle Teile vom gleichen Schneider in der identischen Tuchqualität. Nur minimal getragen in perfektem Zustand. Das original Schneideretikett "H. H. Dohmessen & Co. Berlin, Hermann Göringstr. 4" mit handschriftlicher Bezeichnung "v. Pochhammer12.7.38" wurde sorgsam herausgetrennt und liegt lose anbei. Weiterhin 2 weitere Schneideretiketten, die aus anderen Uniformen herausgetrennt wurden, Bezeichnet mit "Konsul von Pochhammer, Oktober 28" zu seinen Diplomatischen Anzügen von 1930 aus seiner Zeit als Konsul in Ceylon .
Wilhelm von Pochhammer (geboren 1892, gestorben 1982) war ein deutscher Diplomat und bereits ab 1919 im Auswärtigen Dienst tätig. 1938 wurde von Pochhammer Konsul in Santiago de Chile. Von 1942 bis 1945 als Konsul in Buenos Aires. Nach Ende des 2. Weltkrieges 2 Jahre in englischer Gefangenschaft. In der Bundesrepublik Deutschland dann wieder im Auswärtigen Dienst, von 1943 bis 1957 Generalkonsul in Bombay.
Anbei in Fotokopie die Research Unterlagen zum Lebenslauf von Pochhammers.
Diese Uniform ist abgebildet im Fachbuch von Jill Halcomb "Uniforms and insignia of the German Foreign Office and Government Ministries 1938-1945".
Ein fantastisches Uniformensemble in wunderbarer Qualität, weltweit sind keine 5 Stück bekannt !
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III. Reich Diplomatisches Korps Großer Gesellschaftsanzug aus dem Besitz von Konsul Wilhelm von Pochhammer, von 1942 bis 1945 Konsul in Buenos Aires, Argentinien

Die diplomatischen Uniformen des Dritten Reiches stellen ein faszinierendes Kapitel der deutschen Verwaltungsgeschichte dar und spiegeln die Bemühungen des nationalsozialistischen Regimes wider, alle Aspekte des Staatsapparates nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Der hier vorliegende Große Gesellschaftsanzug des Diplomatischen Korps verkörpert die höchste Kategorie der offiziellen Garderobe deutscher Diplomaten zwischen 1938 und 1945.

Mit der Machtübernahme 1933 begann das nationalsozialistische Regime schrittweise, die Uniformvorschriften aller Reichsbehörden zu reformieren. Das Reichsaußenministerium unter Konstantin Freiherr von Neurath und später Joachim von Ribbentrop führte 1938 neue Uniformbestimmungen für das Diplomatische Korps ein. Diese Regelungen sollten die Vertreter des Deutschen Reiches im Ausland in ein einheitliches, repräsentatives Erscheinungsbild kleiden, das sowohl traditionelle diplomatische Eleganz als auch nationalsozialistische Symbolik vereinte.

Der Große Gesellschaftsanzug war die vornehmste Kategorie der diplomatischen Garderobe und wurde nur zu den feierlichsten Anlässen getragen, etwa bei Staatsempfängen, Krönungen, offiziellen Banketten oder der Überreichung von Beglaubigungsschreiben an ausländische Staatsoberhäupter. Die Anfertigung eines solchen Ensembles erfolgte ausschließlich durch ausgewählte Berliner Schneidermeister, die auf die Herstellung von Uniformen spezialisiert waren. Firmen wie H. H. Dohmessen & Co. und Mohr & Speyer gehörten zu den renommiertesten Adressen für diplomatische und militärische Bekleidung.

Die Gestaltung des Anzugs folgte strengen Vorschriften: Das mitternachtsblaue Tuch war charakteristisch für alle diplomatischen Uniformen und unterschied diese von den Uniformen anderer Reichsbehörden. Der Frack mit seinem schwarzen Samtkragen repräsentierte die traditionelle Form diplomatischer Kleidung, wie sie seit dem 19. Jahrhundert international üblich war. Die aufwendige Eichenlaubstickerei auf den Schulterstücken in Silber war ein typisches Element der nationalsozialistischen Symbolsprache und ersetzte die früheren kaiserlichen und republikanischen Rangabzeichen.

