Königlich Preußisches Kadettenkorps ( KPK ) silberne Mitgliedsnadel
Diese silbervergoldete Mitgliedsnadel des Königlich Preußischen Kadettenkorps (KPK) verkörpert die Erinnerung an eine der bedeutendsten Militärbildungsinstitutionen der deutschen Geschichte. Das Abzeichen wurde von ehemaligen Kadetten getragen, insbesondere nach der erzwungenen Auflösung der Institution in den Jahren 1919 bis 1920, und diente als Zeichen der Zugehörigkeit zu einer Elite, die über zwei Jahrhunderte hinweg den preußisch-deutschen Offizierskorps prägte.
Das Königlich Preußische Kadettenkorps wurde 1717 unter König Friedrich Wilhelm I. als „Pflanzschule" für das preußische Offizierskorps organisiert. Der König konsolidierte dabei ältere Kadetteninstitutionen aus Kolberg, Berlin und Magdeburg, um eine einheitliche Ausbildungsstätte für Söhne verarmter Offiziere zu schaffen. Zunächst blieb die Aufnahme dem Adel vorbehalten, doch ab dem 6. August 1808 wurde die Institution auch für bürgerliche Kandidaten geöffnet. Die jungen Kadetten, meist im Alter von zehn bis fünfzehn Jahren, durchliefen eine strenge militärische Erziehung, die sie auf Offizierskarrieren in der preußischen Armee vorbereitete.
Im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts expandierte das Kadettenkorps erheblich und umfasste mehrere regionale Schulen, darunter Standorte in Stolp, Kulm, Kalisch und Karlsruhe. Im Jahr 1880 wurde die Preußische Hauptkadettenanstalt zur kaiserlich-deutschen Hauptkadettenanstalt und bildete damit die zentrale Elitemilitärschule des Deutschen Kaiserreichs bis 1920. Über die mehr als zweihundertjährige Geschichte hinweg durchliefen Tausende junger Männer diese Ausbildungsstätten, von denen viele zu prägenden Gestalten der europäischen Militärgeschichte wurden.
Zu den bemerkenswerten Absolventen des Kadettenkorps zählten Erich von Manstein und Heinz Guderian, beide bedeutende Wehrmachtskommandeure, sowie Hermann Göring, der von 1905 bis 1909 die Kadettenschule in Karlsruhe besuchte. Zahlreiche preußische und deutsche Militäroffiziere, die die europäische Militärgeschichte bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein formten, verdankten ihre Ausbildung dieser Institution.
Das Ende des Ersten Weltkriegs besiegelte das Schicksal des Kadettenkorps. Der Vertrag von Versailles erzwang die Schließung aller deutschen Militärkadettenanstalten. Das Korps wurde offiziell 1919 aufgelöst, und die Hauptkadettenanstalt Lichterfelde schloss am 20. März 1920 endgültig ihre Pforten. Diese Daten, 1717 und 1919, markieren die Gründung und die erzwungene Auflösung und erscheinen auf verschiedenen Gedenkabzeichen aus dieser Zeit.
Nach der Auflösung wurden die ehemaligen preußischen Kadettenschulen gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrags in zivile „Staatliche Bildungsanstalten" (Stabilas) umgewandelt. Die ehemaligen Kadetten ließen jedoch ihre Verbindung nicht abreißen. Sie gründeten Traditionsgemeinschaften, die von 1920 bis 1995 bestanden und Netzwerke ehemaliger Absolventen aufrechterhielten sowie die Erinnerung an die Institution pflegten. Mitgliedsabzeichen wie das hier vorliegende dienten zur Identifikation der Angehörigen dieser aufgelösten Institution und wurden bei Treffen und Gedenkveranstaltungen getragen.
Die Erinnerungskultur manifestierte sich auch in Denkmälern. In Lichterfelde wurde ein Granitmonument errichtet, das die Inschrift 1717/KPK/1919 trägt und an das aufgelöste Kadettenkorps erinnert. Während der NS-Zeit von 1933 bis 1945 wurden mehrere ehemalige Kadettenschulgebäude als Nationalpolitische Erziehungsanstalten (Napolas) umfunktioniert, ein Versuch, die Kadettentradition in nazifizierter Form wiederzubeleben. Der Gebäudekomplex der Hauptkadettenanstalt Lichterfelde beherbergte in dieser Zeit die SS-Division Leibstandarte.
Diese silberne Mitgliedsnadel aus versilbertem Buntmetall, an einer Querspange befestigt, repräsentiert die typische Trageweise von Vereinsabzeichen dieser Epoche. Sie ist ein materielles Zeugnis der Traditionsverbundenheit ehemaliger Kadetten, die über Jahrzehnte hinweg ihre gemeinsame Geschichte bewahrten, auch nachdem die Institution selbst der historischen Vergänglichkeit anheimgefallen war.