Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen ( NSRL ) - nichttragbare Teilnehmerplakette - " Internationale Motorboot-Rennen 1938 Starnberger See "

Eisen versilbert und emailliert, 68 x 70 mm, mit 2 Bohrungen, Hersteller : Carl Poellath Schrobenhausen, Zustand 2.
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280,00

Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen ( NSRL ) - nichttragbare Teilnehmerplakette - " Internationale Motorboot-Rennen 1938 Starnberger See "

Die Nationalsozialistische Reichsbund für Leibesübungen (NSRL) war die zentrale Sportorganisation des nationalsozialistischen Deutschen Reiches. Nach der Machtübernahme 1933 wurden alle deutschen Sportverbände in diese Dachorganisation zwangsweise eingegliedert, die dem Reichssportführer unterstand. Die vorliegende Teilnehmerplakette dokumentiert ein Internationales Motorboot-Rennen am Starnberger See im Jahr 1938, eine prestigeträchtige Sportveranstaltung, die die sportlichen und technologischen Ambitionen des NS-Regimes demonstrieren sollte.

Der NSRL wurde 1938 durch Umbenennung des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen (DRL) geschaffen, um die ideologische Ausrichtung des Sports noch deutlicher zu machen. Unter der Führung von Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten (1887-1943) wurde der Sport vollständig in den Dienst der nationalsozialistischen Ideologie gestellt. Die Organisation umfasste zum Zeitpunkt ihrer größten Ausdehnung über 40.000 Sportvereine mit mehreren Millionen Mitgliedern.

Der Starnberger See in Oberbayern war in den 1930er Jahren ein bevorzugter Austragungsort für Motorbootrennen. Die Gewässer boten ideale Bedingungen für Hochgeschwindigkeitsrennen, und die landschaftlich reizvolle Umgebung eignete sich perfekt für Propagandaveranstaltungen. Internationale Motorbootrennen wurden vom NS-Regime gezielt gefördert, um technische Überlegenheit und sportliche Leistungsfähigkeit zu demonstrieren. Diese Veranstaltungen zogen nicht nur deutsche, sondern auch internationale Teilnehmer an und dienten der Außendarstellung des Regimes.

Die Plakette selbst ist ein typisches Beispiel für die Erinnerungskultur des NSRL. Sie wurde vom renommierten Hersteller Carl Poellath aus Schrobenhausen gefertigt, einem Unternehmen, das sich seit 1778 auf die Herstellung von Abzeichen, Orden und Plaketten spezialisiert hatte. Die Firma Poellath war einer der Hauptlieferanten für NS-Organisationen und produzierte eine Vielzahl von Abzeichen für Partei, Wehrmacht und verschiedene Gliederungen.

Die technische Ausführung der Plakette zeigt die hohe Handwerkskunst der Zeit: versilbertes Eisen mit Emaillierung, Maße von 68 x 70 mm und zwei Bohrungen zur Befestigung. Als nichttragbare Plakette war sie nicht für das Tragen an der Uniform bestimmt, sondern diente als Erinnerungsstück oder zur Ausstellung. Die Emaillierung in den typischen Farben der NS-Organisationen und die präzise Verarbeitung machen solche Stücke zu charakteristischen Zeugnissen der damaligen Metallverarbeitungskunst.

Das Jahr 1938 war ein bedeutendes Jahr für das NS-Regime, geprägt von der Annexion Österreichs im März (Anschluss) und dem Münchner Abkommen im September. Sportveranstaltungen wie das Motorbootrennen am Starnberger See dienten dazu, ein Bild von Normalität und Friedfertigkeit zu vermitteln, während gleichzeitig die aggressive Expansionspolitik vorangetrieben wurde. Der Motorsport hatte dabei eine besondere Bedeutung, da er technischen Fortschritt und Geschwindigkeit symbolisierte – Werte, die das Regime für sich in Anspruch nahm.

Motorbootrennen waren in der Zwischenkriegszeit eine populäre Sportart, die sowohl sportliche als auch technische Aspekte vereinte. Deutschland hatte eine starke Tradition im Motorbootsport und stellte mehrere Weltrekordhalter. Die Rennen wurden häufig mit großem propagandistischem Aufwand inszeniert, mit Presseberichterstattung und Wochenschauen, die die Überlegenheit deutscher Technik und Ingenieurskunst herausstellten.

Aus historischer Perspektive sind solche Plaketten wichtige Zeitdokumente. Sie belegen nicht nur die Organisation und Durchführung sportlicher Veranstaltungen unter dem NS-Regime, sondern auch die systematische Vereinnahmung des Sports für ideologische Zwecke. Jede Sportveranstaltung wurde genutzt, um die nationalsozialistische Weltanschauung zu verbreiten und die angebliche Überlegenheit der “arischen Rasse” zu demonstrieren.

Heute sind diese Objekte Studienobjekte für Historiker und Sammler militärhistorischer Gegenstände. Sie dokumentieren die Allgegenwart nationalsozialistischer Symbolik im Alltag und die totale Durchdringung aller Lebensbereiche durch die NS-Ideologie. Die Erhaltung solcher Objekte in Museen und Sammlungen dient der historischen Bildung und Aufklärung über diese dunkle Periode der deutschen Geschichte.