Die Rangkennzeichnung im Diplomatischen Korps erfolgte durch ein komplexes System von Stickereien, Sternen und Eichenlaubkränzen. Konsuln trugen auf dem linken Unterarm spezifische Rangabzeichen, die ihre Position in der diplomatischen Hierarchie anzeigten. Die versilberten Knöpfe mit dem Adler des Reichsaußenministeriums waren ein weiteres distinktives Merkmal, das die Träger als Vertreter des Auswärtigen Dienstes auswies.

Die Schirmmütze in hoher Sattelform entsprach dem eleganten Stil der diplomatischen Garderobe. Die aufwendige Metallfadenstickerei auf Mützenschirm und -band, kombiniert mit der silbernen Kordel, machte diese Kopfbedeckung zu einem Kunstwerk handwerklicher Fertigkeit. Die Qualität der Verarbeitung und die Verwendung edelster Materialien unterstrichen den Anspruch, dass deutsche Diplomaten auch äußerlich die Macht und den Reichtum des Reiches repräsentieren sollten.

Deutsche Diplomaten wie Wilhelm von Pochhammer prägten das Bild des Dritten Reiches im Ausland. Der diplomatische Dienst im südamerikanischen Raum, insbesondere in Argentinien und Chile, gewann während des Zweiten Weltkrieges zunehmend an Bedeutung. Diese Länder waren wichtige Handelspartner und potenzielle politische Verbündete. Buenos Aires entwickelte sich zu einem bedeutenden diplomatischen Posten, von dem aus die deutschen Interessen in Südamerika koordiniert wurden.

Die technische Ausführung dieser Uniformen demonstriert das hohe handwerkliche Niveau der Berliner Schneiderkunst der 1930er Jahre. Jedes Stück wurde individuell angefertigt und mehrfach anprobiert, um perfekten Sitz zu gewährleisten. Die Verwendung von echtem Silberfaden für die Stickereien, feinstem Tuch aus deutschen oder englischen Manufakturen und hochwertigen Seidenfuttern machte diese Uniformen zu kostspieligen Investitionen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden diese Uniformen größtenteils vernichtet oder eingelagert. Viele Diplomaten befürchteten Repressalien und beseitigten alle Insignien des untergegangenen Regimes. Die erhaltenen Exemplare sind daher von außerordentlicher Seltenheit. Experten schätzen, dass weltweit weniger als fünf vollständige Große Gesellschaftsanzüge des Diplomatischen Korps in Museen oder Privatsammlungen existieren.

Aus historischer Perspektive dokumentieren diese Uniformen die Ambivalenz des diplomatischen Dienstes im Dritten Reich. Einerseits bewahrten sie traditionelle Formen internationaler Diplomatie, andererseits dienten sie einem verbrecherischen Regime. Viele Karrierediplomaten hatten bereits in der Weimarer Republik oder sogar im Kaiserreich gedient und setzten ihre Laufbahn unter völlig veränderten politischen Vorzeichen fort.

Die wissenschaftliche Erforschung dieser Uniformen, wie sie durch Fachpublikationen von Jill Halcomb und anderen Experten erfolgt ist, trägt zum Verständnis der materiellen Kultur des Dritten Reiches bei. Diese Objekte sind wichtige Quellen für die Uniformkunde, die Textilgeschichte und die Diplomatiegeschichte. Sie ermöglichen es, die Selbstdarstellung und Repräsentationsformen des nationalsozialistischen Staates zu analysieren und zu verstehen, wie das Regime seine Macht auch durch visuelle und symbolische Mittel zu manifestieren suchte.