Kriegsmarine Pressefoto: Vier der fünfzig Weltkriegszerstörer trafen in England ein 19.10.1940

Maße ca. 13 x 18 cm, rückseitig mit Beschriftung, Gebrauchter Zustand.
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10,00

Kriegsmarine Pressefoto: Vier der fünfzig Weltkriegszerstörer trafen in England ein 19.10.1940

Das vorliegende Pressefoto der Kriegsmarine aus dem Jahr 1940 dokumentiert ein bedeutendes Kapitel in der maritimen Geschichte des Zweiten Weltkriegs: die Übergabe von fünfzig amerikanischen Zerstörern an Großbritannien im Rahmen des sogenannten Destroyers-for-Bases-Abkommens.

Am 2. September 1940 schlossen die Vereinigten Staaten und Großbritannien ein wegweisendes Abkommen, das als “Destroyers for Bases Agreement” in die Geschichte einging. Präsident Franklin D. Roosevelt autorisierte die Übertragung von fünfzig überalterten Zerstörern der Flush-Deck-Klasse aus dem Ersten Weltkrieg an die britische Royal Navy. Im Gegenzug erhielten die USA 99-jährige Pachtrechte für britische Marinestützpunkte in der Karibik, Neufundland und Bermuda.

Diese diplomatische Initiative erfolgte zu einem kritischen Zeitpunkt. Nach dem Fall Frankreichs im Juni 1940 und während der Luftschlacht um England stand Großbritannien praktisch allein gegen die Achsenmächte. Die Royal Navy litt unter akutem Zerstörermangel, insbesondere für die lebenswichtige Atlantikschlacht und den Schutz der Handelskonvois. Deutsche U-Boote fügten der britischen Handelsflotte schwere Verluste zu, und jeder verfügbare Zerstörer war für die Konvoibegleitung und U-Boot-Abwehr von entscheidender Bedeutung.

Das Pressefoto vom 19. Oktober 1940 zeigt vier dieser Zerstörer nach ihrer Ankunft in England. Die Aufnahme wurde vom Propagandaministerium des Deutschen Reiches verbreitet und diente der Kriegsberichterstattung. Solche Pressefotos waren ein wichtiges Instrument der deutschen Kriegspropaganda und wurden systematisch an deutsche und neutrale Zeitungen verteilt.

Die fünfzig Zerstörer – meist Schiffe der Wickes- und Clemson-Klasse – waren zwischen 1917 und 1922 gebaut worden und entsprachen nicht mehr den modernen Kriegsstandards. Sie waren mit einer Verdrängung von etwa 1.200 Tonnen und einer Bewaffnung von vier 4-Zoll-Geschützen sowie Torpedorohren ausgestattet. Trotz ihres Alters und technischer Mängel stellten sie eine dringend benötigte Verstärkung für die britischen Seestreitkräfte dar.

Die Royal Navy taufte die Schiffe um und verteilte sie auf verschiedene Einsatzgebiete. Dreißig Zerstörer erhielten Namen britischer Städte und wurden in den Dienst der Royal Navy übernommen, während zwanzig an die Royal Canadian Navy gingen. Die Schiffe wurden hauptsächlich für Geleitaufgaben im Nordatlantik, die U-Boot-Abwehr und Küstenpatrouillen eingesetzt.

Aus deutscher Perspektive wurde das Destroyers-for-Bases-Abkommen als klare Verletzung der amerikanischen Neutralität betrachtet. Die deutsche Kriegsmarine und das Propagandaministerium nutzten solche Fotos, um die zunehmende amerikanische Unterstützung Großbritanniens zu dokumentieren und als feindlichen Akt darzustellen. Dies passte in die Erzählung, dass die USA faktisch bereits Kriegspartei seien, lange bevor sie im Dezember 1941 offiziell in den Krieg eintraten.

Die Pressefotos der Kriegsmarine wurden in einer standardisierten Größe von etwa 13 x 18 cm produziert und trugen üblicherweise rückseitige Stempel und Beschriftungen. Diese enthielten Informationen über das Bildmotiv, Datum, Fotografen oder die ausgebende Stelle. Die Fotos wurden vom Oberkommando der Kriegsmarine (OKM) oder nachgeordneten Pressestellen herausgegeben und an die gleichgeschaltete deutsche Presse sowie an Auslandszeitungen verteilt.

Historisch betrachtet war das Destroyers-for-Bases-Abkommen ein entscheidender Schritt in der amerikanischen Politik. Es markierte das Ende der strikten Neutralität und den Beginn der aktiven Unterstützung Großbritanniens, noch vor dem Lend-Lease-Act vom März 1941. Roosevelt umging geschickt den isolationistischen Kongress, indem er das Abkommen als Exekutivanordnung durchsetzte.

Die tatsächliche militärische Bedeutung der fünfzig Zerstörer war gemischt. Viele Schiffe erwiesen sich als wartungsintensiv und technisch problematisch. Mehrere gingen durch U-Boot-Angriffe, Kollisionen oder Stürme verloren. Dennoch trugen sie zur Überbrückung einer kritischen Phase bei, bis neuere Geleitschiffe in Dienst gestellt werden konnten.

Solche Pressefotos sind heute wichtige historische Dokumente, die nicht nur militärische Ereignisse dokumentieren, sondern auch Einblick in die Propagandamechanismen der Kriegsparteien geben. Sie zeigen, wie beide Seiten versuchten, die öffentliche Meinung zu beeinflussen und ihre jeweilige Sichtweise der Ereignisse zu verbreiten.