Reichsministerium für besetzte Ostgebiete brauner Sommerrock für Beamte im Osteinsatz

Kammerstück um 1943/44. Offener Dienstrock aus hellbraunem gewebten Baumwolltuch, 4 aufgesetzte Taschen. Versilberte Knöpfe mit Hoheitsadlern. In der linken Hüfte mit Schlitz zum Tragen des Dolches, innen mit eingenähtem Tragehaken für das Dolchgehänge. Am Ärmel ein Stempel "3367". Armlänge 63 cm, Brustumfang ca 100 cm, Rückenlänge 73 cm, Zustand 2+.
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900,00

Reichsministerium für besetzte Ostgebiete brauner Sommerrock für Beamte im Osteinsatz

Der braune Sommerrock des Reichsministeriums für besetzte Ostgebiete (RMfdbO) repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der deutschen Besatzungsverwaltung während des Zweiten Weltkriegs. Dieses Kleidungsstück, datiert auf die Jahre 1943/44, verdeutlicht die bürokratische Organisation und das Selbstverständnis der deutschen Zivilbeamten, die im besetzten Osten eingesetzt waren.

Das Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete wurde am 17. Juli 1941 unter der Leitung von Alfred Rosenberg gegründet, kurz nach dem Beginn des Unternehmens Barbarossa. Die Hauptaufgabe dieser Behörde bestand darin, die politische und wirtschaftliche Verwaltung der eroberten sowjetischen Territorien zu organisieren. Das Ministerium war verantwortlich für das Reichskommissariat Ostland (Baltikum und Weißrussland) und das Reichskommissariat Ukraine, Gebiete von enormer strategischer und wirtschaftlicher Bedeutung.

Die Dienstkleidung der Beamten im Osteinsatz folgte strengen Vorschriften und sollte die Autorität des Deutschen Reiches repräsentieren. Der vorliegende Sommerrock aus hellbraunem Baumwolltuch war speziell für die klimatischen Bedingungen in den östlichen Besatzungsgebieten konzipiert. Die braune Farbe war charakteristisch für die Parteiuniformen und wurde bewusst gewählt, um die Verbindung zur nationalsozialistischen Bewegung zu symbolisieren.

Die vier aufgesetzten Taschen entsprachen dem praktischen Design der Dienstuniformen und ermöglichten das Mitführen wichtiger Dokumente und persönlicher Gegenstände. Die versilberten Knöpfe mit Hoheitsadlern waren ein wesentliches Kennzeichen der Reichskleidung und zeigten das Reichssymbol – den Adler mit Hakenkreuz. Diese Symbolik war obligatorisch für alle offiziellen Uniformen und Dienstkleidung des Dritten Reiches.

Ein besonders bemerkenswertes Detail ist der Schlitz in der linken Hüfte zum Tragen des Dolches. Dies deutet darauf hin, dass der Träger zu den höheren Beamten gehörte, denen das Tragen eines Dienstdolches gestattet oder vorgeschrieben war. Der eingenähte Tragehaken für das Dolchgehänge zeigt die durchdachte Konstruktion dieser Dienstkleidung. Der Dienstdolch war nicht nur eine zeremonielle Waffe, sondern auch ein Statussymbol innerhalb der Hierarchie der Zivilverwaltung.

Der Ärmelstempel “3367” ist typisch für die Kennzeichnung von Uniformstücken in der deutschen Verwaltung. Solche Stempel dienten der internen Verwaltung, möglicherweise zur Zuordnung zu bestimmten Depots, Schneidereien oder zur persönlichen Identifikation des Trägers innerhalb des Ministeriums.

Die Datierung auf 1943/44 fällt in eine kritische Phase des Krieges. Nach der Niederlage von Stalingrad im Februar 1943 begann die Wehrmacht ihren langsamen Rückzug aus den besetzten Ostgebieten. Dennoch blieb die Zivilverwaltung bestehen und versuchte, die Kontrolle über die noch besetzten Territorien aufrechtzuerhalten. Die Produktion solcher Uniformen in dieser späten Kriegsphase zeigt, dass trotz der sich verschlechternden militärischen Lage weiterhin in die zivile Besatzungsinfrastruktur investiert wurde.

Die Beamten des Reichsministeriums für besetzte Ostgebiete waren in verschiedenen Funktionen tätig: von der lokalen Verwaltung über wirtschaftliche Ausbeutung bis hin zur Implementierung der rassenpolitischen Maßnahmen des NS-Regimes. Ihre Arbeit war integral mit den verbrecherischen Aspekten der deutschen Besatzungspolitik verbunden, einschließlich der systematischen Ausbeutung der Ressourcen und der Bevölkerung sowie der Beteiligung an Deportationen und Massenmorden.

Die Materialwahl des hellbraunen Baumwolltuchs reflektiert die Ressourcenknappheit der späten Kriegsjahre. Während frühere Uniformen oft aus hochwertigeren Stoffen gefertigt wurden, musste man 1943/44 zunehmend auf einfachere Materialien zurückgreifen. Dennoch blieb die Verarbeitung professionell, was auf eine spezialisierte Schneiderei oder Uniformfertigung hinweist.

Nach dem Zusammenbruch der deutschen Herrschaft im Osten 1944/45 wurden solche Uniformstücke selten. Viele wurden von ihren Trägern vernichtet, um Identifizierung und Strafverfolgung zu vermeiden. Erhaltene Exemplare wie dieses sind daher wichtige historische Zeugnisse einer dunklen Periode deutscher Geschichte und dokumentieren die bürokratische Maschinerie der Besatzungsherrschaft.