SS Porzellanmanufaktur Allach - Bär, bittend

weiss, Prof. Kärner, Nr. 5, unbeschädigt, Zustand 2
474510
850,00

SS Porzellanmanufaktur Allach - Bär, bittend

Die SS-Porzellanmanufaktur Allach und die Figurine "Bär, bittend" von Professor Theodor Kärner

Die Porzellanmanufaktur Allach war eine Produktionsstätte für hochwertiges Porzellan, die zwischen 1936 und 1945 unter der Schirmherrschaft der SS betrieben wurde. Die Manufaktur befand sich zunächst in Allach, einem Vorort von München, und wurde später um ein zusätzliches Werk in Dachau erweitert. Die Einrichtung war Teil des wirtschaftlichen Imperiums der SS und wurde von der SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt (WVHA) verwaltet.

Die Gründung der Manufaktur erfolgte 1935 durch den Künstler Franz Nagy und Karl Diebitsch, die beide enge Verbindungen zur SS hatten. Im Jahr 1936 wurde das Unternehmen unter die direkte Kontrolle der SS gestellt und als Teil des kulturellen und wirtschaftlichen Programms der Organisation entwickelt. Die Manufaktur produzierte ein breites Spektrum von Porzellanwaren, darunter dekorative Figurinen, Leuchter, Geschirr und repräsentative Geschenkartikel.

Die künstlerische Ausrichtung der Allacher Manufaktur war stark von der nationalsozialistischen Ideologie geprägt. Die Figurinen und Objekte sollten die vermeintlichen germanischen Tugenden und die Verbindung zur Natur darstellen. Dabei wurden Tiermotive besonders geschätzt, da sie als Symbole für Stärke, Treue und natürliche Reinheit galten. Die Manufaktur beschäftigte mehrere namhafte Bildhauer und Künstler, die für ihre technische Meisterschaft und ihre Fähigkeit bekannt waren, die ideologischen Vorgaben in ästhetisch ansprechende Kunstwerke umzusetzen.

Professor Theodor Kärner (1884-1966) war einer der bedeutendsten Bildhauer, die für Allach arbeiteten. Geboren in München, studierte Kärner an der dortigen Kunstakademie und entwickelte sich zu einem anerkannten Tierbildhauer. Seine Spezialisierung auf naturalistische Tierdarstellungen machte ihn zu einem idealen Künstler für das Programm der Allacher Manufaktur. Kärner schuf zahlreiche Modelle für Porzellanfigurinen, die Tiere in charakteristischen Posen zeigten. Seine Arbeiten zeichneten sich durch präzise anatomische Details und eine lebendige Darstellung der Tierpersönlichkeiten aus.

Die Figurine "Bär, bittend" (Modellnummer 5) gehört zu Kärners bekanntesten Entwürfen für Allach. Sie zeigt einen Bären in aufrechter Haltung mit einer bittenden oder bettelnden Geste, eine Darstellung, die sowohl die Kraft als auch eine gewisse Verspieltheit des Tieres vermittelt. Diese Art der Darstellung war typisch für die Tierporzellan-Produktion in Deutschland und hatte Vorbilder in älteren Porzellanmanufakturen wie Meissen und Nymphenburg. Die weisse Ausführung, auch als "Biskuitporzellan" oder unglasierten Scherben bekannt, war besonders geschätzt, da sie die feinen Details der Modellierung hervorhob und dem Objekt eine marmorähnliche Qualität verlieh.

Die Produktionsmethoden bei Allach waren hochentwickelt und basierten auf traditionellen Porzellanherstellungstechniken. Das verwendete Material war Hartporzellan von hoher Qualität, das bei Temperaturen über 1.300 Grad Celsius gebrannt wurde. Jede Figurine wurde in mehrteiligen Gipsformen hergestellt, wobei erfahrene Handwerker die einzelnen Teile zusammenfügten und die feinen Details nacharbeiteten. Die Qualitätskontrolle war streng, und nur einwandfreie Stücke verließen die Manufaktur.

Die Nummerierung der Allacher Modelle folgte einem systematischen Katalog. Die Nummer 5 für den "Bär, bittend" war eine frühe Modellnummer, was darauf hinweist, dass dieses Design zu den ersten Produktionen der Manufaktur gehörte. Jedes Stück trug auf der Unterseite die charakteristische Allach-Marke, die sich im Laufe der Jahre leicht veränderte. Die frühen Marken zeigten oft die Runen der SS zusammen mit dem Schriftzug "Allach" und der Modellnummer.

Die Arbeitsbedingungen in der Manufaktur Allach waren komplex und ethisch problematisch. Während in den frühen Jahren hauptsächlich reguläre Arbeiter beschäftigt wurden, kam es ab 1940 zunehmend zum Einsatz von KZ-Häftlingen aus dem nahegelegenen Konzentrationslager Dachau. Diese Zwangsarbeiter wurden unter unmenschlichen Bedingungen zur Arbeit gezwungen, insbesondere im neuen Werk in Dachau, das 1940 in Betrieb genommen wurde. Diese historische Tatsache belastet die gesamte Produktion der Allacher Manufaktur moralisch schwer und muss bei jeder historischen Betrachtung berücksichtigt werden.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 wurde die Allacher Manufaktur von den alliierten Streitkräften geschlossen. Die Formen und Werkzeuge wurden teilweise beschlagnahmt oder zerstört. Die Produkte der Manufaktur wurden zu einem schwierigen Teil des kulturellen Erbes, da sie einerseits handwerklich und künstlerisch von hoher Qualität waren, andererseits aber untrennbar mit dem verbrecherischen SS-System verbunden sind.

Heute werden Allacher Porzellanfigurinen von Sammlern historischer Objekte gesucht, wobei der historische und dokumentarische Wert im Vordergrund steht. Der Umgang mit solchen Objekten erfordert eine kritische und reflektierte Haltung, die sowohl die künstlerische Qualität als auch den problematischen historischen Kontext anerkennt. Museen und wissenschaftliche Einrichtungen bewahren solche Stücke als Zeugnisse einer dunklen Epoche der deutschen Geschichte auf, um sie für Bildungs- und Forschungszwecke zugänglich zu machen.