Dieser leichte Lederhelm, ein privat beschafftes Eigentumsstück um 1910, gehört zu den seltensten Exemplaren preußischer Kopfbedeckungen der wilhelminischen Ära. Er vereint in sich gleich mehrere Besonderheiten, die ihn für Sammler und Militärhistoriker gleichermaßen bedeutsam machen: die Zugehörigkeit zu einer Reserveoffiziers-Kategorie, das Auszeichnungsbandeau “Colberg. 1807” und die Tatsache, dass nur zwei Batterien der gesamten preußischen Fußartillerie berechtigt waren, ein solches Ehrenband am Helm zu tragen.
Das Regiment und seine Geschichte
Das Fußartillerie-Regiment von Hindersin (1. Pommersches) Nr. 2 wurde am 16. März 1865 gegründet und war Teil der preußischen Armeestruktur, die bis zum Ende des Kaiserreichs Bestand hatte. In der Friedensgliederung bis 1914 gehörte das Regiment zur 1. Fußartillerie-Brigade, die wiederum dem II. Armee-Korps mit Hauptquartier in Stettin unterstellt war. Das Regiment unterhielt Garnisonen, deren genaue Zuordnung zu verschiedenen Zeitperioden nicht eindeutig geklärt ist.
Unter den bemerkenswerten Persönlichkeiten, die dem Regiment angehörten, ist Major Georg Bruchmüller hervorzuheben, der am 14. September 1909 zum Kommandeur des II. Bataillons des Regiments ernannt wurde und dieses Kommando am 30. September 1912 abgab. Bruchmüller sollte später im Ersten Weltkrieg zu einem der einflussreichsten Artillerieoffiziere aufsteigen.
Die Belagerung von Kolberg 1807
Das Auszeichnungsbandeau “Colberg. 1807” erinnert an eines der wenigen erfolgreichen preußischen Standgefechte während der katastrophalen Niederlagen von 1806–1807. Die Belagerung von Kolberg (auch Colberg oder Kołobrzeg geschrieben) fand von März bis zum 2. Juli 1807 während des Krieges der Vierten Koalition statt, der zu den Napoleonischen Kriegen gehörte. Eine Armee des Ersten Französischen Kaiserreichs belagerte die befestigte Stadt Kolberg, die letzte von Preußen gehaltene Festung in der Provinz Pommern. Die Belagerung blieb erfolglos und wurde mit der Verkündung des Friedens von Tilsit aufgehoben.
Die Verteidigung Kolbergs wurde in der preußischen Militärtradition zu einem Symbol des Durchhaltewillens und der Standhaftigkeit in scheinbar aussichtsloser Lage. Im Jahr 1852 wurde das Bandeau “Colberg 1807” mehreren Einheiten als Schlachtenehre verliehen, um an die erfolgreiche Verteidigung der Festung zu erinnern. Innerhalb der gesamten Fußartillerie waren es lediglich die 3. Batterie des Fußartillerie-Regiments von Hindersin und die 4. Kompanie des Garde-Fußartillerie-Regiments, die dieses Auszeichnungsband am Helm tragen durften – eine außerordentliche Seltenheit, die den besonderen Wert dieses Helms begründet.
Beschreibung und Besonderheiten des Helms
Der Helm folgt dem Modell 1871 für preußische Offiziere, angepasst für Reserveoffiziere. Er besteht aus einem leichten Lederkörper mit sämtlichen Beschlägen in vergoldeter Ausführung. Vorne trägt er den Wappenadler mit ovalem Brustschild, auf dem die Chiffre “FWR” (Friedrich Wilhelm Rex, für König Friedrich Wilhelm) erscheint. Charakteristisch für Reserveoffiziere ist das Fehlen des Bandeaus direkt am Adler; stattdessen findet sich unterhalb des Adlers das Auszeichnungsbandeau “Colberg. 1807” und darunter das silberne Reservekreuz mit der Devise “Mit Gott für König und Vaterland”.
Die hohe Kugel als Helmaufsatz ist abnehmbar, die flachen Schuppenketten sind an Rosetten befestigt, und beide Kokarden sind vorhanden. Das Innere zeigt ein helles Lederschweißband und ein Seidenripsfutter. Der Vorderschirm ist grün, der Nackenschirm rot gefüttert. In der Glocke findet sich handschriftlich die Größe “56 1/2”.
Der Reserveoffizier im preußischen System
Reserveoffiziere waren Männer, die ihren aktiven Militärdienst abgeschlossen hatten und ihren Offiziersrang in den Reservestreitkräften beibehielten. Im preußischen Militärsystem war der Status des Reserveoffiziers von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung. Die Unterscheidung zum aktiven Offizier manifestierte sich auch in der Uniformierung: Das silberne Reservekreuz an Stelle des üblichen “Vaterland-Bandeaus” direkt am Adler kennzeichnete den Träger eindeutig als Angehörigen der Reserve.
Als Eigentumsstück wurde dieser Helm vom Offizier selbst beschafft und bezahlt, im Gegensatz zu den von der Armee ausgegebenen Exemplaren. Solche privat erworbenen Stücke zeichneten sich häufig durch eine besonders sorgfältige Verarbeitung aus.
Das Ende einer Ära
Die Pickelhaube wurde während des Ersten Weltkriegs schrittweise zugunsten des Stahlhelms für den Kampfeinsatz abgelöst, blieb aber für zeremonielle Zwecke weiterhin in Gebrauch. Das Fußartillerie-Regiment von Hindersin diente während des gesamten Ersten Weltkriegs, bevor es mit der Auflösung der Kaiserlich Deutschen Armee in den Jahren 1918–1919 aufgelöst wurde.
Die außerordentliche Seltenheit dieses Helms ergibt sich aus der Kombination mehrerer Faktoren: die begrenzte Zahl von Reserveoffizieren einer einzelnen Batterie, die Exklusivität des Auszeichnungsbandes “Colberg. 1807” innerhalb der Fußartillerie und der allgemein gute Erhaltungszustand mit besonders schön erhaltener Vergoldung. Für den spezialisierten Sammler preußischer Militaria stellt dieses Stück ein herausragendes Zeugnis preußischer Militärtradition dar.