Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend ( RAD/wJ ) - Brosche für Maidenoberführerin

silberfarben, Feinzink, Hersteller :  Wilhelm Deumer Lüdenscheid 41 RADJ, an Nadel, Zustand 2.
319610
€ 90,00

Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend ( RAD/wJ ) - Brosche für Maidenoberführerin

Die Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend (RAD/wJ) Brosche für Maidenovoberführerin repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der deutschen Geschichte während der Zeit des Nationalsozialismus. Diese silberfarbene Brosche aus Feinzink, hergestellt von Wilhelm Deumer in Lüdenscheid, verkörpert die hierarchische Struktur und ideologische Ausrichtung einer Organisation, die zwischen 1939 und 1945 Millionen junger deutscher Frauen erfasste.

Der Reichsarbeitsdienst (RAD) wurde 1935 als obligatorische Institution für alle jungen Deutschen eingeführt. Während der männliche RAD bereits früh etabliert wurde, entstand der weibliche Zweig, der RAD/wJ, offiziell am 1. September 1939 mit Kriegsbeginn. Zuvor existierte seit 1936 der freiwillige Arbeitsdienstpflicht für die weibliche Jugend, der 1939 zur Pflicht wurde. Junge Frauen zwischen 17 und 25 Jahren mussten zunächst sechs Monate, später ein volles Jahr im RAD/wJ dienen, bevor sie einer anderen Tätigkeit nachgehen konnten.

Die Rangstruktur des RAD/wJ war streng hierarchisch gegliedert und orientierte sich an militärischen Vorbildern. Die Position der Maidenovoberführerin befand sich in der oberen Führungsebene dieser Organisation. Sie stand mehrere Stufen über der einfachen Arbeitsmaid und kommandierte größere Einheiten. Die Hierarchie begann bei der einfachen Arbeitsmaid, führte über Vorarbeiterin, Meidenführerin, Meidenobferführerin bis zu den höchsten Rängen wie Bezirksführerin und Oberfeldsmeisterin.

Die hier beschriebene Brosche diente als Rangabzeichen und wurde an der Uniform getragen. Der Hersteller Wilhelm Deumer aus Lüdenscheid war einer der bedeutendsten Produzenten militärischer und paramilitärischer Auszeichnungen während der NS-Zeit. Die Firma, gegründet im 19. Jahrhundert, belieferte nicht nur den RAD, sondern auch Wehrmacht, SA, SS und andere Organisationen. Die Kennzeichnung “41” verweist auf die Herstellernummer im offiziellen Vergabesystem des Reiches, während “RADJ” für Reichsarbeitsdienst der Jugend steht.

Das Material Feinzink war während der Kriegsjahre üblich, da kriegswichtige Metalle wie Bronze oder Silber für Rüstungszwecke reserviert waren. Die silberfarbene Beschichtung sollte dennoch den repräsentativen Charakter des Rangabzeichens wahren. Die handwerkliche Qualität der Deumer-Produkte war allgemein anerkannt, auch wenn Kriegsproduktionen natürlich qualitative Schwankungen aufwiesen.

Der RAD/wJ war organisatorisch in Arbeitsgruppen unterteilt, die üblicherweise in ländlichen Gebieten eingesetzt wurden. Die jungen Frauen sollten bei der Ernte helfen, in der Landwirtschaft arbeiten und kinderreichen Familien zur Hand gehen. Die ideologische Ausrichtung betonte die Rolle der Frau als Mutter und Helferin, wobei körperliche Arbeit als charakterbildend propagiert wurde. Der Dienst umfasste auch intensive ideologische Schulung im nationalsozialistischen Gedankengut.

Die Uniform des RAD/wJ bestand aus einem braunen Rock, weißer Bluse und einem charakteristischen braunen Hut. Rangabzeichen wie die hier beschriebene Brosche wurden prominent getragen und signalisierten Autorität und Verantwortung. Die Maidenovoberführerin hatte disziplinarische Befugnisse und war für die Ausbildung und Führung ihrer Untergebenen verantwortlich.

Nach Kriegsende 1945 wurde der RAD wie alle NS-Organisationen von den Alliierten aufgelöst. Die Ausrüstungsgegenstände, Uniformen und Abzeichen wurden größtenteils vernichtet oder von Soldaten als Souvenirs mitgenommen. Überlebende Stücke wie diese Brosche sind heute Zeugnisse einer dunklen Epoche deutscher Geschichte und werden von Sammlern, Museen und Historikern als Studienobjekte bewahrt.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit solchen Objekten ist wichtig für das historische Verständnis der totalitären Durchdringung der Gesellschaft im Nationalsozialismus. Der RAD/wJ war Teil eines Systems, das die gesamte Jugend erfassen und ideologisch formen wollte. Die Rangabzeichen dokumentieren die Militarisierung auch ziviler Bereiche und die Hierarchisierung aller Lebensbereiche.

Heute befinden sich solche Objekte in historischen Sammlungen und dienen der Aufklärung und Mahnung. Der Handel mit NS-Devotionalien ist in Deutschland gesetzlich reguliert, um eine Verherrlichung zu verhindern, während gleichzeitig die wissenschaftliche und museale Arbeit ermöglicht wird.