NSKK - nichttragbare Teilnehmerplakette - " Nachtorientierungsfahrt Motorgruppe Ostsee 12./13. November 1938 - Quer durch Pommern "
Die vorliegende nichttragbare Teilnehmerplakette dokumentiert ein wichtiges Ereignis in der Geschichte des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK): die Nachtorientierungsfahrt der Motorgruppe Ostsee am 12. und 13. November 1938, die unter dem Motto “Quer durch Pommern” stattfand.
Das NSKK wurde am 1. Mai 1931 als Unterorganisation der SA gegründet und entwickelte sich zu einer paramilitärischen Kraftfahrorganisation der NSDAP. Nach der Machtübernahme 1933 wurde das NSKK am 23. August 1934 zu einer eigenständigen Formation der Partei erhoben. Unter der Leitung des Korpsführers Adolf Hühnlein hatte das NSKK die Aufgabe, die kraftfahrtechnische Ausbildung und Ertüchtigung der deutschen Bevölkerung zu übernehmen sowie die Wehrhaftigkeit im Bereich der motorisierten Truppen vorzubereiten.
Die organisatorische Struktur des NSKK gliederte sich in verschiedene Motorgruppen, die geografischen Bereichen zugeordnet waren. Die Motorgruppe Ostsee umfasste den nordöstlichen Bereich des Deutschen Reiches, einschließlich der historischen Region Pommern, die sich entlang der Ostseeküste zwischen Oder und Weichsel erstreckte. Diese Region hatte strategische Bedeutung für die Ausbildung und militärische Vorbereitung.
Orientierungsfahrten gehörten zu den wichtigsten Schulungs- und Wettkampfveranstaltungen des NSKK. Diese Fahrten dienten nicht nur der kraftfahrtechnischen Ausbildung, sondern insbesondere auch der Schulung in Navigation, Geländekunde und der Fähigkeit, sich bei schwierigen Bedingungen zurechtzufinden. Nachtorientierungsfahrten stellten eine besondere Herausforderung dar, da die Teilnehmer bei Dunkelheit mit eingeschränkter Sicht und ohne moderne Navigationshilfen vorgegebene Strecken bewältigen mussten. Diese Fähigkeiten waren in der militärischen Vorbereitung von erheblicher Bedeutung.
Die Veranstaltung im November 1938 fand zu einem historisch bedeutsamen Zeitpunkt statt. Wenige Tage zuvor, in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, hatten die Novemberpogrome stattgefunden. Das Jahr 1938 war generell geprägt von der zunehmenden Militarisierung und Expansion des Deutschen Reiches, einschließlich des Anschlusses Österreichs im März und des Münchner Abkommens im September.
Die Plakette selbst besteht aus versilbertem Feinzink und misst 65 x 84 mm. Die beiden Bohrungen dienten zur Befestigung, da es sich um eine nichttragbare Auszeichnung handelte. Im Gegensatz zu tragbaren Abzeichen und Medaillen waren diese Plaketten nicht für das Tragen an der Uniform bestimmt, sondern dienten als Erinnerungsstücke, die aufbewahrt oder ausgestellt wurden. Sie dokumentierten die Teilnahme an spezifischen Veranstaltungen und wurden oft an einer Wand montiert oder in Sammlungen aufbewahrt.
Die Herstellung solcher Plaketten erfolgte typischerweise durch spezialisierte Firmen, die auf die Produktion von Abzeichen und Auszeichnungen spezialisiert waren. Feinzink war ein beliebtes Material, da es kostengünstig war, sich gut bearbeiten ließ und durch Versilberung ein ansprechendes Aussehen erhielt. Die Größe und Gestaltung dieser Plaketten folgten keinen einheitlichen Vorgaben, sondern wurden von den jeweiligen Veranstaltern bestimmt.
Solche Veranstaltungsplaketten dokumentieren heute die vielfältigen Aktivitäten des NSKK in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Sie zeigen das dichte Netz von Schulungen, Wettkämpfen und Übungen, mit denen die Organisation ihre Mitglieder auf die kommenden militärischen Aufgaben vorbereitete. Die geografische Bezeichnung “Quer durch Pommern” deutet auf eine längere Strecke hin, die verschiedene Orte der Region einschloss und die Teilnehmer vor erhebliche navigatorische Herausforderungen stellte.
Nach Kriegsbeginn 1939 wurden viele NSKK-Mitglieder zur Wehrmacht eingezogen, während die Organisation selbst zunehmend in kriegswichtige Aufgaben wie Transportdienste, Ausbildung von Kraftfahrern und technische Unterstützung eingebunden wurde. Die Tradition der sportlich-wettkampfmäßigen Orientierungsfahrten trat in den Hintergrund.
Aus historischer Perspektive sind solche Objekte wichtige Zeitdokumente, die Einblick in die Organisationsstruktur, die Aktivitäten und die geografische Reichweite nationalsozialistischer Organisationen geben. Sie dokumentieren die systematische Vorbereitung der Bevölkerung auf den Krieg und die Durchdringung des Alltags durch paramilitärische Strukturen in der Zeit des Nationalsozialismus.